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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Kunstgewerbliche Ausstellungen - Kuppelgräber in Griechenland
Von vorwiegend lokaler Bedeutung waren die vom ' Gewerbeverein in: Konzertsaal des Gewerbehanses ^ in Dresde n unternommene kera m ische A u s siel lung und die Thonindustrieausstellung in
Budapest.
Zur Säkularfeier der ersten Prager Industrieausstellung im I. 1791 fand während des Sommers eine Allgemeine Landesausstellung in Baumgarten oder Bubentsch bei Prag statt. Än Nmfang und äußerm Apparat weitaus die anspruchsvollste Unternehmung des Jahres, stand sie in kunstgewerblicher Hinsicht erst in dritter Neihe. Böhmen hätte auch hierin ein ebenso vielseitiges wie interessantes Bild liefern können, aber die ursprüngliche Absicht, eine vollständige Übersichtder gesamten industriellen, künstlerischen und landwirtschaftlichen Thätigkeit des Königreichs zu geben, war nicht zur Ausführung gelangt. Aus politischen Gründen hatte die Mehrzahl der deutschen Industriellen (und in ihren Händen ruht vorwiegend das böhmische Kunstgewerbe) die Beteiligung abgelehnt. Dadurch war es mehr eine national-tschechische als eine Landesausstellung geworden. Das Fehlen der Deutschen machte sich besonders auf den Gebieten fühlbar, wo die Kunstindustrie des Landes Weltruf besitzt. Die hochentwickelte Textilkunst und die Keramik waren ganz ungenügend, die seit alters her im Lande blühende Glasindustrie im Verhältnis zu ihrer thatsächlichen künstlerischen Leistungsfähigkeit überaus dürftig vertreten. Dabei waren die Sachen wenig übersichtlich aufgestellt. Das Hauptgebäude, der Industriepalast, war nicht ausreichend gewesen, man hatte einen großen Teil der gewerblichen Produkte in zwei weit abgelegene Annexbauten unterbringen müssen. Darunter befanden sich die Arbeiten der verschiedenen staatlichen Fachschulen des Landes (für Weberei, Keramik, Glas, Schmuck und Steinschleiferei, Möbel und Holzschnitzerei, Korbflechterei u. a.), vom kunstgewerblichen Standpunkt mit das Beste, was die Prager Ausstellung zu bieten hatte. Eine Auswahl älterer kunstgewerblicher Gegenstände, wie sie aus kirchlichem, städtischem und Privatbesitz Böhmens sich zusammenbringen ließ, war in einem eignen Gebäude als retrospektive Ausstellung vereinigt. Sie enthielt neben vielem Mittelgut auch ausgezeichnete Stücke aller Art in ziemlicher Zahl, und zwar außer Silberarbeiten, Möbeln, Glas und Kunsttöpfereien, Elfenbein, Stickereien auch noch Waffen, Miniaturen und Handschriften, Urkunden, Siegel und prähistorische Gegenstände.
Einen großen Erfolg hatte die vom badischen Kunstgewerbeverein unter dem Protektorat der Frau Großherzoginuon Vadenin der Orangerie in Karlsruhe veranstaltete deutsche Fächerausstellung.
Ihr erstes Ziel war, die deutsche Fächerindustrie von dem gegenwärtigen Importaus Paris frei zu machen.
Nm diesen Zweck zu fördern, wurde ein Preisausschreiben für künstlerisch ausgestattete Fächer an die Künstler und Kunstindustriellen Deutschlands erlassen. Es hatte eine sehr rege Beteiligung zur Folge; unter denen, die ihm Beachtung zugewendet hatten, befanden sich Künstler wie F. A. Kaulbach, F. Keller, Schönleber, Vaisch, P. Meyerheim, Simm, Lossow u. a. Die 337 zum Wettbewerb eingelaufenen Arbeiten bildeten den Grundstock der modernen Abteilung, die noch wesentlich bereichert wurde durch die kostbaren Beiträge, welche auf Veranlassung der hohen Protektorin deren fürstliche Verwandten, die Mitglieder des bayrischen Königshauses, die Großerzogin und Erbgroßherzogin von Sachsen-Weimar,
die Prinzessin Albrecht von Preußen, die Herzogin von Sachsen'Koburg-Gotha, die Landgräfin von Hessen, der Fürst von Fürstenberg zur Verfügung gestellt hatten. Auch die zweite, historisch-ethnographische Abteilung war geeignet, durch Vorführung mustergültiger Stücke der Vergangenheit und aus dem Orient neu^ Anregungen und Vorbilder zu geben. An ihr hatten sich außer den genannten Fürstlichkeiten mehrere Museen und zahlreiche Privatsammler Deutschlands beteiligt, unter letztern der Sekretär der Ausstellung, Herr Rosenberg in Karlsruhe, allein mit 400 Exemplaren.
