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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Fische (Schuppen, Harnstoff-Vorkommen, Schwimmblase, elektrische Fische)
unter dem Epithel liegenden Cutispapille gebildeten Dentin, 3) der aus den tiefern Schichten der Cutis stammenden Basalplatte. Im Bau der Zahn- und Rundschuppen, der Teleostier-Schuppen, lassen sich unterscheiden: 1)eine auf der Oberseite der Schuppen liegende, kurzweg als Deckschicht bezeichnete Schicht und 2) ein System darunterliegender, in ihrem Bau übereinstimmender Lamellen, welche tzofer als Vasallamellen und in ihrer Gesamtheit als Vasalplatte bezeichnet. Da die Cykloid- und Ktenoidschuppen niemals Schmelz besitzen, sind sie also nur einem Teil der Plakoidschuppen homolog, und zwar entspricht die aus zartem Hyalodentin bestehende Deckschicht der Cykloid-Ktenoidschuppen dem Dentin der Plakoidschuppen, die Basalplatte ersterer der Basalplatte letzterer. Diese Homologie erhält ihre Begründung durch die Entwickelungsgeschichte: in allen Schuppen entsteht das Dentin aus homologen Cutispapillen, und ebenfalls in allen Schuppen entsteht die Vasalplatte aus dem geschichteten Teil der Cutis. Was das stammesgeschichtliche Verhältnis der Cykloid- und Ktenoidschuppen unter sich anbelangt, so ist die Cykloidschuppe die phyletisch ältere Bildung, und aus ihr hat sich erst die Ktenoidschuppe differenziert. Die Ktenoidschuppe legt sich zuerst cykloid an, und die Dornen des Hinterrandes treten erst später als besondere Modifikationen der Deckschicht, nicht aber selbständig auf. Die Entwickelung beider Schuppenarten beginnt prinzipiell in der gleichen Art und Weife; die ersten Zeichen der beginnenden Schuppenbildung machen sich in der Cutis bemerkbar, und zwar in der obersten Lageder Cutis, unmittelbar unter dem Epithel, in der Art, daß zunächst eine lebhaftere Zellteilung der Cutiszellen stattfindet, die an bestimmten Stellen zur Bildung von Cutispapillen führt; zugleich verändern sich die unmittelbar darüber gelegenen Epithelzellen in der Weise, daß sie cylinderförmig werden und eine deutlich entwickelte Schmelzmembran repräsentieren, wie sie von der Bildung der Plakoidschuppen bekannt. Im weitern Verlauf aber bildet sich diese Schmelzmembran wieder zurück zu gewöhnlichen Epithelzellen, ohne jemals Schmelz auszuscheiden, so daß diese Bildung nur als rudimentäres Organ anzusehen ist; sein Auftreten in der Entwickelungsgeschichte der Cykloid- und Ktenoidschuppen beweist die Abstammung dieser von den Plankoidschuppen. Die Cutispapillen dagegen bilden sich scheibenförmig um, und diese Scheibe beginnt sich zugleich an ihrem tzinterende etwas zu heben als erste Andeutung der spätern dachziegelförmigen Anordnung der Schuppen. Indem nun in der Mitte der Scheibe eine zarte, außerordentlich feine Lage einer homogenen Substanz des Hyalodentins auftritt, sindet eine Scheidung der die Scheibe bildenden Cutiselemente statt, und es bildet sich nach oben zu die Deckschicht, nach unten hin die Basalschicht aus; erst hier tritt dann eine Scheidung in der Bildung der Cykloid- und Ktenoidschuppen ein. Daß die Ktenoidsich nach der Cykloidschuppe entwickelt, wird auch bestätigt durch die häusig zu beobachtende Thatsache von Rückschlägen der Ktenoid- in Cykloidschuppen, z. B. beviin Barsch, während das Gegenteil nicht vorkommt. (Hofer, im »Sitzungsbericht der Münchener Gesellschaft für Morphologie« 1890/91.)
