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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Ernst Ludwig; Erythräische Kolonie; Erzlagerstätten; Esche; Essex-Expedition; Ethnographische Litteratur 1886-91.

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Ernst Ludwig - Ethnographische Litteratur 1886-91

Stoffen fehlt. Um die schädlichen Wirkungen des sauren schwefligsauren Natrons zu verhindern, setzte Bokorny etwas phosphorsaures Kali zu. Es wurden Kontrollversuche angestellt, bei denen die Algen in den Lösungen der betreffenden Mineralstoffe sich befanden, aber kein oxymethylsulfosaures Natron erhielten. Die Gefäße mit den Algen standen in einer Schale mit Kalilauge unter einer Glasglocke, so daß sie also keine Zufuhr von Kohlensäure erhielten. Dem entsprechend wurde auch im Licht keine Spur von Kohlensäureentwickelung beobachtet. Nach 5 Tagen ergab die Untersuchung sehr große Mengen von Stärke in den Spirogyren, denen oxymethylsulfosaures Natron zugesetzt war, keine Stärke dagegen in den Algen, die dies Salz nicht erhalten hatten. Erstere sahen sehr gesund aus und waren erheblich gewachsen, letztere waren ausgehungert, zum Teil abgestorben und nicht gewachsen. In keinem Gefäß waren Spaltpilze aufgetreten, und dies ist bemerkenswert, weil bei so langer Versuchsdauer die Algen aus der von den Spaltpilzen gebildeten Kohlensäure Stärke gebildet haben könnten. Ohne Kali in der Nährlösung wurde Kohlensäure von den Spirogyren nicht zersetzt; sie verloren ihre Stärke unter solchen Umständen selbst bei vollem Licht und Kohlensäurezutritt binnen wenigen Tagen und zeigten nach einiger Zeit Hungererscheinungen. Wurde dann aber 1 pro Mille oxymethylsulfosaures Natron zugesetzt, so war binnen 3 Tagen reichliche Stärke vorhanden. Daraus scheint hervorzugehen, daß Kali zwar zur Umbildung von Kohlensäure in Formaldehyd, nicht aber zur Kondensation des Formaldehyds zu Kohlehydrat erforderlich ist.

Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, geb. 25. Nov. 1868 zu Darmstadt, einziger Sohn des damaligen Prinzen, spätern Großherzogs Ludwig IV. von Hessen und der Prinzessin Alice von Großbritannien und Irland, wurde von seiner Mutter bis zu deren Tode (1878) erzogen, besuchte die Universitäten Gießen und Leipzig und trat dann, wie früher sein Vater, in das preußische 1. Garderegiment, in welchem er bis zum Premierleutnant aufrückte. Durch den frühen Tod seines Vaters 13. März 1892 wurde er Großherzog. Er führte die Regierung im Geiste seines Vaters fort.

Erythräische Kolonie, s. Kolonien (Italien).

Erzlagerstätten, s. Geologische Gesellschaft.

Esche, s. Wachs, chinesisches.

Essex-Expedition, s. Maritime wissenschaftliche Expeditionen.

Ethnographische Litteratur 1886-91. Wenn schon die Zahl der selbständigen Werke, welche sich mit ethnographischen und anthropologischen Fragen beschäftigen, eine außerordentlich schnell wachsende ist, wobei man auch die meisten der in jüngster Zeit sich häufenden Reisewerke zu berücksichtigen hat, da sie oft wertvolle Beiträge zur Völkerkunde bringen, so mehrten sich doch die in Fachzeitschriften verstreuten kleinern Aufsätze in ungleich stärkerm Maße. Und diese kleinern Beiträge, deren Gebiet meist ein enger umschriebenes Feld ist, haben häufig eine sehr hohe Bedeutung, weil sie gewöhnlich in Spezialuntersuchungen sich vertiefen. Es ist daher in folgender Litteraturübersicht angestrebt worden, aus der Fülle der Publikationen der letzten Jahre die wertvollsten auszuscheiden und dieselben womöglich mit einer kurzen Charakterisierung hier aufzuführen. Eingehendere Inhaltsangaben bringt regelmäßig der von A. Supan geleitete Litteraturbericht in »Petermanns Mitteilungen«.

