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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Getreideproduktion und Getreidehandel (Ausfuhrländer)
l Türlci.i Eine Staftitik der Ein-und Ausfuhrlandwirtschaftlicher Erzeugnisse ist bei der Nnvollständigkeit des Quellenmaterials nur mit Vorbehalt aufzustellen. Gleichwohl wird der Auslandsverkehr in den 48 wichtigsten Häfen des Reiches ein annäherndes Bild des Handelsverkehrs der Türkei an landwirtschaftlichen Erzeugnissen liefern können. Während 1889 die Einfuhr von Getreide einen Wert von 15,839,997 Mk. erreichte, wobei Weizen mit10,853,294 und Gerste mit 3,102,576 Mk. die Hauptrolle spielten, bezifferte sich die Ausfuhr auf 78,115,890 Mk., dar-unter als Hauptposten:
Weizen
.. 80419 268 Ma rk Hafer .. . 3 716070 Marl
Gerste.
.. 24008 771 Sorghum . 3229931
Mais.
.. 5525051 Roc M'N 14818^8 Dazu kommen noch Mehl und andre Erzeugnisse der Mühlenindustrie im Betrage von 1,140,518Mk. Das türkische Zollgebiet, dessen Durchschnittsernte 19,6 Mill.Ton. an Getreide, Hülsenfrüchten, Ölsaaten, Sämereien und 3ieis im Werte von 846,171,200 Mk. beträgt, verbraucht hiervon für Aussaat und Unterhalt von Menschen und Vieh 16,670,000 T. im Werte von 719,677,240 Mk. Somit bleiben für die Aus'uhrübrig2,930,000T.imWertevon294,172,000Vl'k., während in einem guten Jahre, wie 1889, thatsächlich nur 954,806 T. im Werte von 113,703,422 Mk. ausgeführt wurden. Die Erklärung findet sich darin, daß aus Gegenden, welche 350 kin von der Küste entfernt sind, eine Ausfuhr von Getreide wegen der Höhe der Transportkosten nicht mehr stattfinden kann. Hier würde also der Bau von Eisenbahnen sehr segensreich eingreifen.
l Numiwiclt^ Ter Getreidebau ist hier ein so bedeutender Faktor im wirtschaftlichen Leben des Landes, daß von seinen Erträgen die Existenzbedingungen der gesamten Bevölkerung abhängen, macht doch die Getreideausfuhr ihrem Werte nach nahezu sechs Siebentel der Gesamtausfuhr aus. Nach den Erhebungen von 1886 waren 4,255,106 Hektar der Kultur von Cerealien gewidmet, welche einen Ertrag von 53,637,979 Iii ergaben, verteilt auf die einzelnen Feldfrüchte wie folgt:
Weizen .
Roggen .
Gerste. .
Spelz. .
Buchweizen
Mais. .
Hafer. .
Hirse.
1129685 Hcltar 20819580 Hektoliter
237420
608814
267
4799
1845605
235585
125098
2681994
6580284
2132
19588
17157905
6012978
363518
Für den Weizenbau ist das Land vorzüglich geeignet, das Gewicht des Kornes erreicht zuweilen 78-80 k^- pro Hektoliter. Die vornehmste Nahrung der ländlichen Bevölkerung besteht indes in Mais.
Der Weizenbaunimmt erstaunlich schnell zu, von 1889 bis 1890 um 25 Proz. und dementsprechend auch der Ertrag. Da der Inlandkonsum unverändert blieb, so ergab sich für 1890 ein Ausfuhrquantum von 10 Mill. Iii gegen 7 Mill. iii im Vorjahr. Vei Roggen, Gerste und Hafer ergab sich 1890 nur eine Mittelernte, die Maisernte dagegen war eine sehr schlechte.
Die Weizenproduktion betrug 1890: 21,75 Mill. Iii.
Die Ausfuhrwerte betrugen 1890:
Weizen .. 9344000 Mark Roggen .. 20096000 Mark Mais. .. 33832000 .. Gerste. .. 14840000 . Mehl .. .. 3960000 Mark.
Die hauptsächlichsten Konsumenten der rumänischen Überschüsse sind in erster Linie England und Frankreich, dann die Schweiz, Italien, Belgien und Deutschland. Frankreich bezieht jährlich bedeutende
Meyers Konv, -Lexikon, 4. Aufl., XIX. Bd.
