Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Email auf Eisen - Emin Pascha

der, dazu nicht berechtigter Elemente aufs entschiedenste zurückweisen, und daß keine aus dem Ausland kommende Agitation je geeignet sein wird, diese Gesinnung zu erschüttern.« Zum Schluß wurde um Aufhebung oder wenigstens um milde Ausführung der Paßmaßregel gebeten. Trotz der Farblosigkeit der gewählten Ausdrücke war diese Adresse immerhin als ein Fortschritt gegen früher anzusehen, und daher wurde sie vom Kaiser 14. März unter besondern Feierlichkeiten im Berliner Schloß entgegengenommen. Nach der Verlesung der Adresse erwiderte der Kaiser: »Ich nehme gern die Versicherung entgegen, daß die elsaß-lothringische Bevölkerung, auf dem Boden der bestehenden staatsrechtlichen Verhältnisse verharrend, jede Einmischung fremder Elemente zurückweist und den Schutz ihrer Interessen nur von dem Reiche gewärtigt. Indem Ich Ihnen für diesen Ausdruck reichstreuer Gesinnung Meinen Dank entbiete, bedaure Ich, für jetzt Ihre Wünsche nicht erfüllen zu können. Ich muß Mich darauf beschränken, die Hoffnung auszusprechen, daß in nicht allzu ferner Zeit die Verhältnisse es gestatten mögen, im Verkehr an der Westgrenze wiederum Erleichterungen eintreten zu lassen. Diese Hoffnung wird um so früher in Erfüllung gehen, je mehr sich die elsaß-lothringische Bevölkerung von der Unlösbarkeit der Bande überzeugt, welche sie mit Deutschland verknüpfen, und je entschiedener sie den Entschluß bethätigt, allezeit treu und unerschütterlich zu Mir und Meinem Reiche zu halten.«

