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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Großbritannien (Geschichte)
G. besitzt Arsenale zu Portsmouth, Plymouth, Cha-tam und Woolwich, Milford, Cork, Leeds, Newcastle, Liverpool, Glasgow, Bedford, Gibraltar, Malta, Halifax, Iamai.u, Bermudas, Trinkonomali,Singa-pur (Privat), Hongkong, Tsusuna, Kap der Guten Hoffnung, Sydnei), Esquimault, und Kohlendepots zu Dover, Alderney, Portland, Fulmouth, Holyhead, Londonderry , Bantry-Bay , Sierra Leone , St. He-lena und Ascension, Mauritius, Aden, Rangun, Labuan, Port Moresby, Thursday, Fidschiinseln, Melbourne, Albany, Wellington, Hobarttown, Fulk-landinseln, Santa Lul.ia (Antillen), Funninginseln, ^aboga. Das Marinepersonal zählte 189o: 2203 aktive Osfiziere, 260 auf Halbsold, 2369 außer
Dienst, 396 Ärzte, 458 Zahlmeister, 54,336 aller
....barge.n und Matrosen ; 14,000 Marinetruppen ein-schließlich Osfiziere. Die Marinetruppen bestehen aus leichter Infanterie (Seesoldaten) und Marine-artillerie. Ende 1891 zählte die Infanterie 11,336 Mann, davon waren eingeschifft 6014, am Lande
53...2 Mann; die Artillerie zählte 2709 Mann, davon 1417 eingeschifft, I...9... am Lande. DieEtatsstärkevon
14,000 Mann war um 45 Mann überschritten. Auf
den Schiffsbauwerften befinden sich 22,337 Mann,
einschließlich 1068 Beamte, auf den Verprovian-
tierungswerften 941, in den Hospilälern 676 Mann.
Gefchichte.
^ Seit dem Jahre 1 886 , in welchem mit dem Sturz des Ministeriums Gladstone eine neue Ära der in-nern Geschichte Großbritanniens begann, hat das Land keiner für die gesetzgeberischen Arbeiten so frucht-baren par.amentarischen Tagung sich zu erfreuen
gehabt, als diejenige des Iahres 1891 gewesen ist.
Die Ursache davon war die Fortdauer der Spaltung innerhalb der. irischen parlamentarischen Partei, welche schon die Beratungen im Herbst und Winter des Vorjahres in glücklichster Weise beeinslußt hatte. Der Kampf, den die Anhänger Parnells und seine Gegner unter der Führung Mac Carthys in Irland selbst gegeneinander führten, indem sie einander in der Presse und in zahllosen Versammlungen mit Reden und oft genug mit körperlichen Mißhand-lungen rohester Art befehdeten , nahm die Zeit und die Aufmerksamkeit dieser Gruppe von Abgeordneten so sehr in Anspruch, daß ihre parlamentarische Aktions-kraft, sehr zum Vorteil der Regierung, darüber er-lahmte. Bei manchen wichtigen Verhandlungen des Unterhauses waren die Iren nur in äußerst geringer Zahl vertreten, bei andern gaben sie ihre Stimmen in entgegengesetzter Richtung ab : immer wurden sie in erster Linie durch die Rücksicht auf die öffentliche Meinung nicht nur. ihres eignen Heimatslandesion-dern auch der englischen Wahlkreise bestimmt. Zwar hörte darum die von den Iren erfundene Obstruk-tionstaktik im Unterhaus nicht ganz auf; aber das kleine H äuflein der vorgeschrittensten englischen Radi-kalen, das unter der Führung des Abgeordneten Labouchère an derselben festhielt, vermochte nicht entfernt auszurichten, was früher der mit bewußter Absicht auf die Lahmlegung des englischen Parla-ments abzielenden großen Partei der vereinigten Homerulers möglich gewesen war. So geschah es, daß die beiden großen gesetzgebe-
rischen ^Maßregeln, welche die Regierung 1890 nicht
hatte durchsetzen können, im folgenden Iahre zu einer für diese durchaus befriedigenden Erledigung
gelangten. Das Gesetz über die Umgestaltung der
Zehntenpflicht, durch welches diese Pfticht unter bil-ligen Bedingungen von denGrundstückspachtern auf die Eigentümer übertragen wurde, gelangte bereits