Mengen von Mais. Die seit 1886 eingetretene Sperre der österreichisch-ungarischen Grenze gegen rumänische Bodenprodukte hat eine wachsende Mühlenindustrie ins Leben gerufen, welche allein über die Häfen an der untern Donau 90,701 Ztr. ausführte. l Terbicn.i Die Ernte von 1889 betrug: Weizen 1,<», Roggen 0,0, Gerste 1,i, Hafer 0,5, Mais 3,8 Mill. di. Die von 1890 war recht ergiebig, die von Gerste und Roggen über Mittel, die von Weizen in manchen Kreisen sogar sehr gut, die öaferernte zwar schwach, aber dafür die Maisernte eine gute. Demzufolge hat sich auch die Ausfuhr fast aller Getreidesorten gegen die Vorjahre sehr bedeutend erhöht.
Die Getreidehandelsbilanz stellte sich 18W n^i^-.
Einfuhr Ausfuhr
Weizen . 25690 Zentner 635611 Zentner
Roggen . 54400 80986
Mais . 130 61542
Gerste . 26558 54310
Hafer . 20271 86247
Das Gros des ausgeführten Getreides nimmt seinen Weg über Österreich-Ungarn, nur kleinere Posten gehen über Saloniki nach Holland oder über Antwerpen rheinaufwärts nach Deutschland. Im Mehlhandel ist Serbien immer noch passiv, wenngleich in geringen: Betrage.
Bulgarien, von dessen (1888) 3,154,375 Einw. nicht weniger als 2,211,547 Ackerbauer find, von dessen Gesamtflächeninhalt Weizen, Roggen, Gerste, Hafer und Mais 711,800(1889:774,900) Hektar in Anjpruch nehmen, und wo der Getreidebau weitaus den ersten Platz unter den Erwerbsquellen der Bewohner ausmacht, erzeugt sehr bedeutende und wachsende Mengen von Getreide, welche starke Überschüsse zur Ausfuhr ergeben. Von der Gesamtausfuhr entfallen nicht weniger als 82,4 Proz. auf Produkte des Ackerbaues, welche von der Einfuhr nur 18,7 Proz beanspruchen. Nach amtlichen Ermittelungen betrug die Ernte in Doppelzentnern:
1889 1890
Weizen .. . .. 9387610 3130829
Roggen. . .. 2107987 160305?
Gerste .. . .. 2464124 224522?
Hafer .. . .. 1365771 906006
Mais .. . .. 4828104 2154145
Mit Hinzurechnung von Mischkorn und Spelz wurden 1890:4,743,528 Doppelzentner oder 28 Proz. weniger als im Vorjahr geerntet. Daher mußte auch die Ausfuhr eine geringere sein. Während 1889 für 62,798,086 Lei Körnerfrüchte, Malz und Hülsenfruchte ausgeführt wurden, betrug 1890 die Ausfuhr nur 54,348,576 Lei. Ebenso ging die Ausfuhr von! Mehl und Mehlprodukten von 655,840auf371M3 Lei! zurück. Hauptabnehmer sind Großbritannien (1890:i 1,579,646 Doppelzentner), Frankreich (1,408,164! Doppelzentner) und in absteigender Folge die Türkei,! Österreich-Ungarn, Holland, Italien 2c.
> Der nicht unbedeutende Getreidehandel Vos n i e n s! und der Herzegowina erscheint seit 1^80 in dem Öster' reich-Nngarns inbegriffen. Die deutschen amtlichen Handelsberichte geben für 1890 die Einfuhr von Mehl auf 1,400,000 Mk., von Mais und Hafer auf! 250,000 Mk., dagegen die Ausfuhr von Getreide und Sämereien auf ^1,800,000 Mk. an. Die Ausfuhr geht fast ganz über die ungarische Grenze.
l Kanadä.) Obschon die Bedeutung dieses Gebietes
für den Welthandel in neuester Zeit von der benach! barten amerikanischen Nnion zurückgedrängt wird,
! so ist dasselbe immer bedeutend genug. Der Haupt'
I ausfuhrartikel bleibt nochimmer Getreide, und dieser
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