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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kraftversorgung (Verbesserung der Pariser Druckluftanlage)
worden: Zur alten Zentralanlage in der Rue St.-Fargeau von 2030 Pferdekräften ist seither die Neuanlage mit 5 Maschinen von zusammen gleichfalls 2000 Pferdekräften hinzugekommen und seit Ende 1889 in Betrieb. Zahlreiche kleinere Luftmaschinenanlagen und mehrere größere Luftmaschinenbetriebe sind neu eingerichtet. Die größte Veränderung stellt jedoch der begonnene Neubau einer großen Zentralanlage an der Seine, am Quai de la Gare, und der vollständige Ausbau der elektrischen Anlagen für den »Secteur Popp< dar. Die neue Zentralanlage wird vorläufig für 10,000 Pferdekräfte ausgeführt, ist jedoch für 24,000 Pferdekräfte geplant. 8000 Pferdekräfte sollten Anfang 1891 in Betrieb kommen. Im Zusammenhang damit wurde ein neues Hauptrohrnetz von 500 unu Lichtweite angelegt und an das alte Rohrnetz von 300 min Lichtweite angeschlossen. Die in Paris bei der ersten Anlage verwendeten Maschinen sind zum großen Teil sehr unvollkommen und können auf Grund früher bekannter Erfahrungen wesentlich verbessert werden. Riedler teilt die seither erzielten Verbesserungen und Betriebsresultate mit.
Erzeugung der Druckluft. Die erste 2000pferdige Pariser Zentralanlage in der Rue St.-Fargeau arbeitet mit Luftkompressoren nach Sturgeons System, und mit diesen Maschinen verdichtet 1 Dampfpferdekraft stündlich 7,5> 0din angesaugter Luft auf 6 Atmosphären. Die Unvollkommen heit dieser Leistung ist hauptsächlich darin begründet, daß infolge mangelhafter Bauart die während der Kompression erzeugte Wärme nur zum kleinsten Teil abgeführt und dadurch ein starker Überschuß an Luftdruck in den Kompressoren erzeugt wird, der bei nachheriger Abkühlung in den Leitungsrohren wieder verloren geht. Die seit Ende 1889 in Vetrieb befindliche Vergrößerung der Zentralanlage St.-Fargeau arbeitet mit 5 Maschinen (Kompressorsystem Dubois-Francois) von zusammen 2000 Pferdekräften und leistet mit 1 Dampfpferdekraft stündlich die Verdichtungsarbeit von 8,5 <^dm angesaugter Luft bei 6 Atmosphären. Diese Leistung repräsentiert gegenüber derjenigen der ersten Anlage einen Gewinn von 13 Proz., der in der verbesserten Wassereinspritzung zur Wärmeentziehung während der Kompression begründet ist. Der Entwurf der Maschinen der neuen 10,000pferdigen Zentralanlage (Quai de la Gare) wurde Riedler auf Grnnd seiner Versicherung, schon unter einfacher Benutzung bekannt.r Erfahrungen wesentliche Verbesserungen schaffen zn können, verantwortlich übertragen. Um hierfür besonders zuverlässige Erfahrungen sammeln zu können, benutzt er eine der vorhandenen Maschinen, welche zu dem Zwecke mit einem neuen Kompressor, System Riedler, versehen wurde, als Versuchsmaschine. Mit dieser leistete 1 Dampfpferdekraft stündlich die Verdichtungsarbeit uon 10,i cdm angesaugter Luft bei 6 Atmosphären Enddruck. Dieses wesentlich bessere Ergebnis (30 Proz. Mehrleistung gegenüber den Maschinen der ersten Alllage) ist Zurückzuführen aus die umfangreiche Benutzung bekannter Erfahrungen, zum Teil auf Neuerungen.