Bei den Haifischen kennt man schon seit längerer Zeit ein eigentümliches Verhalten, welches mit ihrer niedern Organisationsstufe zusammenzuhängen scheint. Alle Organe der Haifische und Rochen erweisen sich nämlich, wie Städeler und Frerichs bereits 1858 beobachteten, ungewöhnlich reich an Harn stoff, jenem Zersetzungsprodukt, welches bei höhern Tieren schnellstens aus dem Kreislauf ausgeschieden wird, und wenn dies nicht geschieht, schwere Störungen hervorbringt. W. v. Schröder, der diese Untersuchungen in neuerer Zeit am Katzenhai wiederholte, fand im Mittel das Blut desselben so reich an Harnstoff wie den menschlichen Urin; die Muskeln, welche bei höhern Tieren fast ganz frei von Harnstoff sind, enthielten 1,95 Proz. und die Leber 1,36 Proz. Harnstoff. Da diese Befunde keinen Aufschluß über den Ort der Harnstoffbildung im Körper geben und der Genannte früher gefunden hatte, daß die Leber diesen Körper bildet, so entfernte er bei mehreren Katzenhaien die Leber und bestimmte während der Lebensdauer der Versuchstiere den Harnstoffgehalt der Muskeln. Es ergab sich aber im Vergleich zu andern Tieren nur eine so geringe Abnahme, daß man der Leber einen Einfluß nicht zuschreiben kann und wahrscheinlich die Trägheit der Niere, welche sonst die Abscheidung bewirkt, verantwortlich machen muß. Es spricht indessen für die geringe Erhebung der Organisation, daß diese Anhäufung eines Abfattstoffes in Blut und Geweben nicht schädigend einwirkt.
Über die Funktion der Schwimmblase bei den Fischen hat O. Liebreich einige gelegentliche Studien gemacht und gefunden, daß deren Thätigkeit beim Schwimmen völlig dem Prinzip des kartesianischen Tauchers entspricht, mit dem Unterschiede, daß der äußere Druck, welcher den Taucher zum Sinken bringt, beim Fisch auch durch Muskelzusammenziehung willkürlich geleistet werden kann, wenn die Höhe der Wassersäule nicht ausreicht, dem Fisch das für alle Schwimmbewegungen förderliche spezifische Gewicht- 1 durch Zusammendrückung der Schwimmblasenluft zu erteilen. In der Tiefe des Druckgleichgewichts, wo er so schwer wie das Wasser ist, wird er darum am bequemsten schwimmen, weil er dort weder von seiner Körperschwere nach unten, noch von der eingeschlossenen Luft nach oben gezogen wird; aber auch oberhalb dieser Ebene, wo er etwas leichter ist als das Wasser, wird er bequem zu schwimmen im stände sein, da er den Auftrieb durch Zusammendrückender Schwimmblase leicht ausgleichen kann. Liebreich nennt den Raum, den das Wasser bis zu dieser Tiefe einnimmt, die Hydrosphäre des Fisches. In derselben wird er sich um so bequemer bewegen, je mehr er sich der Gleichgewichtsebene nähert. Aber auch oberhalb derselben kann er seinen Körper durch Zusammenpressen schwer genug machen, um sich in allen Höhen seiner Hydrosphäre beliebig lange schwebend zu erhalten.
Fritsch hat seine Studien über die elektrischen F. in jüngster Zeit an den Arten der Nilaales (Noi'M)'i'U8) fortgesetzt. Von diesen Fischen weiß man überhaupt erst seit 1881 mit Sicherheit, daß sie zur Gruppe der elektrischen F. gehören, während man bis dahin nur den Zitterrochen (Torpedo), Zitterwels (Na.1^t6ruru8), Zitteraal (^mnotn L öioctti'icuL) und den gemeinen Rochen hierher Zählte.
Als Fritsch damals in El-Mansura (Ägypten) weilte, brachte ihm, während er sich gerade zur Abreise rüstete, ein arabischer Fischer den Nilaal (Norm^rus ox)'i-li)'nelm8), einen von den alten Ägyptern verehrten und auf ihren Denkmälern häufig dargestellten Nilfisch. Zufällig berührte ein befreundeter Kaufmann denselben und glaubte dabei etwas wie einen schwachen elektrischen Schlag zu verspüren, was dann wiederholt auch von Fritsch selbst erprobt wurde.
Dabei stellte sich zweierlei heraus, einmal, daß der elektrische Schlag des Nilaales von sehr geringer Kraft