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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Höhlenwohnungen - Holzwolle
ordnung wird überdies nicht unwesentlich von dem schließlichen Ergebnis der preußischen Reformbewegung auf diesem Gebiete abhängen. Jedenfalls aber können Lehrer und Freunde des höhern Schulwesens in Preußen die Bayern um die Ruhe, mit der dort ganz in den vorgezeichneten Bahnen und Formen die für nötig gehaltene Wandlung sich vollzogen hat, nur beneiden.
Vgl. für Österreich: »Instruktionen für den Unterricht an den Gymnasien« (3. Aufl., Wien 1891) und »Verordnungsblatt für den Dienstbereich des Ministeriums für Kultus und Unterricht« (namentlich Jahrgang 1891, Stück 20). Für Bayern vgl. Füger, Schulordnungen der Studienanstalten, Realgymnasien, Realschulen etc. (Bamb. 1889) und Schulordnung für die humanistischen Gymnasien" (Ansb. 1891).
Höhlenwohnungen der neuern Zeit, d. h. künstliche Aushöhlungen von Felsen, Erweiterungen natürlicher Spalten und unterirdische Bauten zu Wohnungszwecken, findet man in sehr vielen Ländern und ihr Gebrauch läßt sich von der neolithischen Zeit bis zur Gegenwart verfolgen. Mitunter haben solche H. wohl nur als Schlupfwinkel im Kriege gedient, wie die Viktoria- und Alberthöhle der Königsklippe bei Settle, die durch Mauerwerk geschlossen waren, und in denen man zahlreiche Reste römischen und samischen Geschirres, Münzen von Trajan und Konstantin gesunden; andre dienten als Wohnungen für Klausner und Anachoreten in den ersten christlichen Zeiten, noch andre aber bildeten durch die größere Zahl der nebeneinander in die Felsmasse ausgearbeiteten Wohnungen förmliche Höhlendörfer oder -Städte. Eine solche seit langem verlassene Höhlenstadt fand Prof. de Baye 1874 im Thale des Petit Morin (Departement Marne) auf; die H., deren er 120 untersuchte, sind in den Kreidefelsen mit Feuersteinwerkzeugen ausgehöhlt und haben teils als Grabstätten, teils als Wohnungen gedient. Die letztern sind oft durch eine Scheidewand in zwei ungleich große Teile geschieden, und man hat durch wohlberechnete Einrichtungen das Eindringen des Wassers zu verhüten gewußt. Die Eingangsöffnung ist rings mit einem Falze versehen zur Aufnahme einer Holzthür oder einer Steinplatte, mit der die Höhle geschlossen werden konnte. Die Eingänge sind so angelegt, daß sie nötigen Falls leicht maskiert werden konnten. Treppen führen zu ihnen, und die Abnutzung der Stufen und des Fußbodens zeugen von der langen Dauer der Besiedelung. Im Innern findet man Wandgesimse mit allerlei Waffen, Geräten und Schmucksachen von Muscheln und Schnecken, auch Geschirr, aber keine Spur von Metallgegenständen. Die Wände sind mehrfach mit Skulpturen bedeckt, welche Streitäxte und auch menschliche Figuren darstellen, darunter einige weibliche Gestalten (eine davon mit Vogelkopf), die an Hausgötzen erinnern. Der Kulturzustand der Bewohner scheint dem der Cliffdweller Amerikas verwandt gewesen zu sein. Eine Entdeckung noch jüngern Datums, aber ähnlichen Charakters ist die merkwürdige Felsenstadt in Österreichisch-Galizien bei dem Dorfe Bubniska unweit Stry im Dnjestrthal. Hier ist ein Kreidefelsen von bedeutender Höhe in ein förmliches Familienhaus mit zahlreichen viereckigen Zimmern, die nur durch hohe Treppen zugänglich sind, verwandelt. Ähnliche, aber meist kleinere Anlagen finden sich im ganzen Dnjestrthal. Auch Südfrankreich und die Pyrenäen sind reich an solchen künstlichen H., und in Spanien fand Roßmäßler eine solche noch heute bewohnte Felsenstadt auf. In Deutschland hat Koch in der Gegend von Wismar am Abhang einer kleinen Hügel kette Spuren von mehr als 50 H. gefunden; die sogen. Heidenlöcher bei Überlingen am Bodensee stellen Anlagen aus jüngerer Zeit dar, und am Regenstein im Harz findet sich unterhalb der zerstörten Burg Langenstein die seit dem Mittelalter bewohnte, aus Stube, Küche, drei Kammern und Stall bestehende Burghohle, die ganz mit Thüren und Fenstern aus dem Felsen gehauen ist und eine so gesunde, von der Ortschaft vermietete Wohnung abgibt, daß in neuerer Zeit daselbst noch sieben ähnliche Felswohnungen ausgemeißelt und bezogen worden sind.
