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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Keimung - Keimungsformen
die 1865 in Zürich gehörten Vorlesungen Fr. Th.
Vischers entschiedenen Einfluß. Den Weg zur Bühne öffnete ihm Heinrich Laube 1875 mit der Aufführung seiner »Sulamith« in dem Wiener Stadttheater. Es gelang K. indes nicht, auf der Bühne festen Fuß zu fassen. Seitdem schrieb er das Trauerspiel »Der Königsrichter« (Leipz. 1879), das Lustspiel »Der Meisterschüler« (das. 1879); »Stefan Fadinger, ein deutsches Bauernlied auf fliegenden Blättern« (Wien 1885), ein frisches, politisch gefärbtes Gedicht, das auch Hamerlings Beifall hatte; »Aus dem Eturmgesang des Lebens ,, gesammelte Dichtungen (Minden 1887), mit vielen Gedichten aus der erregten nationalen Begeisterung, die Anfang der 80er Jahre durch Deutsch-Österreich ging, und derauchdas Schauspiel »Der Schenk von Dürnstein« (Wiener Neustadt 1891) angehört. Zuletzt erschien: »Die Spinnerin am Kreuz'«, Schauspiel (Wien 1892).
Keimung (Beeinflussung durch Pflanzengifte). Eine der Theorien der Immunität nimmt an, daß der Organismus durch das Imprägnieren mit einem Stoff immun wird, den die pathogenen Organismen, nachdem sie in den Körper gedrungen sind, erzeugen, und welcher das Wachstum und die Fortpflanzung der Mikroben verhindert. Ähnliche Vorstellungen hat man auch in der Botanik ausgesprochen, indem man annimmt, daß eine Pflanze den Boden, auf dem sie gewachsen ist, zur unmittelbaren Entwickelung einer andern Pflanze derselben Art ungeeignet macht, weil sie ihn durch Ausscheidungen aus ihren Wurzeln, über deren Natur man sich nicht klar geworden, verdirbt. Cornevin hat nun untersucht, ob Giftstoffe, welche in vielen Phanerogamen sich finden, für die K. und das Wachstum derjenigen Pflanzen, die sie erzeugen, Hindernisse sind. Es sind hierbei zwei Fälle zu unterscheiden: Entweder existiert der Giftstoff in dem Samen und geht in die junge Pflanze über, so daß die Giftigkeit niemals unterbrochen wird, oder der Giftstoss existiert weder im Samen noch in der jungen Pflanze, sondern bildet sich erst, wenn bestimmte Teile, die ihn erzeugen, sich unter Bedingungen befinden, welche für diese Bildung erforderlich sind. Als Repräsentant der ersten Klasse wurde das Saponin der Samen der Kornrade (^Arostkinmii 6i5iillA0) und das Cytisin des Goldregens (^tisus I^awnuum) gewählt, und zwar wurden entweder die Samen <6-48 Stunden lang in die Lösung ihrer Giftstoffe getaucht, oder man tränkte die Erde, in welcher der Same keimen sollte, mit der Lösung. In beiden Fällen zeigte sich keine Wirkung auf die K. Als Vertreter der Zweiten Gruppe wurden Tabak und Mohn gewählt, welche Nikotin und Opium erzeugen.
Tabaksamen, welche in eine Lösung von ^/i5o Nikotin getaucht waren, zeigten eine Verzögerung der K. um 48 Stunden, und von den in nikotinhaltigen Boden gesäeten Samen keimten einige mit einer Verzögerung von 10 Tagen, wovon die Hälfte am nachfolgenden Tage zu Grunde ging; andre keimten mit einer Verzögerung von 23 Tagen, aber zur Zeit ihrer K. war der Boden von Mikroorganismen beiwlkert, welche zweifellos einen großen Teil des Nikotins zerstört hatten. Der wässerige Opiumauszug wirkte sowohl beim Eintauchen der Samen als beim Tränken der Erde beschleunigend aus die K.
