Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Marriot - Masaryk
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(das. 1890); Foucauld, K6eonn«i88cl,uc6 llu Hi^roo, 1883-84 (Par. 1888, mit Atlas).
Marriot, Emil (Pseudonym für Emilie Mataja), Schriftstellerin, geb. 20. Nov. 1855 zu Wien, trat schon 1880 mit einer Erzählung: »Egon Talmors« (Wien), hervor, dann mit dem Wiener Sittenroman: »Die Familie Hartenberg« (Verl. 1883, 4. Aufl. 1886), der Erzählung aus dem katholischen Priesterstande: »Der geistliche Tod« (Wien 1884), denen sie 1887 zwei Bände geistlicher Novellen: »Mit der Tonsur« (2. Ausg. als' »Novellen«, Verl. 1890,2 Bde.) folgen ließ. 1888 erschien ihr letzter großer Roman: »Die Unzufriedenen« (Berlin), gleichfalls ein Sittenbild aus dem Wiener Mittelstand. Mit einem nicht gewöhnlichen Talent zur anschaulichen Schilderung der Wirklichkeit und Charakteristik der Gestalten bis ins einzelne vereinigt die M. eine herb pessimistische Lebensanschauung, die die Wirkung ihrer Erzählungen beeinträchtigt. »Der geistliche Tod« scheint unter dem Einfluß von Anzengrubers »Pfarrer von Kirchfeld« geschrieben zu sein, dann nahm sie aber Partei für die katholischen Kleriker, deren Idealismus ihr der einzig noch vorhandene zu sein scheint. Sie kam von Schopenhauer zur Kirche.
Marseille. Der Verkehr des Hafens von M. hat im I. 1890 im Vergleich zum Vorjahr eine erhebliche Zunahme erfahren. Die Zahl der eingelaufenen Schiffe betrug 8614 von 4,871,209 Ton. (gegen 8555 Schisse und 4,724,081 T. im Vorjahr). Ausgelaufen sind 8685 Schiffe von 4,831,742 T. (gegen 8390 Schiffe von 4,672,592 T.). Vom Tonnengehalt der eingelaufenen Schiffe kamen auf die große Fahrt 920,142, auf die Küstenfahrt 3,951,067 T.; auf die französische Flagge 3,020,284, auf fremde Flaggen 1,850,925 T.; auf Dampfer 4,406,502, auf Segelschiffe 464,707 T. Vom Tonnen gehalt der ausgelaufenen Schisse kamen auf die große Fahrt 591,884, auf die Küstenfahrt 4,239,858 T.-, auf die französische Flagge 2,986,976, auf fremde Flaggen 1,844,766 T.; auf den Dampferverkehr 4,376,269, auf den Segelschiffahrtsverkehr 464,373 T. Der Verkehrszuwachs kam auf die Dampfschiffe, welche'im Eingang um 194 von 201,002 T., im Ausssang um 195 von 187,581 T. zugenommen haben, wogegen die Segelschiffe sich im Einlauf um 135 von 53,874 T., im Auslauf bei einer Vermehrung um 50 Schiffe um 28,435 T. vermindert haben. Die einheimische Reederei von M. umfaßt 55 Sesselschisse und 252 Dampfschiffe von zusammen 236,596 T. Eine der bedeutendsten Industrien von M. ist die Seifenfabrikation. Schon im 1.1823 gab es in M. 23 Seifenfabriken, welche 700 Arbeiter beschäftigten und jährlich 40 Mill. kF Seife im Werte von 30 Mill. Frank produzierten. Gegenwärtig bestehen in M. 80 Fabriken mit einer Produktion von 100 Mill. k^ im Werte von 50 Mill. Fr. Von dieser Produktionsmenge werden 10 Mill. k^ ins Ausland exportiert, 22 Mill. k^ zu Schiffe in französische Mittelmeerhäfen und 68 Mill. 1^- per Bahn ins Innere Frankreichs transportiert. Da die Gesamtproduktion Frankreichs an Seife auf 185 Mill. kA im Werte von 120 Mill. Fr. geschätzt wird, kummt auf M. allein mehr als die Hälfte der gesamten französischen Seifenproduktion.
