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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Erfrieren; Ermüdung

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Erfrieren - Ermüdung

beteiligt, wie die nachstehende chronologische Übersicht nachweist.

1519-22 Ferd. Magelhaens 1786-88 La Pérouse

1524-26 de Loyasa 1789-93 Bastemente u. Malaspina

1534 S. d'Alcazova

1537 Ferdinand de Grijalva 1790-92 Marchand, Bancouver

1542 Juan de Gartan 1791 d'Entrecasteaux

1577-80 Francis Drake 1798 Sacca

1586 Cavendish 1800 Péron und Freycinet

1595 Hawkin 1803-1806 von Krusenstern

1598 Ol. van Root 1815-18, 1823-26 v. Kotzebue

1614 Spielbergen

1615 Jak. le Maire und C. van Schouten 1826-29, 1837 Dumont d'Urville

1615 Heremita u. Schoppenhem 1851-53 Wissenschaftliche Expedition der schwedischen Regierung unter Birgin

1679-1700 (öfters) Dampier

1693 Carreri

1708-12 Roger und Cooke 1853-55 Wissenschaftliche Expedition der Verein. Staaten von Nordamerika unter Percy

1712-14 Frézier

1721 Roggeveen

1740-44 Anson 1857-59 Wissenschaftliche Expedition der österreichischen Regierung (Novara-Expedition)

1764-66 John Byron

1766 Wallis und Carteret

1766-68 Bougainville 1872-76 Wissenschaftliche Expedition der englischen Regierung (Challenger-Expedition)

1768, 1772, 1776 James Cook

1783 Wilson

Erfrieren, s. Anabiose.

Ermüdung. Während Muskeln, die wir willkürlich bewegen oder durch künstliche Mittel (Reize) zur Thätigkeit anregen, der E. unterworfen sind, durch die sie fortschreitend an Leistungsfähigkeit einbüßen, bis sie schließlich der Erschöpfung verfallen, sind neuern Beobachtungen zufolge die Nerven geradezu unermüdlich. Man muß allerdings, um dies nachzuweisen, einen Kunstgriff anwenden. Reizt man nämlich einen Bewegungsnerv, so erkennt man lediglich aus der Zusammenziehung des zugehörenden Muskels, daß der Nerv thätig geworden ist. Setzte man nun die Reizung eine Zeitlang fort, so würde der Muskel ermüden, die Reizung also resultatlos werden; man wäre aber nicht im stande, zu sagen, ob und wann auch der Nerv seine Erregbarkeit eingebüßt hat. Er könnte noch seine volle Leistungsfähigkeit bewahrt haben, wenn der Muskel seine Thätigkeit infolge der E. längst eingestellt hat. Will man erfahren, wie lange die Leistungsfähigkeit des erregten Nervs andauert, so muß man das Endorgan, den Muskel, vor der E. schützen. Bernstein und nach ihm Wedenski thaten dies in der Weise, daß sie den an seinem obern Ende andauernd elektrisch gereizten Froschnerv gleichzeitig an seinem untern, dem Muskel nahe gelegenen Ende von einem starken galvanischen Strom durchfließen ließen. Sie machten dadurch die untere Nervenstrecke leitungsunfähig, verhinderten also die Erregung, von welcher das obere Nervenstück betroffen wurde, bis zum Muskel zu gelangen. Hob man diesen abblendenden Strom auf, so verfiel der Muskel sofort in Zuckungen. Es ließ sich nun zeigen, daß dies auch dann noch der Fall war, wenn das obere Nervenstück mehrere Stunden lang andauernd gereizt worden war. Dasselbe konnte also stundenlang im Erregungszustand erhalten werden, ohne zu ermüden; sowie man es ihm möglich machte, äußerte es seine Thätigkeit in sinnfälliger Weise.

