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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lothringen; Loubet

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Lothringen - Loubet

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Löß'

teaus ist L. zur Ablagerung gelangt. In den Thälern und der Oder und Weichsel steigt er an den Gehängen bis zu 400 m Meereshöhe empor, von Oberschlesien zieht eine Zone nach Polen hinein, wo er bei Sandomir eine Mächtigkeit von 30 m erreicht. Am großartigsten ist die Verbreitung des L. in China, der Mongolei und Tibet.

In Bezug auf die Frage nach der Entstehung der Lößablagerungen stehen zwei Ansichten einander gegenüber; nach der einen ist der Wind der wesentlichste Faktor, durch den die Ablagerung vor sich geht, während nach der andern der L. ein Schlammabsatz ist, der sich am Schlusse der Eiszeit in den großen Schmelzwassern der Gletscher bildete. Der hauptsächlichste Vertreter der Theorie der äolischen (oder subaërischen) Bildung des L., F. v. Richthofen, denkt sich den Vorgang folgendermaßen: Alle zu Tage tretenden Gesteine unterliegen der Zersetzung. Ihre Verwitterungsprodukte verfallen der Saigerung und Trennung durch den Wind, wobei die groben Fragmente liegen bleiben, die Sandkörner als Flugsand weggetrieben werden können, um sich zu Sandwüsten anzuhäufen, während die feinsten Verwitterungsprodukte in Form von Staubwinden in weite Entfernungen getragen werden. Fällt dieser Staub auf Flächen, welche von Vegetation bedeckt sind, so wird er von letzterer festgehalten und trägt somit im Laufe der Zeiten zur Erhöhung des Bodens bei. Der höchst langsam emporwachsende Boden enthält die röhrenförmigen Abdrücke der Wurzeln aller durch ihn erstickten Steppengräser, deren Wurzelhorizont mit der sich hebenden Oberfläche immer mehr in die Höhe rückte, er umschließt die Gehäuse von Landschnecken und die Knochen der die Steppe bewohnenden Säugetiere. Am erfolgreichsten vollzieht sich dieser Prozeß in den regenarmen Zentralregionen der Kontinente. Hier werden, begünstigt durch die Trockenheit des Klimas, alle Bodenvertiefungen mit Staub ausgefüllt, alle Unebenheiten des Untergrundes verdeckt. So entsteht eine flach beckenförmige Salzsteppe, indem zugleich mit dem Staube auch die bei der Verwitterung der Gesteine resultierenden Salze vom Winde fortgetragen werden. Tritt später an Stelle des bis dahin herrschenden Kontinentalklimas ein feuchteres ozeanisches Klima, so erfolgte unter dem Einfluß der reichlichen Niederschläge die Umgestaltung der Salzsteppe in ein Lößbecken, indem durch das Regenwasser der Boden zerschnitten und die denselben imprägnierenden Salze ausgelaugt wurden.

Dieser Theorie der äolischen Bildung des L. steht diejenige der fluviatilen, glazialen oder fluvioglazialen Bildung gegenüber, je nachdem man zur Erklärung die Mitwirkung von Flüssen oder von Schmelzwassern der Gletscher oder von beiden in Anspruch nimmt. Man faßt die Lößbildungen als einen Hochflutschlamm auf, welcher aus der erratischen Schuttbedeckung des Landes und den Moränen herstamme und unmittelbar nach dem Rückzug der letzten Vereisung in Thälern und Buchten sich absetzte.