Keimungsformen. Die Art und Weise, wie die Pflanzen ihren Keimling aus dein Samen hervortreten lassen, hängt nicht bloß von ihrer Stellung im System ab, sondern steht mit ihren gesamten Lebensverhältnissen im Zusammenhang. Der inner halb der schützenden Samenhaut geborgene Keimling (Embryo), der bei der Mehrzahl der Gewächse mit einem Würzelchen, ein oder mehreren Keimblättern (Kotyledonen) und einer zum Auswachsen bestimmten Stammknospe ausgestattet ist, vermag in seinen ersten Lebensstadien nach Eintritt der Keimung sich nicht selbständig aus den Stoffen der Erde. und der Luft zu ernähren, sondern muß wie ein Säugling durch Zufuhr besonders für ihn vorbereiteter Nährbestandteile (wie Stärkemehl, Fett u. a.) zu allmählicher Erstarkung gebracht werden. Dieselben sind entweder in den dicht damit angefüllten Keimblättern oder in einem besondern Speichergewebe (dem Endosperm, resp. Perisuerm) des Samens (Fig. 1, k, b, o, S 516) enthalten, das innerhalb des letztern dem Keimling anliegt, und dessen Inhalt dieser nicht selten durch eigentümliche Saugzellen (Absorptionsgewebe, Fig. 1, ä), ähnlich denen in den Haustorien der Schmarotzerpflanzen, aufzunehmen in: stände ist.
Falls das Absorptionsgewebe fehlt und trotzdem Endosperm im Samen vorhanden ist, übernehmen die oberflächlich liegenden Zellen (Epidermiszellen) der Keimblätter die Rolle des Aufsaugens. Die im Pflanzenreich vorkommenden K. sind so mannigfaltig, daß Klebs etwa 16 verschiedene, durch Übergänge verknüpfte Typen derselben unterscheiden konnte, während Kerner v. Marilaun durch Zusammenziehung der nächstverwandten Gruppen die Zahl derselben etwa auf die Hälfte reduzierte. Unter den Pflanzen mit Einem Keimblatt (Monokotylen) ist die am meisten verbreitete, bei Liliaceen, Palmen, bei In'g u. a. auftretende Keimungsform dadurch ausgezeichnet, daß zunächst lebhaftes Wachstum der Hauptwurzel eintritt, während das Keimblatt mit dem einen, zur Aufsaugung des Speichergewebes bestimmten Ende (Fig. i, i, k, 1) im Samen stecken bleibt, mit dem andern dagegen hervortritt und eine verhältnismäßig nur kurze Scheide bildet. Von dieser Form unterscheidet sich die Keimung der Kommelinaceen (Fig. 1, 6, f, ^)^) insofern, als bei ihnen die beiden verschiedenen Teile des Kotyledons durch ein langes, fadenförmiges Stück getrennt werden. Die Keimungsform der Gräser schließt sich ebenfalls dem allgemeinen Typus der Monokotylen an; nur sind bei ihnen der zur Aufsaugung bestimmte, dem Endosperm anliegende schildförmige Teil des Keimblattes (das sogen. 8cute11nm, Fig. 1, e) und der die Stammknospe umschließende, die Erde als kleines Spitzchen durchbrechende Teil desselben (die sogen.
Kotyledonarscheide) scharf gesondert; auch wird die Hauptwurzel vor ihrem Durchbruch von einer besondern Wurzelscheide (eolßoii'liixa) umschlossen. Die Keimung der Riedgräser weicht dadurch von der der Gramineen ab, daß bei ihnen zunächst nur die Kotyledonarscheide hervorbricht und die Hauptwurzel sich erst später streckt. Durch frühes Auswachsen der Hauptwurzel und durch ein langes, fadenförmiges Keimblatt sind die Laucharten (^^imn, Fig. 1,k, i, k, I) nebst einigen andern Liliifloren ausgezeichnet; das letztere Organ tritt bei ihnen aber nach Aufsaugung der Speicherstosse als erstes assimilierendes und daher ergrünendes Blatt über die Erde. Die wasser- und sumpfbewohnenden Monokotylen (^lisiua, ^.yi)tia, I>0tlim0g'6t0N u.a.) entwickeln eine mit dem Standort zusammenhängende Kennungsform, indem ihre Hauptwurzel während der Keimung wenig oder gar nicht wächst, sondern durch einen Kranz von Wurzelhaaren vertreten wird, die sich in der Gegend des Wurzelhalses entwickeln. Eine stark reduzierte Form des Embryos und der Kennung besitzen end 33*