10. Febr. im Unterhaus mit 250 gegen 161 Stim-
men zur dritten Lesung, wurde 17. März im Oberhaus angenommen uud gelangte eine Woche später, nachdem über die vou den Lords beschlossenen Amendements die Einigung beider Häuser erzielt war, zur definitivenVerabschiedung; 26. März erhielt
es die königliche Genehmigung. Das Gesetz über den
Landankauf in Irland, dessen wesentlichen Inhalt wir im vorigen Iahre (Bd. 18, S. 384) skizziert haben, kam 9. April, gleich nach den Osterferien, zur Einzelberatung im Unterhaus. Die eigentlich ent-
scheidende Abstimmung erfolgte 17. April, indem
ein Antrag Morleys, das Landgesetz solle erst nach der Einführung von Grafschaftsräte.. in Irland in
Kraft treten, mit 247 gegen 170 Stimmen abgelehnt wurde. Am 22. Mai ging die Einzelberatung ;zu
Ende; 25. Iuni wurde das Gesetz, für das auch Parnell eintrat, mit 225 gegen 96 Stimmen in dritter Lesung angenommen. Im Oberhaus fand die dritte
Lesung 15. Juli statt; 4. Aug. waren die Disferenzen
beider Häuser ausgeglichen, und die Regierung hatte einen bedeutenden Erfolg davongetragen.
Zu diesen beiden großen, aus dem Vorjahre über-nommenen Maßregeln kam eine dritte, nicht minder
wichtige hinzu. Am 23. April hatte der Schatzkanzler
Goschen seine Budgetvorlage im Unterhause ein-gebracht, welche wiederum eine höchst günstige Fiuanz-lage des Reiches aufwies. Man konnte über einen
Überschuß von 1,986,000 Pfd. Sterl. Verfügung
treffen. Den kleinern Teil dieser Summe beantragte die Regierung auf Kasernen bauten und auf die Ein-ziehung und Umprägung nicht mehr vollwichtiger Goldmünzen zu verwenden; dergrößeresolltedi.Ein... führung des unentgeltlichen Volksschulunterrichtser-möglichen. Das betreffende Gesetz wurde dem Unter-hause 8. Iuni durch den Unterrichtsminister SirWil-liam Hart Dyke vorgelegt; es bestimmte, daß vom I.Sept. ab an allen Volksschulen (öffentlichen wie pri-vaten und von Religionsgesellschaften oder Korpora-tionen unterhallenen) für jedes Kind einZuschuß von 10 Schilling aus der Staatskasse gezahlt werden solle,
so daß das^Schulgeldwo es bisher weniger als diese
Summe betragen hatte, in Zukunft ganz wegfallen, wo es mehr betragen hatte, eine Ermäßigung um diese Summe erfahren sollte. Der Vorschlag, der offenbar nur der liberalen Partei zuvorzukommen bestimmt war, wurde zwar von der konservative Partei iui . Hause sehr kühl aufgenommen, in der Presse über.... wiegend abfällig beurteilt: aber zum Widerstand gegen denselben vermochte sich doch nur ein kleines Häuflein von etwa zehn Hochtories zu entsct) ließen, und da die Liberalen begreiflich die ihrem Pro-gramm entlehnte Maßregel nicht bekämpfen konnten, wurde das Gesetz 8. Iuli im Unterhause, 4. Aug. von den Lords in dritter Lesung angenommen. Am
1. Sept. trat es in Kraft, und sofort zeigte sich die
erwartete Wirkung: eine gewaltige Steigerung des Schulbesuchs in allen Teilen des Landes. Für etwa zwei Drittel aller Volksschulen des Reiches, darunter fast alle aus dem platten^Lande, kam das Schulgeld
gänzlich in Fortfall; für das verbleiben.de Drittel ward
es erheblich verringert: zahllose Familien, die bisher ihre Kinder dem Elementarunterricht zu entziehen gewußt hatten, übergaben dieselben nunmehr willig den unentgeltlichen oder fast unentgeltlichen Schulen. Ganz besonders erfreulich war es aber, daß neben diesen großen legislativen Maßregeln die Durch-bringung einer erheblichen Anzahl kleiner, aber not-wendiger und seit langer Zeit zurückgestellter Ge-setzesvorlagen möglich geworden war. Dahin ae-