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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erde

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Erde (internationale Erdmessung)

hülse a die innere Motorhülse b. Diese ist auf ihrem Deckel mit einem Gestell c versehen, in dem die Schwerstange d beweglich ist. Beim Aufstoßen des Bohrgeräts auf die Bohrlochsohle sinkt diese Stange, durch die äußere Hülse und das Gewicht e beschwert, nieder und preßt die Klingen f in die Bohrlochwände, wodurch die äußere Hülse während der Bohrarbeit vollkommen festgelegt wird. Beim Aufholen des Apparats ziehen sich die Klingen selbstthätig wieder ein. Innerhalb der Motorhülse befindet sich im obern Teil der elektrische Motor g, im untern Teil das Getriebe h, welches das wagerechte Triebrad i und die Spindel k in Drehung versetzt. Auf letztere ist die hohle Bohrspindel l aufgesetzt, die durch eine Nase der Drehspindel, welche in eine innere Längsnute der Bohrspindel eingreift, mitgenommen wird. Die Bohrspindel behält dabei in senkrechter Richtung freie Beweglichkeit und wird von den lotrechten Triebrädern m aus mittels Knaggen und Nasen auf und ab bewegt. Die Bohrspindel ragt durch die Stopfbüchse n aus dem Boden der Motorhülse heraus und nimmt mittels eines Schraubengewindes das Bohrgerät auf. Dieses kann von jeder beliebigen Form sein und auch zeitweise zur Entfernung des Bohrschmants durch einen Bohrlöffel ersetzt werden. Für den Fall, daß Diamantbohrung erforderlich ist, wird die Bohrspindel durch zwei mit Diamanten besetzte konzentrische Bohrkronen ersetzt, die nach entgegengesetzter Richtung umlaufen. Bei der Verwendung zur Tunnelbohrung wird der Apparat mit horizontal gerichteter Bohrstange in einem metallenen Schutzcylinder auf einem Wagen montiert, dessen Vorschub, dem Eindringen des Bohrers entsprechend, mittels einer Schraube bewirkt wird, deren Mutter sich gegen die Tunnelwandung stützt. Hierbei sind zur Bedienung der Maschine zwei Mann erforderlich, von denen der eine seine Stellung am vordern, der andre am hintern Teil derselben hat.

^[Abb.: Elektrischer Tiefbohr- und Tunnelbohrapparat]

Erde. An der internationalen Erdmessung sind nunmehr folgende 27 Staaten beteiligt: Bayern, Belgien, Brasilien, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Hamburg, Hessen-Darmstadt, Italien, Niederlande, Norwegen, Österreich-Ungarn, Portugal, Preußen, Rumänien, Rußland, Sachsen, Schweden, Schweiz, Serbien, Spanien, Württemberg, Argentinische Republik, Chile, Mexiko, Vereinigte Staaten von Nordamerika, Japan. Hervorgegangen ist dieses Unternehmen aus der europäischen Gradmessung, die ihrerseits wieder aus der mitteleuropäischen entstand. Durch die eifrigen Bestrebungen des preußischen Generals J. J. Baeyer hervorgerufen, nahm das ursprünglich lokal beschränkte Unternehmen im Laufe der Zeit durch seine Resultate selbst immer größere Dimensionen an. Die ersten sieben Versammlungen der Vertreter der einzelnen zu dem Unternehmen vereinigten Staaten hatten stattgefunden 1864 und 1867 in Berlin, 1871 in Wien, 1874 in Dresden, 1877 in Stuttgart, 1880 in München, 1883 in Rom. Nach dem 1885 erfolgten Tode des Generals Baeyer berief die preußische Regierung 1886 abermals die Vertreter nach Berlin, wo auf Grundlage der alten Bestimmungen eine Neubefestigung des internationalen Unternehmens herbeigeführt wurde. Zweck der allgemeinen Konferenzen und Aufgabe der permanenten Kommission ist fortan die internationale Erdmessung. Die an den frühern Statuten vorgenommenen Änderungen bezwecken hauptsächlich, einen wirksamen Mittelpunkt für die Arbeiten der internationalen Erdmessung zu schaffen. Dies wird dadurch erreicht, daß der permanenten Kommission laufende Geldmittel bewilligt werden, die von den beteiligten Staaten aufgebracht werden, ferner dadurch, daß das Zentralbüreau der internationalen Erdmessung mit dem geodätischen Institut in Berlin (s. d., Bd. 17) in der Weise verbunden ist, daß der Direktor des letztern gleichzeitig Direktor des Zentralbüreaus der Erdmessung ist. Der Direktor ist ferner ständiges Mitglied der permanenten Kommission und hat alljährlich Bericht über die Thätigkeit des Zentralbüreaus zu erstatten und den Arbeitsplan desselben für das folgende Jahr der permanenten Kommission zur Genehmigung vorzulegen. Im Herbst 1887 tagte die permanente Kommission in Nizza, 1888 in Salzburg, und 1889 trat die neunte allgemeine Konferenz der internationalen Erdmessung in Paris zusammen, auf welcher die Vertreter der einzelnen Staaten Bericht über den Fortgang der Arbeiten erstatteten. Diese Arbeiten umfassen Längen- und Breitenbestimmungen, Messungen von Dreiecken und Grundlinien, Vergleiche zwischen den astronomischen und geodätischen Koordinaten, Schweremessungen mit dem Pendel, endlich theoretische Untersuchungen der gewonnenen Resultate zu dem Zwecke, die Gestalt und Konstitution der E. immer genauer zu ermitteln.

In Bezug auf die Messungen der Dreiecke und Grundlinien sowie der astronomischen Bestimmungen ist zu bemerken, daß in Schweden der Anschluß an die russisch-skandinavische Gradmessung bei Torneå erreicht ist. Für Mitteleuropa wird sich durch die Bestimmungen in Dänemark, Deutschland und Böhmen bald eine genaue Kenntnis des Geoïds (s. Bd. 18, S. 254) ergeben. In Frankreich arbeitet man an einer neuen Parallel- und Meridiankette in Algerien und Tunis; erstere wird sich von der marokkanischen Grenze bis Gabes am Mittelmeer in etwa 37 bis 38° Breite über 13 Längengrade erstrecken; von Gabes wird eine Meridiankette nach Tunis laufen. Großartig sind die Erdmessungsarbeiten in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die Summe der gemessenen Meridian- und Parallelketten erstreckt sich auf mehrere tausend Kilometer. Von der großen Parallelkette in 39° Breite, die, 48 Längengrade überschreitend, den Kontinent durchquert, sind die schwierigsten 34 Grade fertig, und der Rest kann in etwa 7 Jahren vollendet sein. In Japan ist für Zwecke der Landesaufnahme eine Triangulation in Angriff genommen. Die englischen Messungen am Kap der Guten Hoffnung sind für die Meridiankette bis zur Nordspitze von Natal auf 8° Breite ausgedehnt. Was die Grundlinien betrifft, so sind deren in Europa, Afrika und den Vereinigten Staaten von Nordamerika jetzt 130 gemessen. Die Länge der nivellierten Linien in Europa hat sich seit 1883 von ca. 78,000 km auf 112,000 km erhöht. In