Naturgemäß gehörte das meiste in der überaus reichhaltigen historischen Gruppe (der Katalog zählte neben den Konkurrenzarbeiten noch 3100 Nummern auf) der Blütezeit der europäischen Fächerindustrie, dem 18. Jahrh. an. Doch fehlten auch nicht die Fahnen^ fächer des 16. Jahrh., die Wedelfächer, die Schirmfächer des 17. Jahrh., deren Form wohl auf das Palmblatt zurückzuführen ist, das bereits die Terrakottafiguren von Tanagra tragen. Die Entwickelung des Lamellenfächers zum Faltfächer mit bemaltem Blatte, die kostbarste und kunstreichste Ausstattung von Blatt und Gestell unter Ludwig XV., der Übergang zu den steifern, magern Formen des Empire, dem Flitterwerk und den minderwertigen Materialien des beginnenden und der vollständige Verfall des fortschreitenden 19. Jahrh., kurz, die ganze Geschichte des europäischen Fächers ließ sich deutlich verfolgen und mit Hunderten von Beispielen belegen. Den alten Fächern war eine Sammlung jener Objekte der Kleinkunstangeschlossen, die,ohneeigentlicher Schmuck
zu sein, zur Frauentoilette gehörten, wie Dosen, Etuis, Necessaires, Kämme u. dgl. Ihre Aufnahme in die Fächerausstellung war deshalb berechtigt und vorbildlich nützlich, weil hier vielfach die gleichen Materialien aufs kunstvollste verarbeitet sind (Edelmetall, Schildpatt, Perlmutter, Elfenbein :c.), aus welchen die Fächergestelle vorwiegend bestehen. Eine Auswahl der besten auf der Ausstellung vereinigten Fächer ist mit Text von M. Rosenberg'veröffentlicht
worden.
Kuppelgräber in Griechenland. Die griechische Kultur hatte zwei Blütezeiten: die erste, deren Kennt nis durch die Ausgrabungen Schliemanns begann und immer noch wächst, ums Jahr 1500 v. Chr.; die zweite, wohlbekannte, deren Höhepunkt das fünfte vorchristliche Jahrhundert bezeichnet. Jene erste hat uns Vasen in ungezählter Fülle, herrliche Gold-, Silber-, Bronze-, Elfeilbeinarbeiten und auf dem Gebiete der Architektur stark befestigte Burgen, Königs: paläste und eine Menge von gewaltigen Grabbauten hinterlassen, deren zum Teil wohlerhaltene Wölbun> gen noch heute die Bewunderung des Wanderers hervorrufen. Da M ykenä, die Hauptfeste Agamemnons, an Denkmälern jeder Art aus dieser Zeit am reichsten ist, so hat die ganze Kultur den Namen der Mykenischen erhalten.
Die Gräber sind alle unterirdisch und nieist in den natürlichen Abhang eines Felsens oder eines Erdhügels hineingebohrt. Es gibt eine Unzahl kleiner, von ärmern Leuten benutzter Gräber und eine kleinere Neihe wahrer Niesendome, von denen der größte, der in Mykenä vorhandene, zuerst unter dem Namen »Schatzhaus des Atreus« (s. die Abbildung, S. 567) bekannt geworden ist. Wenn man in Mykenä an dem langgestreckten Landrücken der Unterstadt hingeht, bemerkt man, wie sich völlig unerwartet am Abhang eine breite Öffnung aufthut, welche direkt in den Hügel hineinführt. Nicht unvermittelt gelangen wir zu dem Grabe selbst, sondern ein breiter Gang führt zwischen