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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Enomoto Takeaki - Entwickelungsgeschichte

in ernst-nüchtern-wohlwollender Weise »Labour and life of the people« geschrieben hat und, frei von dem hysterischen Gebaren seines Namensvetters, Grundlagen für ernste Reformbestrebungen darbietet.

Inzwischen hat W. J.^[William John] Loftie in »London City: its history, streets, traffic, buildings, people« ein umfassendes illustriertes Bild der Weltstadt geliefert. Andre Städtebilder werden in dem Sammelwerk »Historic towns« gegeben, welche dieses Jahr uns »Boston« und »New York« liefert, jenes von Henry Cabot Lodge, dessen zweiter Vorname die Abstammung von dem großen Seefahrer Giovanni Caboto verkündet, dieses von Theodor Rosevelt.

Die Übersetzungen sind, wie gewöhnlich, sehr zahlreich. Wir nennen: des Feldmarschalls Moltke »Franco-German War«, in welcher Arbeit zahlreiche Übersetzungsfehler nachgewiesen sind; ebenso dessen »Letters to his mother and his brothers«; Munckers »Richard Wagner«, übersetzt von Landmann; des neapolitanischen Professors Diodato Liory »Philosophy of right«, von W. Hastie, in welchem gelehrten Werk sich der Verfasser nicht immer genau erweist, wenn er von englischen Institutionen spricht. Hier sei auch des Budapester Professors August Pulszky mit seiner »Theory of law and civil society« gedacht. In vorliegender Übersicht haben bereits mehrere Beispiele gezeigt, daß Ausländer in zunehmender Zahl sich der englischen Sprache für litterarische Arbeiten bedienen; in dieser Richtung sei ferner erwähnt: »The evolution of property«, von Paul Lafargue. Dem Tagebuch der Marie Bashkirtseff, dessen Übersetzung wir im Vorjahr (s. Bd. 18, S. 249) zu verzeichnen hatten, sind nun auch ihre ebensowenig erfreulichen »Letters« gefolgt, diesmal in der Übersetzung von Mary Serrano, woran sich wieder Mathilde Blind mit »A study of Marie Bashkirtseff« anschließt. Der heitere Charles Leland, dessen prächtige »Breitmann ballads« sehr beliebt geworden, der Schöpfer des unsterblichen »Hans Breitmann«, eines Charakters, der neben Falstaff und Sancho Pansa gestellt werden darf, ist nunmehr, nachdem er einzelnes bereits meisterhaft übersetzt hat, mit der Übertragung des ganzen Heine beschäftigt. Kapitän Hastings Berkeley gibt uns in »Japanese letters« ein Buch, welches in seiner Beurteilung europäischer Dinge an die »Lettres persanes« des Montesquieu erinnert. Freiligraths Tochter, Frau Kröker, hat eine Auswahl aus Gottfried Keller veröffentlicht. Eine nicht bloß litterarische Bedeutung erkennt man in Helene Vacarescus »Bard of Dimboritza, Roumanian folk-songs«, welches die Königin von Rumänien mit Hilfe von Alma Strettel ins Englische übertragen hat.

Die bereits sehr große Zahl der Zeitschriften ist abermals gestiegen. Von großem Kaliber ist die neue Vierteljahrsschrift »The Imperial and Asiatic Quarterly Review«, die unter der Leitung des Deutsch-Ungarn Leitner, frühern Präsidenten der Universität von Lahore, ins Leben getreten ist. Neue Monatsschriften leichtern Gehaltes sind das »Strand Magazine«, »Ludgate Magazine«, »Newbury House Magazine«. Wöchentlich erscheint mit künstlerisch wertvollen Illustrationen: »Black and White«, das unter den Auspizien des Malers Herkomer ins Leben getreten ist.

Die Sammlung der »Sacred Books of the East«, welche unter Max Müllers Leitung erscheint, bringt in ihren Bänden 39 u. 40 »The texts of Täosm«, aus dem Chinesischen von James Legge.

