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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Ludwig - Luftfeuchtigkeit
gewerblichen Unterrichts in Preußen während der beiden letzten Jahrzehnte hat L. wesentlichen Anteil.
Von ihm erschien der wertvolle Sammelband: »Denkschriften über die Entwickelung der gewerblichen Fachschulen und der Fortbildungsschulen in Preußen 1879-^90« (Verl. 1891).
L^öwig, 42) L. IV., Großherzog von Hessen, starb 13. März 1892 in Darmstadt. Ihm folgte sein einziger Sohn Ernst Ludwig (geb. 25. Nov. 1868) als Großherzog. Von seinen vier Töchtern ist die älteste, Viktoria (geb. 5. April 1863), an den Prinzen Ludwig von Battenberg, die zweite, Elisabeth (geb.
1. Nov. 1864), mit dem Großfürsten Sergius von Rußland, die dritte, Irene (geb. 11. Juli 1866), mit dem Prinzen Heinrich von Preußen vermählt.
Luftfeuchtigkeit (Sättigungsdefizit). Die atmosphärische Feuchtigkeit wurde bis jetzt ausschließlich als absolute und relative Feuchtigkeit bestimmt.
Die erstere wird als die Spannkraft des Wasserdampfes am Orte der Beobachtung angegeben und vermittelst eines Psychrometers oder eines Taupunkthygrometers in Millimetern Quecksilberdruck bestimmt. Außerdem kann sie auch statt dessen als Gewicht des Wasserdampfes in 1 eem Luft ausgedrückt werden. Dabei findet es sich zufälligerweise, daß die Spannkraft des Wasserdampfes in Millimetern Quecksilberdruck und das Gewicht des Wasserdampfes inI ccm Luft in Grammen ungefähr denselben Zahlenwert besitzen. Die relative Feuchtigkeit gibt das Verhältnis zwischen dem in der Luft vorhandenen Wasserdampf und der bei der augenblicklichen Temperatur möglichen Dampfmenge an und wird stets in der Weise bezeichnet, daß die vorhandene Dampfmenge in Prozenten der möglichen Dampfmenge ausgedrückt wird. Zu diesen beiden Formen für die atmosphärische Feuchtigkeit ist in neuerer Zeit noch eine dritte hinzugekommen, nämlich die Angabe des Sättigungsdefizits, auf welches zuerst Vuys-Vallot, später Wild hingewiesen, und das von Flügge und Deneke bei Untersuchungen über die hygienischen und therapeutischen Wirkungen der L. in Betracht gezogen ist. Das Sättigungsdefizit gibt diejenige Dampfmenge an, welche bei den vorhandenen Temperaturverhältnissen die Luft noch aufzunehmen im stände ist, und drückt dieselbe ebenso wie die absolute Feuchtigkeit in Millimetern Quecksilberdruck aus. Dasselbe wird daher durch die Differenz der möglichen und der wirklich vorhandenen Dampfmenge angegeben. Trotzdem die Feuchtigkeitsverhältnisse der atmosphärischen Luft durch jede der genannten drei Größen bestimmt werden, so haben dieselben doch sowohl meteorologisch als auch klimatologisch eine verschiedene Bedeutung, welche sich zunächst durch die Unterschiede ihres Ganges in der täglichen und jährlichen Periode kenntlich macht.
Die absolute Feuchtigkeit zeigt in der täglichen Periode nur eine geringe Schwankung und schließt sich in ihrer Iahresperiode dem Gange der Temperatur ziemlich genau an. In Norddeutschland hat sie im Januar ihren kleinsten, im Juli ihren größten Wert und zeigt beim allmählichen Fortschreiten vom Minimum zum Maximum anfangs einen langsamern Anstieg als beim Abstieg zum Minimum. Der mittlere Dampfdruck hat für die vier Jahreszeiten verschiedene Werte. Eine bedeutendere Veränderung tritt ein beim Übergang vom Frühling zum Sommer, eine geringere vom Sommer zum Herbst und die kleinste vom Winter zum Frühling. Das Jahresmittel der absoluten Feuchtigkeit schwankt in Nord deutschland etwa zwischen 6,i und 7,8 mm, und zwar
nimmt ihre Größe im allgemeinen von W. nach O. ab, während die jährliche Amplitude, d. h. die Differenz zwischen dem größten und kleinsten mittlern monatlichen Dampfdruck, im O. größer ist als im W.
