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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Großbritannien (Geschichte)
hörten, um nur einige der wichtigern zu nennen, ein Gefetz über die Verbesserung des Beweisverfah-rens in Kriminalprozefsen, Gesetze über die Einzie-
hung nicht vollwichtiger Münzen und über die Eisen-
bahnen, ganz besonders aber eine wichtige Novelle zur Fabrikgesetzgebung, welche die Kinderarbeit ein-schränkte und auch sonst eine Reihe zweckmäßiger Maß-regeln im Interesse des Arbeiterschutzes einführte.
Konnte s... die Regierung auf die Ergebnisse der am 5. Aug. geschlossenen Parlamentssession mit voller Befriedigung zurückblicken, so durfte sich ihre Genug-thuung bei einem Blicke auf die Entwickelung, welche die Verhältnisse Irlands genommen hatten, noch er-höhen. Zwar schien es der konservative Partei nicht eben vorteilhaft zu sein, daß in dem Kampfe zwischen Parnell und seinen mit Gladstone eng verbundenen Gegnern die letztern, dank der fast einmütigen Unter-stützung der katholischen Geistlichkeit, immer mehr an Boden gewannen. Bei den Ersatzwahlen zum Unterhaus in North-Sligo im März und in Carlow
im Juli 1891 errangen sie den Sieg; gegenüber der
von Parnell beherrschten Nationalliga gründeten sie 1o. März einen Gegenbund unter dem Namen der National Federativn; ihnen schlossen sich 3o. Juli die aus dem Gefängnis in Galway entlassenen einfluß-reichen Abgeordneten Dillon und O'Brien, die bis dahin in dem heimlichen Streite der Homerulepartei keine entschiedene Stellung genommen hatten, an; endlich gelang es ihnen 29. Aug., eine der einflußreich-sten irischen Zeitungen: "The Freeman's Journal", durch Beschluß der Generalversammlung der Aktiv-näre den Händen Parnells zu entwinden. Dessen-ungeachtet schritt die Beruhigung des Landes iinter der energischen Leitung des irischen Obersekretärs
Balfour mächtig fort. Schon 12. März hatte dieser
im Unterhause mit Genugthuung darauf hinweisen können, wie durch seine und des Vizekönigs Lord Zetland Bemühungen der infolge der Mißernte des Iahres 189o erwartete irische Notstand weit hinter den gehegten Befürchtungen zurückgeblieben war. Die Zahl der agrarischen Verbrechen nahm von Mo-nat zu Monat ab: 3. Juni befanden sich nur noch 22 Personen wegen solcher im Gefängnis, und es war ein beachtenswertes Zeichen der Zeit, daß im Laufe des Sommers die von der Nationalliga ae^ gründete und mit Pacht verweigernden Bauern be-siedelte Stadt New Tipperary von diesen, welche zur Botmäßigkeit zurücktehrten, wieder geräumt wurde. Bereits im Iuni war Balfour in der Lage, die streng-sten Bestimmungen der irischen Ausnahmegesetze für das ganze Land, mit Ausnahme weniger Distrikte, außer Kraft zu setzen; und einige Tage nach dem Schlusse der Parlamentssitzungen, 10. Aug., konnte er in einer zu Plymouth gehaltenen Rede erklären, daß es die Absicht der Regierung sei, in der nächsten Tagiing einen Gesetzentwurf einzubringen, durch den auch in Irland gewählte Grafschaftsräte nach dem Vorbild Englands eingeführt werden sollten, freilich mit dem Unterschiede, daß ihnen die in Eng-land von den Grafschaftsbehörden ausgeübte Kon-trolle über die Ortspolizei nicht zustehen solle. Mehr als alles andre bewies diese Zusage, für wie grund-lich gebessert die Regierung die Lage der Dinge in Irland ansah.