Diesen ältern Versuch hat neuerdings Bowditch dahin modifiziert, daß er zur Abblendung des Muskels das indianische Pfeilgift Curare benutzte. Dieses Gift lähmt, ohne dem Nervenstamm zu schaden, die Endigungen der Bewegungsnervenfasern im Muskel. Reizt man also einen motorischen Nerv eines curarifierten Tieres, so bleibt die Muskelbewegung aus, indem das Gift der Erregung den Zutritt zum Muskel in ähnlicher Weise versperrt, wie in dem vorher erwähnten Versuch die galvanische Durchströmung des untern Nervenendes. Nach einigen Stunden beginnt aber das Gift den Körper wieder zu verlassen, die Lähmung der Nervenenden verschwindet. Hat man bis dahin die Reizung fortgesetzt, so muß sie sich jetzt wieder durch Muskelbewegungen äußern, falls nicht der Nerv während der langen Reizungsdauer der E. verfallen ist. In der That vermochte Bowditch auf diesem Wege nachzuweisen, daß der Hüftnerv eines Säugetiers selbst bei einer viele Stunden hindurch fortgesetzten Reizung seine Erregbarkeit bewahrt. In ähnlicher Weise konnte dasselbe Szana bei Reizung des Vagusnervs darthun. Dieser Nerv übt einen hemmenden Einfluß auf das Herz aus; wird er gereizt, so verlangsamt sich der Herzschlag oder hört sogar gänzlich auf. Hier leistete Atropin denselben Dienst, wie im obigen Versuch das Curare. War nach mehrstündiger Reizung des vergifteten Nervs das Gift wieder ausgeschieden, so trat die Wirkung der Erregung am Herzen wieder deutlich hervor. Mit diesen Versuchen ist der Beweis geführt, daß in der That der Nerv geradezu als unermüdlich angesehen werden muß. Da nun aber eine Thätigkeit ohne Stoffverbrauch nicht denkbar ist, und da fortgesetzter Stoffverbrauch nach einiger Zeit die Leistungsfähigkeit jedes organischen Gebildes herabsetzen und schließlich vernichten muß, so muß man für den Nerv annehmen, daß bei ihm ein schneller Wiederersatz des verbrauchten Materials stattfindet, daß also die Restitution mit der Konsumtion Schritt hält.

Zur Kenntnis der Muskelermüdung hat Mosso einen Beitrag geliefert. Er unterscheidet zwischen dem peripheren und dem zentralen Anteil an der E. Willkürlich bewegte Muskeln ermüden teils, weil die Muskeln sich erschöpfen, teils aber auch deshalb, weil das Zentralnervensystem, welches die Bewegungsimpulse auszusenden hat, müde wird. Dies geht besonders aus folgender von Mosso mitgeteilten Thatsache hervor: Läßt man einen Mann bestimmte Bewegungen so lange ausführen, bis ihnen durch den Eintritt der E. ein Ziel gesetzt wird, so tritt während einer bald längern, bald kürzern Ruhepause eine Erholung ein; diese Erholung bleibt auch dann nicht aus, wenn während der Pause der angestrengt gewesene Muskel elektrisch gereizt, also in Thätigkeit erhalten wurde. Es folgt daraus, daß dasjenige, was zuvor ermüdete, nicht der Muskel, sondern das nervöse Zentralorgan gewesen ist, denn nur dieses konnte sich während der künstlich angeregten Muskelthätigkeit ausruhen. Geistige Arbeit vermehrt die Ermüdbarkeit der Muskeln; ebenso wirkt die Thätigkeit eines andern Muskelgebiets. So erschöpft sich die Armmuskulatur eines Mannes ziemlich schnell, wenn derselbe vor dem Versuch einen anstrengenden Marsch gemacht hat. Da aber unter solchen Bedingungen nicht nur die Ermüdbarkeit des willkürlich thätigen, sondern auch des durch elektrische Reizung zur Thätigkeit angeregten Muskels wächst, können dafür nicht, wie man sonst wohl annehmen möchte, zentrale Ursachen verantwortlich gemacht werden. Mosso glaubt, daß die Schädigung der Muskelsubstanz in diesem Fall bedingt sei durch die Umsetzungsprodukte, die sich bei der betreffenden Thätigkeit im Gehirn oder in den Muskeln bilden, und die, durch das Blut den übrigen Muskeln zugeführt, nach Art eines Giftes auf sie wirken. Vgl. Mosso, Die E. (deutsch von Glinzer, Leipz. 1892).