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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ithaka - Itô Hirobumi
anni nel Sudan egiziano«, Martini, »Nell’Africa Eritrea« und G. Casati in seinem inhaltreichen, besonders interessante Mitteilungen über die Befreiung Emin Paschas enthaltenden Werke »Dieci anni in Equatoria e ritorno con Emin Pascia«. Das Fach der mehr unterhaltenden, aber auch belehrenden Reiseschriften vertreten in vorzüglicher Weise Ferdinando Resasco mit seinem »Alle rive del Plata« und Adolf Rossi mit seinen Schilderungen aus Nordamerika (»Un Italiano in America«). Mehr belehrend und weniger unterhaltend sind Giuseppe Modrichs »Repubblica Argentina« und E. Scarfoglios »In Levante e a traverso i Balcani«.
Was den durch Übersetzungen vermittelten geistigen Verkehr zwischen Deutschland und Italien betrifft, so waren darin die Italiener viel fleißiger als die Deutschen. Feldmarschall Moltkes »Geschichte des deutsch-französischen Krieges« wurde gleich nach ihrem Erscheinen ins Italienische übertragen. Giuseppe Malagoli übersetzte Gedichte von Schiller und Platen, Santoro-Fajella Gedichte von Goethe, Platen u. a., Giovanni Muzzati Gedichte von Heine, Casimiro Varese Heines »Geständnisse«, »Buch Lazarus« u. a., Frau Clelia Coën »Backfischchens Leiden und Freuden« von Clementine Heini, und Gräfin Anna Miliani-Vallemani übertrug die rumänischen Volkslieder aus der deutschen Übersetzung Carmen Sylvas ins Italienische. Ferner wurden Richard Leanders »Träumereien an französischen Kaminen«, Sudermanns »Ehre« und Wildenbruchs »Haubenlerche« übersetzt.
Ithaka. Eine zweimalige Durchwanderung dieser ionischen Insel gab Prof. Partsch Veranlassung zu einer Nachprüfung jener vielerörterten Frage, ob der oder die Dichter der »Odyssee« nach Autopsie geschildert oder ob sie die Lokalitäten des Epos nach Hörensagen und eigner Phantasie dargestellt haben, wie letzteres namentlich R. Hercher unter vielseitiger Zustimmung behauptete. Partsch (»Kephalonia und I.«, Gotha 1890) unterscheidet zwischen den einzelnen, zu verschiedenen Zeiten entstandenen Teilen der Odyssee: dem Dichter jener Stelle im neunten Gesang, wo Odysseus seine Heimat als niedrig und am weitesten gegen W. im Meere gelegen bezeichnet, spricht er eine genaue Kenntnis Ithakas ab, während die auf I. selbst spielenden Teile des Epos ihm offenbare Autopsie verraten. Was er im einzelnen für gesichert hält, ist folgendes: Die der Insel gleichnamige Stadt des Odysseus suchte schon Cicero und zu Anfang dieses Jahrhunderts Gell, dem die meisten Gelehrten zustimmten, in den großartigen kyklopischen Ruinen auf dem 380 m hohen Berge Aëtos, welcher sich auf dem schmalen, die beiden Hälften Ithakas verbindenden Isthmus erhebt. In dieser Frage hat aber sicher Leake recht, welcher nach dem Aëtos die von Plutarch u. a. auf I. genannte Stadt Alalkomenai legt; was Gell zu einem Grundriß des Palastes des Odysseus ergänzte, sind Reste von Stadtmauern, und Partsch’ Aufnahme derselben zeigt, wie sehr Gell seiner Phantasie nachgegeben hat. Die Stadt des Odysseus dagegen lag weiter nördlich, an der Westküste der Insel, an der Bucht von Polis, wo schon Leake sie ansetzte. Schon dieser Name Polis weist darauf hin, daß hier die alte Hauptstadt zu suchen ist. Die kleine Ebene an derselben ist mit antiken Resten erfüllt und wird von einem 147 m hohen Hügel geschlossen, der einst die Akropolis trug. Die dort gefundenen Altertümer, sehr alte