Marshallinseln. Auf den Inseln Jaluit, Kili, Ebon, Namorik, Mille, Arno, Majeru, Maloelab, Likieb, Medjid, Providence und Nguru waren Anfang 1891 anwesend 109 Fremde, darunter 34 Deutsche, 24 Amerikaner, 20 Engländer, 10 Chinesen, 6 Nor weger :c. Auf Jaluit allein kamen 67 Fremde. Dem Stande nach waren 4 Regierungsbeamte, 43 Kaufleute. Ausgeführt wurden 1890': 5000 (1889: 2575) Ton. Kopra im Werte von 1,8-2 Mill. Mark, davon durch die deutsche Ialuitgesellschaft 3800 T. Es liefen den Einklarierungshafen Jaluit an: 91 Schiffe von 11,437 T., darunter 21 deutsche mit 2397 T.
Martel, Louis Joseph, franz. Staatsmann, starb 4. März 1892 in Evreux.
Martinique, Antilleninsel, zählte 31. Tez. 1888 175,863 Einw., ein Rückgang gegen das Vorjahr um 1215 Personen, der sich aus dem Überschuß der Todesfälle über die Geburten erklärt. Die Garnison zählte 547 Mann, davon im Fort de France 442. Die Zahl der Franzosen war 675. Das Schulwesen stand ursprünglich unter den Brüdern von Ploe'rmel und den Schwestern des heil. Joseph v. Cluny, wurde aber seit 1882 verweltlicht, 2 Lehrerseminare wurden errichtet und mit Ausnahme von4 Schulen (1 für Knaben) alle Schulen (37 Knabenschulen mit 5040 Schülern und 122 Lehrern, und 36 Mädchenschulen mit 3364 Mädchen und 97 Lehrerinnen) dem Staat unterstellt. Das Budget für das Unterrichtswesen beträgt 408,506 Frank. Die Einfuhr betrug 1888: 22,9, die Ausfuhr 23,'. Mill. Fr.
Auf der Insel sind 194 km Eisenbahnen in Betrieb.
Martos, Don Cristina, span. Staatsmann, geb. 13. Sept. 1830 zu Granada, studierte in Toledo Philosophie, in Madrid Rechtswissenschaft und nahm 1851 an dem gegen Bravo Murillo gerichteten Studentenaufstande teil. 1854 griff er an der Seite O'Donnells in die politischen Verhältnisse ein und bereitete den Aufstand von Vicalvaro vor. Er wurde darauf zum Hilfsarbeiter im Ministerium des Innern ernannt. Von jener Zeit an kämpfte M. beständig in den vordersten Reihen der Progressisten und Demokraten für alle fortschrittlichen und liberalen Ideen, während er zugleich als politischer Redner wie als Advokat bedeutenden Ruf erlangte, sich auch litterarisch sehr lebhaft bethätigte. An dem Pronunciamiento der 60er Jahre nahm er regsten Anteil und widmete seine ganze Kraft der Vorbereitung der Revolution des Jahres 1868, nach der er zuerst zum Minister des Nußern, dann zu dem der Justiz und Gnade gemacht wurde. Nach Proklamierung der Republik wurde er zum Präsidenten der Nationalversammlung ernannt; nach dem Staatsstreich des Generals Pavia übernahmer wieder das Ministerium der Gnade und Justiz. Intimer Freund Ruiz Zorrillas, unterstützte er längere Zeit die Bestrebungen desselben, wandte sich dann aber den Liberalen zu, verband sich mit Sagasta und Lopez Dominguez, trennte sich aber von ersterm vor drei Jahren in der Hoffnung, mit Lopez Dominguez und Romero Robledo eine neue Partei bilden zu können, die ihm den Weg zur Erlangung der höchsten Macht im monarchischen Staate, des Postens des Ministerpräsidenten, bahnen sollte. Er sah sich hierin getäuscht und hat in den letzten zwei Jahren ziemlich zurückgezogen gelebt, scheint aber zur Zeit geneigt, sich wieder mit Sagasta auszusöhnen und mit diesem die konservative Regierung zu bekämpfen.
Masaryk, Thomas Garigue, tschech. Politiker, geb. 7. März 1850 zu Gö'ding in Mähren, studierte von 1872 ab in Wien und Leipzig Philosophie, dann Naturwissenschaften, habilitierte sich 1879 an der Wiener Universität als Dozent der Philosophie und wurde 1882 als Professor an die tschechische Universität zu Prag berufen. Anfangs der Realistenpartei angehörig, schloß er sich 1891 den Jung-