Manche Thatsachen sprechen für die Annahme eines fluviatilen oder glazialen Ursprunges des L., so vor allem die enge Beziehung, welche wenigstens in Europa zwischen der Verbreitung des L. und der Ausdehnung der alten eiszeitlichen Gletscher besteht. Für die äolische Entstehung spricht anderseits die Korngröße und Gestalt der Lößbestandteile. Die Abrundung, welche alle Quarzkörner erkennen lassen, läßt darauf schließen, daß diese Körner nicht im Wasser, sondern in der Luft transportiert wurden, wo sie gerollt ↔ und gerundet werden konnten. Auch die ungleichmäßige Verteilung der allerhäufigsten Lößkonchylien nach Art und Zahl, ihr vollständiges Fehlen an einer Stelle und ihr massenhaftes Auftreten an einer andern, ist ein Beweis dafür, daß diese Konchylien nicht durch Hochfluten von fernher angeschwemmt worden sind, sondern dort, wo sie gefunden werden, oder ganz in der Nähe gelebt haben. Ein ferneres Argument für die äolische Entstehung des L. ist seine Verbreitung nach der Höhenlage. Man kann danach drei verschiedene Arten von L. unterscheiden: den Lößlehm, den typischen L. und den Lößsand. Der Unterschied wird besonders durch die Korngröße der betreffenden Mineralbestandteile bedingt. Das Vorkommen des Lößsandes in den Tiefen, des typischen L. an den Gehängen und des staubartigen Lößlehms auf dem Gebirge entspricht ganz der Verteilung, wie sie durch den Wind veranlaßt wird. Wenn bisher die Ansichten einander so schroff gegenüberstanden, so rührte es hauptsächlich daher, daß man den typischen L. von andern lößähnlichen Bildungen nicht scharf genug trennte. In dieser Hinsicht sind die Untersuchungen von A. Nehring über den Charakter der Quartärfauna von Thiede und Westeregeln bedeutungsvoll geworden. Die Wirbeltiere und Mollusken der Thieder Diluvialfauna tragen einen ausgeprägt kontinentalen Charakter an sich, etwa von der Art wie die heutige Fauna des östlichen Rußland und südwestlichen Sibirien. Aus der Feststellung einer ehemaligen Steppenfauna für Mitteleuropa ergibt sich, daß auch die Vegetation und die klimatischen Verhältnisse während des betreffenden Abschnittes der Diluvialperiode einen mehr oder weniger steppenartigen Charakter besessen haben müssen. Dieser Steppencharakter war aber nicht allzu schroff ausgeprägt und erstreckte sich nicht eintönig über ganz Mitteleuropa. Wird dieses als richtig zugegeben, so ergibt sich eine richtige Schlußfolgerung in Bezug auf die Mitwirkung des Windes bei Bildung der lößartigen Ablagerungen von Thiede und Westeregeln. Dieselben sind durchaus nicht als bloßer Steppenstaub anzusehen, sondern, soweit sie ungeschichtet sind und Reste der Steppenfauna geliefert haben, als subaërische Bildungen, welche unter wesentlicher Mitwirkung von Staub und Flugsand entstanden sind. Dabei können verschiedene Faktoren, wie Regenfluten, Schneeschmelze, Verwitterung des anstehenden Gesteines, Umarbeitung und Umlagerung benachbarter Ablagerungen, neben der Wirkung des Steppenwindes thätig gewesen sein. Gewisse Lößablagerungen können durch Hochwasser von Flüssen trotzdem entstanden sein. Nehring ist demnach der Ansicht, daß sowohl die Entstehung der Ablagerungsmassen im Thieder Gipshügel, als auch die Anhäufung und Einbettung der Tierknochen in denselben auf die kombinierte, bez. abwechselnde Wirkung verschiedener Faktoren zurückzuführen ist. Es gibt überhaupt mannigfache Abstufungen innerhalb der Lößablagerungen, sowohl nach Art der chemischen und petrographischen Zusammensetzung, als auch nach der Art der Entstehung und dem geologischen Alter. Entsprechend den klimatischen Schwankungen in der Diluvialzeit werden mehrfach die Bedingungen zur Bildung von L. gegeben worden sein. Es spricht manches dafür, die Fauna für interglazial anzusehen, und ebenso die Entstehung der betreffenden Ablagerungen in die Interglazialzeit zu verlegen.

Lothringen, Bezirk, s. Elsaß-Lothringen.

Loubet (spr. lubä), Emile, franz. Politiker, geb. 31. Dez. 1838 zu Marsanne (Drôme), studierte die

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 591.