Daß die überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung von E. sich in die neuen Zustände gefunden hatte, bewies der Ausfall der Gemeinderatswahlen im Juli 1891, bei denen namentlich das Zusammengehen der einheimischen Wähler mit den eingewanderten in vielen Fällen zu beobachten war. Niederlagen, wie die in Metz, erlitt die deutsche Partei hauptsächlich infolge ihrer Uneinigkeit. Auch die neue Einrichtung der Berufsbürgermeister hatte sich, wo sie eingeführt war, bei der Bevölkerung beliebt gemacht. Einen nicht unbedeutenden Schritt zur Annäherung an Deutschland that die katholische Geistlichkeit, indem sie im innern Verkehr die französische Sprache abschaffte; auch wurde bestimmt, daß fortan nur solche Leute in das Priesterseminar aufgenommen werden sollten, welche ihre Gymnasialstudien an einer deutschen Lehranstalt gemacht hätten. Freudig überrascht wurde nun E., als 21. Sept. eine Verordnung erschien, welche den Paßzwang an der Grenze aufhob und nur für aktive Militärpersonen, ehemalige Offiziere sowie Zöglinge von Militärschulen des Auslandes und für solche, welche sich der Wehrpflicht in Deutschland entzogen hatten, das Paßvisum beibehielt; dagegen wurde von allen Ausländern, die sich im Reichsland über 24 Stunden aufhielten, Meldung bei der Polizei gefordert. Der Abgeordnete Petri gab den Dankgefühlen der Elsaß-Lothringer in einer Ansprache Ausdruck, welche er 10. Okt. an den nach Straßburg zurückkehrenden Statthalter richtete, und in welcher er beteuerte, daß die Elsaß-Lothringer stets bereit seien, auf der unerschütterlichen Grundlage der Zusammengehörigkeit von E. mit dem Reiche die Politik des Statthalters zum Wohle des Reiches und des Landes zu unterstützen. Einem französischen Zeitungsberichterstatter, welcher sich vergewissern wollte, ob in E. wirklich an die völlige Trennung von Frankreich gedacht werde, erklärte Petri, daß die unlösbare Verbindung Elsaß-Lothringens mit dem Deutschen Reich eine geschichtliche Thatsache sei, an welcher das Volk nicht gerüttelt wissen wolle; denn eine Losreißung von Deutschland sei nur durch einen blutigen Krieg möglich, den niemand in E. wolle; auch könne man den Elsaß-Lothringern nicht zumuten, und diese seien auch nicht gesonnen, auf unbestimmte Dauer eine Existenz der Treue und der Entsagung zu führen. Ähnlich sprach sich der Reichstagsabgeordnete von Zabern, Höffel, aus. Nur in gewissen Schichten des höhern Mittelstandes machte sich noch die den Franzosen selbst eigentümliche Furcht vor der öffentlichen Meinung Frankreichs geltend, und einige Notabeln, welche von der Manteuffelschen Zeit her gewohnt waren, zwar Gunstbezeigungen der Regierung zu beanspruchen, aber um so eifriger an deutschfeindlichen Demonstrationen teilzunehmen, konnten sich nicht enthalten, an einer Revanchefeier teilzunehmen, welche 21. Okt. in Bussang jenseit der Vogesen gelegentlich der Eröffnung einer Eisenbahn in Gegenwart hervorragender französischer Politiker stattfand. Der eine, ein Schweizer Bürger, wurde sofort aus E. ausgewiesen, der andre seines Ehrenpostens als Ergänzungsrichter entsetzt. Daß in der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung ähnliche Gesinnungen nicht herrschten, bewies der Ausfall der Landesausschußwahlen 6. Nov., bei denen kein Kandidat in den Erklärungen vor der Wahl protestlerische Gesinnungen äußerte, einer, der Bürgermeister Sauner von Gommersdorf im Kreise Altkirch, sich offen auf den deutschen Standpunkt stellte. Er und in Molsheim ein ehemaliger preußischer General wurden gewählt, sonst meist die frühern Mitglieder. Die Verhandlungen des Landesausschusses verliefen 1892 durchaus friedlich. Bei der Eröffnung seiner Sitzungen wurde 28. Jan. das vom Statthalter ausgebrachte Hoch auf den Kaiser mit Begeisterung aufgenommen und eine Dankadresse an denselben angenommen. Die günstige Finanzlage des Landes wurde von den Abgeordneten anerkannt und die Vorlagen der Regierung durchaus sachlich behandelt. So hatte die Beruhigung und Verschmelzung im Lande merkliche Fortschritte gemacht.

Email auf Eisen. Die vielfachen Versuche, Email in so reinem Zustand auf Eisen aufzuschmelzen, daß es zu künstlerischer Verzierung dienen kann, sind neuerdings in dem Eisenwerk Gaggenau in Baden von Erfolg begleitet gewesen. Die Umrisse der Zeichnung werden durch eine Art Umdruckverfahren auf die mit einer Emailschicht grundierte Platte gebracht und dann mit Emailfarben angefüllt und gebrannt. Die Platten widerstehen Temperaturdifferenzen, sind unzerbrechlich und billiger als Fayencefliesen herzustellen. Sie können als Wandbekleidung, zu Tischplatten und Möbelfüllungen, Servierbrettern und ähnlichem verwendet werden.

Emin Pascha (Eduard Schnitzer), Afrikareisender, war von Tabora aus, wo er, entgegen den Weisungen Wissmanns, 4. Aug. 1890 die deutsche Flagge geheißt hatte, mit dem Zoologen Leutnant Stuhlmann über Usongo nach Bussiri am Viktoriasee gegangen. Mit einem Teil der Mannschaft fuhr Emin in Booten über den See nach Bukoba, das er 31. Okt. erreichte, während Stuhlmann mit dem Reste der Truppe den Landweg durch teilweise unbekanntes Gebiet einschlug. In Bukoba gründete Emin eine Station, desgleichen in Karagwe, von wo er Mitte März 1891 in westlicher Richtung aufbrach. Im Oktober langte die anfangs ungläubig aufgenommene Botschaft in Europa an, daß Emin das deutsche Interessengebiet verlassen und nach Wadelai marschiert sei. Spätere Mitteilungen bestätigten diese großes Aufsehen er-