Inschriften, Münzen, Juwelen, Bildwerke, Waffen, sollen vom 7. vorchristlichen Jahrhundert bis in die römische Kaiserzeit herabreichen. Die Lage dieser alten Stadt stimmt durchaus zu der Beschreibung der »Odyssee«, und von ihrer Akropolis, welche der Burg des Odysseus entspräche, übersieht man den ganzen Sund zwischen Kephalonia und I. und quer über letzteres hinweg die Bucht von Phrikes an der Ostküste. Mit dieser Ansetzung der Hauptstadt sind zugleich mehrere andre Örtlichkeiten fixiert: das Neïongebirge, an welches sie sich lehnte, muß der zu 525 m ansteigende Kavellares im N. sein, das Reithron mag der vom NW. einschneidenden Aphalesbucht entsprechen, und die Insel Asteris, bei welcher die Freier dem von Pylos zurückkehrenden Telemach auflauerten, kann nur das heutige Daskalio sein, die einzige Insel in der Meerenge zwischen Kephalonia und I. Fraglich bleibt aber, ob das Waldgebirge Neriton auf der nördlichen oder auf der südlichen Hälfte von I. zu suchen ist, ja, es ist nicht undenkbar, daß es nur mißverständlich von der Insel Leukas hierher übertragen ist. Die Weideplätze des Eumäos entsprechen jedoch wieder deutlich der weiten Hochfläche Marathia im S. von I., der Felsen Korax ist sicher der auch heute wieder so benannte Absturz derselben gegen O., die an seinem Fuße entspringende Quelle ist die Arethusa der »Odyssee«, und der Hafen des Phorkys, wo die Phäaken den schlafenden Odysseus ans Land trugen, kann kein andrer sein als die Bucht der heutigen Hauptstadt Vathy. In Einzelheiten mag die dichterische Phantasie gewaltet haben, »aber die großen Grundzüge der topographischen Gliederung Ithakas, die Hauptschauplätze der Dichtung, die Stadt und der mit ihr eng verbundene Herrschersitz, die Triften des Eumäos und die ihrem Bergstock benachbarten Buchten find mit so unverkennbarer Treue der Wirklichkeit entnommen, der Naturcharakter der Insel ist allenthalben so treffend, mit so feiner Abwägung der Vorzüge und Schattenseiten wiedergegeben, daß in dieser frischen, echten Lokalfärbung ein wesentlicher Reiz des Heldengedichtes liegt«.
Itô Hirobumi, Graf, japan. Staatsmann, geb. 1840 zu Chôshû als Sohn eines Samurai, studierte in Nagasaki Holländisch und Englisch, war 1861-63 in England und suchte nach seiner Rückkehr 1864 mit Inoue zwischen dem Chôshû-Clan und der feindlichen Flotte vor Shimonoseki zu vermitteln. 1870 ging er nach Amerika, um das dortige Münzwesen zu studieren, worauf 1871 die Münze in Ôsaka errichtet wurde; auch veranlaßte er nebst Ôkubo die Erbauung der ersten Eisenbahnlinie in Japan zwischen Tokio und Jokohama. 1871 begleitete er Iwakura auf der berühmten Gesandtschaft nach Amerika und Europa; nach seiner Rückkehr 1873 trat er dem Kriegseifer gegen Korea mit Erfolg entgegen und wirkte nebst Kido, Ôkubo, Itagaki und Gôtô für die Einführung eines konstitutionellen Regierungssystems in Japan. 1878 wurde er Minister des Innern und ging darauf 1882 nach Berlin, um die preußische Verfassung zu studieren. 1885 wurde er in den Grafenstand erhoben und übernahm die Ministerpräsidentschaft, die er 1887 an Kuroda abgab. 1890 ernannte ihn der Kaiser zum Präsidenten des Oberhauses; seit 1891 ist er Präsident des Staatsrates (Sumitsu-in). Graf I. ist der eigentliche geistige Urheber der jetzigen, 11. Febr. 1889 veröffentlichten und 1890 in Kraft getretenen japanischen Verfassung, bei der ihm in allen wesentlichen Zügen die preußische Verfassung zum Vorbilde diente, und zu welcher er einen ausführlichen Kommentar verfaßte.