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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Keimungsformen (besondere Fälle)

c u. d), bei der die Kotyledonen im Samen zurückbleiben und ausschließlich als Speicherorgane dienen, tritt bei einer Minderzahl von Dikotylen (z. B. der Kastanie, Walnuß, Mandel, Erbse u. a.) und Gymnospermen (z. B. vielen Cykadeen) ein. Hier bleibt dann das hypokotyle Stengelglied sehr kurz, die sich wenigstens bei landbewohnenden Pflanzen stark streckende Hauptwurzel bedeckt sich mit zahlreichen Wurzelhaaren, die dicken, fleischigen, weißlichen oder gelben Kotyledonen verwachsen nicht selten mehr oder weniger. Bei der Keimung drängt sich das epikotyle Stengelglied zwischen den sich verlungernden Stielen der Keimblätter hervor und erhebt sich mit eingekrümmter Spitze (Fig. 3, c) über die Erde. Bisweilen kommt ober- und unterirdische Keimung bei verschiedenen Arten derselben Gattung vor; so bleiben z.B. bei der Feuerbohne (Phaseolus multiflorus) die Kotyledonen im Samen stecken, während sie bei der weißen Bohne (P. vulgairis) über die Erde treten und ergrünen; das Gleiche kehrt bei Rhamnus Frangula und R. cathartica, sowie bei Mercurialis perennis und M. annua wieder.

Den bisher aufgezählten typischen K. steht eine Reihe von isolierten Fällen gegenüber, die durch ausnahmsweise eingetretene Anpassungen zu erklären sind. Zunächst kann von den beiden für die Dikotylen charakteristischen Keimblättern das eine mehr oder weniger fehlschlagen (z. B. bei Arten von Dentaria, Cyclamen, Pinguicula, Carum bulbocastanum, Corydalis, Ficaria u.a.) oder es können auch beide mehr oder weniger verkümmern, wie bei Schmarotzerpflanzen, für welche die Wurzel oder der Stamm der Wirtspflanze das Hauptspeicherorgan darstellt.

Rudimentäre Keimblätter finden sich auch bei vielen Kakteen, die möglichst schnell die für ihre Ernährung besonders vorteilhaften Fleischteile ausbilden müssen und daher ein stark verdicktes Hypokotyl entwickeln. Eine sehr merkwürdige Keimungsform besitzen die sogen, lebendiggebärenden Pflanzen (s. d., Bd. 18), bei welchen der Keimling schon innerhalb der Frucht zu normaler Weiterentwickelung gelangt und sich in stark gestrecktem Zustande von derselben abtrennt. Aus der keimenden

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Wassernuß (Trapa natans), deren steinharte Früchte (Fig. 3, a) mit zwei Paaren kreuzweis gestellter Dornen versehen sind und sich mit den widerhakigen Spitzen derselben im Schlamm festankern, tritt zunächst das Hypokotyl als fadenartiger Körper hervor; von den beiden sehr ungleichen Keimblättern (Fig. 3, d) bleibt das eine als großer, fleischiger Körper in der Nuß stecken, während das zweite in Form einer kleinen Schuppe von dem Hypokotyl hervorgehoben wird; beide Blätter stehen durch einen langen Stiel miteinander in Verbindung, der als direkte Fortsetzung des Keimstengels erscheint; die Hauptwurzel kommt in diesem Fall nicht zur Entwickelung, sondern das Hypokotyl befestigt sich durch Wurzelfasern in der Erde. Auch die Wasserschlaucharten (Utricularia) zeichnen sich

^[Abb.: Fig. 2. Keimung von Dikotylen und Gymnospermen. a, b, c Keimung der Buche (Fagus silvatica), mit zwei Keimblättern, die bei b und c in zusammengefaltetem Zustand dargestellt sind. - d Keimung einer Tanne (Abies orientalis), mit acht Keimblättern.]

^[Abb.: Fig. 3. Besondere Formen der Keimung. a und b Keimung der Wassernuß (Trapa natans), ohne Bildung einer Hauptwurzel; c die Nuß mit hervortretender Keimspitze; d späteres Stadium. - c und d unterirdische Keimung einer Eichenart (Quercus austriaca), c in früherm, e in späterm Zustand.]