Die Verbesserungen bestehen in geräuschlosem, stoßfreiem Gange, Ansaugen reiner, möglichst kalter ^uft uon außerhalb des Malchinenraumes, in der Verdichtung iu zwei Stufen (umgekehrt wie bei den Compounddampfmaschinen, s. Bd.4, S.466, dei welchen die Expansion in zwei Stufen erfolgt), in der Anwendung gesteuerter Ventile und Klappen besonderer Bauart, sowie in andern kleinern, aber! wichtigen Einzelheiten. Bei der zweistufigen Ver-!
dichtung wird in einem Zwischenbehälter (dem Receiver der Eomvoundreceivermaschine entsprechend) die vorkomprimierte Luft durch Wassereinspritzung vollständig bis auf die ursprüngliche oder auf die Wassertemperatur abgekühlt und hierdurch der Arbeitsaufwand erheblich vermindert. Die Ventile sind Gummiklappen besonderer Bauart mit zwangläufigcr Steuerung. Durch ihre Anwendung ist der Ventilverlust, d. h. derjenige Verlust an Luft, der beim Hubwechsel des Kompressorkolbens dadurch entsteht, daß die Ventile sich nicht sofort schließen, vollständig vermieden. Die an der Versuchsmaschme gesammelten Erfahrungen wurden bei der neuen 10,000pferdigen Anlage in möglichstem Umfange benutzt. Diese wird zunächst schon durch ihre günstigen örtlichen Verhältnisse der bisherigen Zentral! station überlegen sein. Sie liegt unmittelbar an der Seine, am Rande der Stadtumwallung. Am Flusse wird ein Landungskai mit Verladevorrichtung ausgeführt, so daß wahrscheinlich schon durch den Transport auf dem Flusse allein die tzeizkohlen um mehr als 2 Fr. die Tonne billiger bezogen werden können als in der alten Station. Der Bezug beliebiger Mengen reinen Wassers bereitet keine Schwierigkeiten und fast keine Kosten, wodurch eine ausreichende Kühlung der Kompressoren und vollkommene Dampfkondensation bei der Betriebsmaschine gesichert ist, während in der alten Anlage wegen zu hoher Kosten des Kühlwassers (mit Wasserleitungswasser) besonders die Kondensation mit künstlich mangelhaft gekühltem Wasser betrieben und so die Brennstoffausnutzung ungünstig beeinflußt wird.
Die Dampfkessel für vier 2000pferdige Maschinen sind in vier Gruppen aufgestellt, deren jede mit ausschaltbaren Vorwärmern versehen ist. Die Dampf- und Speisewasserleituug ist derart ausgeführt, daß jeder Kessel mit jeder Maschine arbeiten und jede Speisevorrichtung jeden Vorwärmer oder jeden Kessel speisen kann. Der Dampf hat 12 Atmosphären Überdruck. Die Antriebsdainpfmaschinen werden als dreistufige Expansionsmaschinen (Dreifach - Expansionsmaschine, s. Bd. 17, S. 204) mit der nach dem heutigen Stande der Erfahrung erreichbaren Vollkommenheit ausgeführt. Die ausführende Maschinenfabrik, Schneider u. Komp. in Creusot, gewährleistet einen Kohlenverbrauch von 0,? k^ pro Stunde und Dampfpferdekraft mit 20,000 Fr. für je 0,i kz-Mehrverbrauch. Die Kompressoren stehen unmittelbar über den Dampfcylindern. Die Luftverdichtung erfolgt in zwei Stufen. Bei jeder Maschine saugen zwei Niederdruckcylinder Luft aus dem Freien durch die hohlen Dachträger an und drücken sie in einen Zwischenbehälter, in welchem sie vollkommen abgekühlt wird, und aus welchem sie in den Hochdruckcylinder gelangt, der die Verdichtung vollendet.
Zur Gewinnung uon reinem Wasser werden zwischen den Gruppen von je 4 Kompressionsmaschinen 4 Filterschächte mit zentralem Zulauf und Schwammfiltern sowie mit getrennter Absperrung und selbstthätiger Reinigung durch Gegenstrom ausgeführt.
Zwei unabhängige Pumpwerke drücken das filtrierte Einspritzwasser in die Leitungen. Obwohl für diese Neuanlage die vollkommensten und somit auch teuersten Einrichtungen gewählt wurden, wird sie pro Pferdekraft der'Maschinenleistung dennoch mit geringern Baukosten hergestellt als die alte Anlage.
Die Luftmaschinen. Das Wesentliche bei der Verwendung von Druckluft zu motorischen Zwecken liegt in der Zuführung von Arbeitsvermögen durch die. Vorwärmung der Luft, durch welche zugleich dis