Eine andre Art künstlicher H., die gänzlich unterirdisch sind und ihre Eingänge meist von Brunnenschächten oder Bauernkellern haben, die sogen. Erdställe oder Hinterkeller, sind in neuerer Zeit mehrfach durch Zufall beim Keller- und Fundamentgraben, z. B. in Almering bei Mühldorf und in Kissing (Bayern), entdeckt worden. Es sind abschüssige, hin und her führende Gänge mit Wandnischen, in denen ein Mensch gerade aufrecht stehen kann, während die Zugänge meist nur so hoch sind, daß man hindurchkriechen muß, um hinein zu gelangen. Sie führen meist zu größern Räumen mit Sitznischen in den Wänden, von denen Luftschächte senkrecht emporführen und oben im Gebüsch sich öffnen. Sehr ansehnliche derartige Anlagen sind auch im Hausberge bei Stronegg (Niederösterreich), bei Erdberg in Mähren und im großen Manhartsberge bei Olbersdorf gefunden worden. Über den Zweck ist man nicht im klaren; man hat Begräbnisstätten oder Höhlenkapellen für einen unterirdisch geübten Götterkultus darin gesucht; wahrscheinlicher ist, daß sie Zufluchtsstätten für den Krieg darstellen. Die Funde geben keine besondern Anhaltspunkte; der Stil der Nischen und Wölbungen erinnert an Gotik. Vgl. J.^[Johannes] Ranke und Rüdinger, Beiträge zur Anthropologie und Urgeschichte Bayerns, Bd. 9 (Münch. 1879).
Holland, 3) Wilhelm Ludwig, Germanist und Romanist, starb 22. Aug. 1891 in Tübingen.
Holstein-Holsteinborg, Ludwig, Graf, dän. Staatsmann, starb 28. April 1892 in Kopenhagen.
Holtzinger, Heinrich, Kunstgelehrter, geb. 15. Aug. 1856 zu Oldenburg, ward 1883 Privatdozent für mittelalterliche und neuere Kunstgeschichte an der Universität Tübingen, 1888 außerordentlicher Professor daselbst und erhielt 1891 eine ordentliche Professur an der technischen Hochschule zu Hannover. Seine Forschungen erstrecken sich vornehmlich auf die Architektur der altchristlichen Zeit, des Mittelalters und der Renaissance, deren Denkmäler er auf Reisen in Italien, Griechenland und Nordafrika studiert hat. Die Ergebnisse dieser Studien sind die Schriften: »Über den Ursprung und die Bedeutung der Doppelchöre« (Leipz. 1882); »Kunsthistorische Studien (Tübing. 1886); »Handbuch der altchristlichen Architektur« (Stuttg. 1889). Er bearbeitete auch die 3. Auflage von Burckhardts »Geschichte der Renaissance in Italien« (Stuttg. 1890).
Holzcellulose, Holzschliff, s. Papier.
Holzwolle. Mit der Zunahme des Anbaues der Zuckerrübe vermindert sich die in der Wirtschaft geerntete Strohmenge, weshalb zur Düngerbereitung vielfach Ersatzmaterial verwendet werden muß. Als solches wird bei billigen Holzpreisen die H. mit Vorteil benutzt. Eine 2pferdige Holzwollemaschine vermag pro Tag die Streu für einen Viehstand von 80 Stück zu erzeugen, wobei ein Raummeter Nadelholz 360 kg Wolle ergibt. Die H. vermag viel Jauche aufzusaugen, gibt dabei den Tieren ein weiches Lager und führt dem Boden humusbildende Substanzen