Wie Balfours irische, so war auch die von Lord Salisbur..) selbst geleitete auswärtige und die koloniale Politik des konservative Ministeriums im ganzen durchaus glücklich und erfolgreich. Die im Vorjahre gescheiterte Übereinkunft zwischen G. und Italien über die Abgrenziing der beiderseitigen Interessen-.
sphären in Nordafrika kam 25. März 1891 auf ein^
für England durchaus annehmbaren Grundlage zn stande. Im Iuni gab auch Portugal seinen aussicht^ losen Widerstand gegen die englischen Ansprücheauf; 11. Juni konnte Salisbury den Vertrag bekannt machen, durch welchen die Grenzlinie zwischen den britischen und portugiesischen Besitzungen inOstafrika gezogen war. Die sehr ärgerlichen Streitigkeiten mit Frankreich über die dem letztern nach den Bestimmung gen des Utrechter Friedens zuftehenden Fischerei-gerechtsame an der Küste von Neufundland wurden im März durch den Abschluß eines Vertrags bei-gelegt, durch welchen einige der streitigen Punkte schiedsrichterlicher Entscheidung überwiesen, über andre ein modus vlvendl vereinbart wurde. Als die Bevölkerung von Neufundland Miene machte, sich der Ausführung des Vertrages zu lvidersetzen, wurde sie durch sehr energisches Vorgehen der Regierung, die mit einem Zwangsgesetz drohte und dasselbe be-reits von dem Oberhause hatte annehmen lassen, zur Nachgiebigkeit und zur Anerkennung der internatio-nalenVerpflichtungen desMutterlandes gezwungen. Ein ähnlicher Vertrag beseitigte 15. Iuni die lang-andauernden Zwistigkeiten zwischen G. und den Ver.. einigten Staaten von Nordamerika wegen des Rob.. ^ benfanges in der Beringsee wenigstens für einen gewissen Zeitraum, In Kanada, wo sich eine starke Strömung für einen möglichst engen Anschluß an die Vereinigten Staaten von Nordamerika namens
lich auf dem Gebiete der Handelspolitik geltend ge-
macht hatte, siegte die dieser Strömung abgeneigte Regierung bei den im März stattfindenden Wahlen für das koloniale Parlament mit einer zwar nicht großen, aber doch ausreichenden Majorität. In Australien kam es im gleichen Monat zum Zusam-mentritt einer Konferenz der verschiedenen Kolonial-parlamente, die eine der Regierung sehr erwünschte Föderativverfassung für die australischen Kolonien vereinbarte. In Indien endlich wurde ein im Mär.^ ausgebrochener Aufstand in dem Vasallenstciate ^.a-nipur, infolgedessen der britische Zivilkommissar Quinton und mehrere hundert Offiziere und Soldaten 23. März ermordet worden waren, nach kurzer Zeit niedergeschlagen: die Rädelsführer wurden hin-gerichtet, der Regent abgesetzt und die Abhängigkeit der eingebornen Verwaltung von der englischen .^e-gierung verschärft. So war nach allen Seiten für die Befestigung und Ausbreitung der ausgedehnten .-.ri-tischenKolonialherrschaft erfolgreich Sorge getragen. In den großen Fragen der europäischen Politik blieb die Regierung ihrer auf vorsichtige Wahrn.^ der Aktionsfreiheit gerichteten, im großen und ^an...^ abersichtlichdieFriedensbestrebungenderDr..ibnn.-^
mächte begünstigenden Haltung auch 1891 treu. .^
sonders eng blieben ihre Beziehungen zu Ital.^ und vielfach war im Laufe des Iahres von aus.-.r^ lichen Vereinbarungen die Rede, durch welche ^. für den Fall eines französischen Angriffes ans -^ italienische Küste dem König von Italien die ui^ stützung seiner Flotte versprochen habe: Gerü-^ deren Wahrheit um so mehr auf fich beruhen ---^ als der Unterstaatssekretär im Auswärtigen ^..-^ Sir I. Fergusson, 4. Iuni im Unterhaus aus ^ neugierigen Fragen des radikalen und sran^^ freundlichen Abgeordneten Labouchère das Be^*^ eines Vertrags, durch welches G. für irgend ^^ Eventualität in Bezug auf die Verfügung über ^: Heer und seine Flotte gebunden sei, in Abrede^^ und ähnliche Erklärungen in den nächsten ^ wiederholt abgab. Nichtsdestoweniger seh.le ^