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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Lowell; Lowther; Lübeck; Lubowitsch; Luchaire; Lüders

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Lowell - Lüders

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Loubet'

Rechte, erwarb das Doktordiplom und ließ sich als Advokat in Montélimar nieder, wo er auch zum Maire gewählt wurde. Bei den allgemeinen Wahlen für die Deputiertenkammer ward er 1876 in seiner Heimat zum Abgeordneten gewählt und schloß sich der republikanischen Linken an. 1885 in seinem Departement zum Senator erwählt, war er vom Dezember 1887 bis April 1888 im Ministerium Tirard Minister der öffentlichen Arbeiten. Bei der Ministerkrisis im Februar 1892 beauftragte ihn sein Freund, der Präsident Carnot, mit der Bildung eines neuen republikanisch-radikalen Ministeriums, in dem L. den Vorsitz und das Innere übernahm.

Lowell, James Russell, nordamerikan. Dichter und Kritiker, starb 11. Aug. 1891 in Boston. Eine Gesamtausgabe seiner Schriften: »Collected writings, literary essays, poems« etc. in 10 Bänden veranstaltete Macmillan (Lond. 1890-91).

Lowther (spr. lohther), James William, engl. Staatsmann, geb. 1855 als ältester Sohn des konservativen Parlamentsmitgliedes William L., der seit 1841 im britischen diplomatischen Dienste stand und zuletzt bis 1868 den Posten eines bevollmächtigten Ministers in Argentinien bekleidete, erzogen in Eton, studierte in Cambridge und wurde 1879 Rechtsanwalt in London. 1883 wurde L. ins Unterhaus gewählt, wo er sich der Partei seines Vaters anschloß und gegenwärtig einen Wahlbezirk von Cumberland vertritt. 1889 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Komiteesitzungen des Hauses (Deputy Chairman of Committees) erwählt und im September 1891 zum Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt ernannt. L. ist mit einer Nichte von Lord Salisbury vermählt.

Lübeck. Die Bevölkerung des Gebietes der freien Hansestadt L. betrug nach der Volkszählung vom 1. Dez. 1890: 76,485 Seelen (gegen 67,658 im J. 1885) und hat seit 1885 um 8827 Seelen (13,2 Proz.) zugenommen. Von jener Einwohnerzahl kommen auf die Stadt L. nebst Vorstädten 63,590 (Zunahme seit 1885: 8191 Einw. oder 14,8 Proz.), auf das Städtchen Travemünde 1777 (Zunahme seit 1885 111 Einw. oder 6,7 Proz.), auf die Landbezirke 11,118 (Zunahme seit 1885: 525 Einw. oder 5 Proz.). Die Zunahme der Bevölkerung mit jährlich 2,44 Proz. war stärker als in irgend einer Zählungsperiode seit 1871, nur die Periode 1875-80 kam mit jährlich 2,21 Proz. ziemlich nahe. Die starke Zunahme der Bevölkerung in der Stadt L. ist wesentlich auf die Vorstädte zurückzuführen, in denen sich die Einwohnerzahl um 35,4 Proz. steigerte, während sie in der innern Stadt nur um 3,37 Proz. zunahm. Nach dem Geschlecht kamen auf 100 männliche 104,1 weibliche Personen. Der Handel Lübecks hatte im J. 1889 folgenden Umfang: die Einfuhr hatte einen Wert von 238,180,067 Mk. (seewärts 81,827,847, land- und flußwärts 156,352,220), die Ausfuhr einen Wert von 194,654,701 Mk. (seewärts 109,260,929, land und flußwärts 85,393,772). Verglichen mit dem Jahre 1888 steigerte sich die Einfuhr um 32,4 Mill., die Ausfuhr um 23,6 Mill. Mk. An der Einfuhr zur See waren besonders beteiligt Rußland (48,3 Mill.) und Schweden (15,l Mill.), zu Land: Hamburg (62,3 Mill. Mk.); an der Ausfuhr Schweden (38,4 Mill.), Rußland (34,7 Mill.) und Dänemark (13,4 Mill. Mk.). Gegenüber dem Vorjahr hat sich besonders der Handel mit Rußland, Schweden und Hamburg gesteigert. 1889 liefen 2596 Seeschiffe (darunter 1565 Dampfer) von 532,616 Ton. ein, 2604 (darunter 1560 Dampfer) von 535,364 Ton. ↔ aus. Auf der Trave kamen 709 beladene Frachtschiffe mit 46,600 T. Ladung auf der Bergfahrt, 612 mit 30,800 T. Ladung auf der Thalfahrt an. L. besaß 1891 37 Seeschiffe von 13,182 T. Die Staatsschuld betrug zu Ende des Jahres 1891: 9,843,361 Mk.