Abweichend hiervon zeigt die relative Feuchtigkeit in der täglichen Periode eine bedeutende Schwankung, und zwar ist sie in der wärmern Tageszeit kleiner und in der kältern Tageszeit größer. Auch in der jährlichen Periode ist der Gang der relativen Feuchtigkeit weniger gleichmäßig als der der absoluten. Ihr mittlerer Wert ist im Sommer am kleinsten, im Winter am größten, das Maximum fällt auf den Dezember oder Januar, das Mimmummeistensauf den Mai.
Das Anwachsen vom Minimum zum Maximum erfolgt an den meisten Orten anfangs langsamer und tritt erst später, etwa vom September an, ziemlich rasch auf. Das Jahresmittel hat an den Küsten und in deren Nachbarschaft den größten Wert und nimmt in Norddeutschland von W. nach O. ab. Die Amplitude der jährlichen Schwankung nimmt umgekehrt von W. nach O. zu und ist überhaupt da am kleinsten, wo das Jahresmittel den größten Wert hat.
In der Höhe ist das Jahresmittel größer und die jährliche Schwankung kleiner als inder Ebene.
Für das Sättigungsdefizit ist die tägliche Periode noch nicht hinlänglich zu bestimmen möglich gewesen, doch kann bereits ausgesprochen werden, daß dasselbe am Abend größer als am Morgen ist und sich überhaupt an den Gang der Temperatur anzuschließen scheint. Wenigstens in der jährlichen Periode schließt sich dasselbe nach den Untersuchungen von Hugo Meyer in Norddeutschland ebenso wie die absolute Feuchtigkeit dem Gange der Temperatur ziemlich genau an. Der kleinste Wert tritt im Winter (im Dezember oder meist im Januar, also im kältesten Monat) ein, der größte fällt in den Sommer, in den Juli, also in den wärmsten Monat. Wird die Trockenheit des Klimas nach der Größe des Sättigungsdefizits bestimmt, so ist der Sommer die trockenste, der Winter die feuchteste Jahreszeit, der Frühling ist trockner als der Herbst. Die Jahresamplitude ist im Binnenland größer an der Küste, im O. größer als im W. und außerdem in der Ebene größer als an höher gelegenen Orten. Aus allem diesen ergibt sich, daß das Sättigungsdefizitvorzugsweise von der Temperatur abhängig ist, und zwar in der Weise, daß der höhern Temperatur auch ein größeres Sättigungsdefizit entspricht. Abweichungen hiervon treten an einzelnen Orten auf, finden aber hier ihre Erklärung in den Verhältnissen der Bewölkung und der herrschenden Winde, indem einer größern Bewölkung ein kleineres Sättigungsdefizit entspricht und durch vorherrschende trockne Winde das Sättigungsdefizit erhöht und durch feuchte Winde erniedrigt wird.
Klimatologisch besitzt die absolute Feuchtigkeit ein viel geringeres Interesse als die relative und erscheint außerdem auch als Ausdruck für die Wirkung der atmosphärischen Feuchtigkeit auf den Organismus als nicht brauchbar. Die Luft kann nämlich als trocken bezeichnet werden und doch mehr Wasserdampf enthalten als ein andres Mal, wo sie als feucht gelten muß, wenn nur die Temperatur in beiden Fällen sehr verschieden ist. So fand z. B. Rohlfs in der Libyschen Wüste (Oase Kufra) 14. Aug. bei einer Lufttemperatur von 38,9" den Stand des feuchten Thermometers auf 18,9", so daß die absolute Feuchtigkeit - 4,5 mm, die relative - 9 Proz. und das Sättigungsdefizit - 47 mm war. Trotzdem die Luft von einer selten vorkommenden Trockenheit