Allgemeine Völkerkunde und Anthropogeographie.

Als für weitere Kreise bestimmt und durch eine Fülle ausgezeichneter Abbildungen nach den besten Quellen geschmückt erschien Ratzels »Völkerkunde« (Leipz. 1885-88, 3 Bde.). W. Schneiders Werk: »Die Naturvölker. Mißverständnisse, Mißdeutungen und Mißhandlungen« (Paderb. u. Münster 1885-86, 2 Tle.), nimmt Stellung gegen die darwinistische Auffassung der Entwickelung des Menschengeschlechts aus niedern, tierähnlichen Anfängen. Auch die letzten Abschnitte des in gleicher Weise wie Ratzels Völkerkunde ausgestatteten vortrefflichen Werks von Ranke: »Der Mensch« (Leipz. 1886), gehören hierher. Als eine populäre Völkerkunde nach französischer Auffassung darf Wermann, »Les races humaines«, gelten. De Quatrefages, »Histoire générale des races humaines« (Par. 1889), kommt zu dem Schluß, daß der boreale Ursprung des Menschen der wahrscheinliche und daß die gelbe Rasse zuerst auf der Erde erschienen sei. Bastian, »Zur Lehre von den geographischen Provinzen« (Berl. 1886), stellt den Satz auf, daß die Ethnologie die Entwickelung des Menschengeistes als Produkt seiner Umgebung aufzufassen habe, welche wieder eine nach außen wirkende psychische Atmosphäre schaffe. R. Andrees kleine Schrift »Die Anthropophagie" (Leipz. 1887) weist das hier noch heute, dort früher bestehende Vorkommen der Menschenfresserei auf dem ganzen Erdball nach. A. Featherman behandelt im zweiten Band seiner »social history of the races of mankind« (Lond. 1887) die Papua und Malaio-Melanesier in derselben unzuverlässigen Weise wie andre Völker im ersten Band seines Werkes. A. de Quatrefages, »Les Pygmées« (Par. 1887), weist nach, daß die Pygmäen keine Fabelwesen sind, beschäftigt sich aber vorzugsweise mit den Negrito. H. Heyberg, »Einige Beispiele aus Europa über Völkerverbindung und Völkertrennung durch Gebirge, Flüsse und Meeresarme« (Halle 1887), stellt mit großer Gelehrsamkeit geographisches und ethnographisches Material zusammen, um die geschichtliche Bedeutung des Wolgastroms und des Balkangebirges klarzustellen. R. Andree, »Das Zeichnen bei den Naturvölkern« (in den »Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft zu Wien« 1887) ist wieder eine der gründlichen Spezialuntersuchungen dieses sein Gebiet mit Geschick und Geschmack beherrschenden Forschers. M. Bartels fügte zu dem wohlbekannten Werk von Ploß, »Das Weib in der Natur- und Völkerkunde« (3. Aufl., Leipz. 1892), ganz neue Kapitel, während der alte Stoff vielfach durchgearbeitet, ergänzt und bildnerisch durch Aufnahme anatomischer Abbildungen und Rassentypen bereichert wurde. In gewohnter geistreicher, aber auch wieder in jener bizarren, abspringenden Darstellungsweise, die ihn so schwer genießbar macht, hat Bastian in einem zweibändigen Werk: »Allerlei aus Volks- und Menschenkunde« (Berl. 1888, mit 21 Tafeln), das Gedankenleben der Völker behandelt. E. Schmidt hat sich in seinen »Anthropologischen Methoden« (Leipz.1888) der dankbaren Aufgabe unterzogen, ein allgemeines Handbuch der anthropologischen Forschungsarbeit zu verfassen. Beachtenswert ist auch der Aufsatz von W. Cramer, »Die Aufgaben und das Ziel der anthropologischen Forschung« (Metz 1888). Fr. Galton schlägt in »Human variety« (»Nature« 1889) eine neue Art der Bestimmung körperlicher Eigentümlichkeiten vor. R. Andree bringt in seinen »Ethnographischen Parallelen und Vergleichen« (Leipz. 1889) eine wertvolle Sammlung von Abhandlungen zur vergleichenden Völkerkunde, als eine neue Folge der schon 10 Jahre