Lubowitsch, Nikolas, russ. Geschichtschreiber, geb. 16. März 1855 im Gouvernement Podolien aus einer russischen Adelsfamilie, studierte in Kiew unter Lutschitzky Geschichte, ließ sich darauf als Dozent an der Universität nieder und wurde bald Professor der allgemeinen Geschichte an der Universität zu Warschau. Er schrieb: »Marnix de Saint-Aldegonde als politischer Schriftsteller« (Kiew 1877); »Geschichte der Reformation in Polen« (Warschau 1883); »Herzog Albrecht von Preußen und die Reformation in Polen« (1885); »Der Ursprung der katholischen Reaktion und des Verfalles der Reformation in Polen« (1890) u. a.

Luchaire (spr. lüschähr), Achille, franz. Geschichtsforscher und Sprachgelehrter, geb. 24. Okt. 1846 zu Paris, war zuerst Professor an der Faculté des lettres in Bordeaux und wurde 1885 zum Professor der historischen Hilfswissenschaften in Paris ernannt. Er beschäftigte sich viel mit der baskischen Sprache und schrieb unter anderm: »De lingua aquitanica« (Par. 1877); »Les origines linguistiques de l'Aquiaine« (1877); »Études sur les idiomes pyrénéens de la région française« (1879). Von hoher Bedeutung und von der Akademie mit Preisen gekrönt (das letzte mit dem großen Colbertschen Preise) sind seine geschichtlichen Werke: »Alain le Grand, sire d'Albret. L'administration royale et la féodalité du Midi 1440-1522« (1877); »Histoire des institutions monarchiques de la France sous les premiers Capétiens 987-1180«. (1884, 2 Bde.; 2. Aufl. 1891) und »Études sur les actes de Louis VII« (1885). Weiter veröffentlichte er: »Louis VI le Gros« (1889); »Les communes françaises à l'epoque des Capétiens directs« (1890).

Lüders, Karl, verdienter Leiter und Förderer des gewerblichen und namentlich kunstgewerblichen Unterrichtswesens in Preußen, geb. 17. Mai 1834 zu Glückstadt (Holstein), wo sein Vater Abteilungsdirigent in der Regierung war, studierte in Kiel und Leipzig die Rechte, arbeitete seit 1857 als Auskultant in der königl. Administratur zu Ranzau, seit 1858 in der Regierung und im Konsistorium zu Ratzeburg. 1863 trat er bei der holsteinischen Regierung in Kopenhagen ein, der er bald nach Plön folgte, ward 1867 Bürgermeister zu Hadersleben, 1870 freiwilliger Abteilungsvorstand der Provinzial-Intendantur des 9. Armeekorps zu Altona, 1871 Gewerbedezernent in der preußischen Regierung zu Schleswig, 1873 Hilfsarbeiter, 1875 vortragender Rat im Ministerium für Handel, Gewerbe etc. zu Berlin, wo er besonders das gewerbliche Unterrichtswesen (mit Ausnahme der technischen Hochschulen) leitete. Mit diesem ging er 1879 in das Kultusministerium über und 1885 von da in das Handelsministerium zurück, dem er, 1880 zum Geheimen Oberregierungsrat ernannt, noch angehört. L. besuchte in amtlicher Eigenschaft die Weltausstellungen in Wien (1873), Paris (1878 und 1889) und viele andre Ausstellungen, Sammlungen etc. in und außer Deutschland. Die preußische Abteilung auf den Kunstgewerbeausstellungen zu München (1876 und 1888) sowie die deutsche kunstgewerbliche Sammlung auf der nordischen Ausstellung in Kopenhagen (1888) kamen durch ihn zu stande. An der Entwickelung des Berliner Kunstgewerbemuseums und überhaupt an dem Aufschwung des

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 592.