Die große Faksimile-Ausgabe der alten Quartausgaben Shakespeares ist nun in 43 Nummern vollendet. Das große Wörterbuch der englischen Sprache, welches die Philologische Gesellschaft entworfen und angefangen, und das, jetzt von Murray herausgegeben, seit 1884 erscheint, ist im ersten Teil des dritten Bandes von E bis Every gelangt; bis dahin hat es 6842 Grundwörter, 1565 abgeleitete, 786 »besondere Kombinationen«, im ganzen 9193 aufgezählt, wovon 25 Proz. als veraltet und 4 Proz. als fremdsprachig oder nicht vollständig eingebürgert bezeichnet werden. John Foster Kirk hat Allibones »Dictionary of English litterature« vervollständigt. In seinen beiden Ergänzungsbänden führt er nicht weniger als 37,000 Verfasser auf. Des großen »Dictionary of National Biography« haben wir oben gedacht. - In diesem Zusammenhang darf schließlich auch ein deutsches Werk genannt werden, welches der großen anglo-germanischen Völkerfamilie als brauchbares Verständigungsmittel zu dienen bestimmt ist: das seit Anfang 1891 in Berlin erscheinende encyklopädische englisch-deutsche und deutsch-englische Wörterbuch von Ed. Muret (ein Parallelwerk zu dem bekannten franz.-dtsch. Sachs-Villatteschen Wörterbuch), das für Deutschland zuerst die Ergebnisse des obenerwähnten Murrayschen Wörterbuches sowie des 1888-92 in New York erschienenen »Century Dictionary« in mustergültiger Weise verwertet und demzufolge alle bisher erschienenen engl.-dtsch. Wörterbücher an Reichhaltigkeit weit überflügelt.

Enomoto Takeaki, japan. Staatsmann, Verwandter der Tokugawafamilie, wurde 1863 vom Bakufu (der Tokugawa-Shôgunatregierung) nach Holland geschickt, um dort das Marinewesen zu studieren, kehrte 1867 am Bord des in Holland für das Bakufu erbauten Kriegsschiffes Kayo-Maru zurück und wurde darauf im Marinedepartement des Bakufu angestellt. In dem 1868 ausbrechenden Krieg, der die Wiederherstellung der kaiserlichen Macht zum Ziel hatte, zeichnete sich E. als eifrigster Anhänger der Shôgunatpartei aus, mußte sich aber schließlich nach der Insel Jeso zurückziehen, wo er Hakodate besetzte und sich als Präsident der Republik Jeso proklamierte. Ein von ihm an die kaiserliche Regierung gerichteter Vorschlag, Jeso den Tokugawa-Anhängern zu überlassen, welche dieses »nördliche Thor« des Reiches gegen alle fremden Eindringlinge schützen würden, wurde abgelehnt; Hakodate wurde endlich im Juni 1869 von den Kaiserlichen eingenommen und E. mit seinen Anhängern als Gefangene nach Jedo (jetzt Tokio) gebracht, doch bald begnadigt und freigelassen. In der Folge söhnte er sich mit der neuen Lage der Dinge aus und gelangte bald zu hohen Stellungen. 1875-78 war er Gesandter in Petersburg, 1882 ging er als Gesandter nach China. 1885 wurde er zum Viscount gemacht und erhielt das Portefeuille des Verkehrs; nach der Ermordung Moris 1889 wurde er dessen Nachfolger als Unterrichtsminister; seit 1891 ist er Minister des Äußern.

Enterprise-Expedition, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen.

Entwickelungsgeschichte. Die Lehre von der Rekapitulation in der E., das von Fritz Müller entdeckte und von Häckel formulierte sogen. biogenetische Grundgesetz, nach welchem jedes junge Wesen die Formenzustände seiner Ahnen durchlaufen und »seinen eignen Stammbaum erklettern« muß, hat in den letzten Jahren zahlreiche Angriffe, namentlich von seiten Karl Vogts, erfahren, die sich vorzugsweise gegen die Unterlehre von der nachträglichen