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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Meteorologische Stationen (Höhenstationen)
Bureaus. Man glaubte, daß die Errichtung eines Bureaus mit rein wissenschaftlicher Aufgabe wohl auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen würde. Doch fand die Idee, ein internationales Bureau mit administrativer Aufgabe einzurichten, vielfach Anklang, und man überwies dem internationalen Komitee die Aufgabe, weitere Vorschläge in diesem Sinn auszuarbeiten. Das Komitee wurde hierauf von der Konferenz als Siebzehnerkommission eingesetzt. Dasselbe konstituierte sein Büreau, indem es Wild-Petersburg als Präsidenten, Scott-London als Sekretär erwählte. Die Konferenz sprach den Wunsch aus, in einiger Zeit einen neuen Kongreß einzuberufen. Da aber 1893 in Chicago anläßlich der Weltausstellung ein internationaler Meteorologenkongreß stattfinden soll, erschien es zweckdienlich, erst für 1896 einen neuen Kongreß in Europa einzuberufen. Als Versammlungsort wurde Paris angenommen und dem internationalen Komitee die Entscheidung überlassen, ob der Kongreß in offizieller oder nichtoffizieller Form zu beschicken sei.
Meteorologische Stationen. (Höhenstationen.)
liang der Witterungserscheinungen ist wesentlich dadurch beeinträchtigt worden, daß wir am Boden des Luftmeeres leben, dessen obere Regionen uns gar uicht oder doch sehr schwer zugänglich sind, und daß wir für die Einsicht in die allgemeinen atmosphärischen Vorgänge auf mehr oder minder unsichere Schlüsse beschränkt sind. Dieser Nbelstand wurde früh empfunden, und bereits die Mannheimer Akademie errichtete 1781 eine meteorologische Höhenstation auf dem ca. 1000 in hohen Hohenpeißenberg; auch stellte Saussure auf den Alpengipfeln und Humboldt in den Anden wertvolle Untersuchungen an, die aber völlig vereinzelt blieben. Auch gelegentliche Beobachtungen in Luftballons gaben immer nur einzelne Resultate ohne Zusammenhang, und erst die Errichtung ständiger Höhenstationen auf möglichst frei in die Luft hineinragenden Berggipfeln verspricht nutzbringende Resultate Zu geben. In Nordamerika wurde 1873 vom Signal Service in Washington auf dem Pike's Peak in den Rockn Mountains (Colorado) in der Höhe von 4321 m ein Observatorium ersten Ranges für Meteorologie und Astronomie errichtet, welches im Verein mit der Bergstation Mount Washington und entsprechenden Fußstationen Aufschlüsse über klimatische Verhältnisse in einer Weise zu geben vermochte, wie es auf dem europäisch-asiatischen Kontinent kaum möglich ist. Leider sind diese Beobachtungen wieder eingestellt worden.
Meteorologische Höhenstationen in Europa.
Seehöhe in ! 3,chöhe m
Deutschland:

Wendelstein" .. . 1728
Tchneekoppe. .. . 1603
Glalzer Schnccbera, 1215
Brocken ....
1141
Hohenpeißcnberg . 994
Insclsberg .. .. . 915
Österreich:

Tonnblick....
3103
Hochobir'" .. .. . 2043
Schmittenhöhe .. . 1935
Schafberg. .. .. . 1767
Gaisberg....
1286
Italien:

Ätna" (?)...
2990
Monte Cimone (?> 2162
Monte Cavo .. . L66
Schweiz:
Säntis .... 2467
Riqikulm. .. .. .. 1800
Gäbris .... 1250
Chaumont .. .. .. 1152
St. Bernhard"- (?> 2478
Et. Gotthard-'- (?) 2100
Frankreich
Pic dn Midi .. .. 2877
Munt Ventou^. .. 1912
'^ Mont Aigoual. .. 1567
Pny de Dome .. .. 1463
Brianson (?) .. .. 1298
Servance (?) .. .. 1216
Barcelonette (?) .. 1132
Portugal:
Serra da Estrella''' 1441
Großbritannien:
Bcn NeviZ .. .. .. 1343
Auf dem ersten internationalen Meteorologenkongreß in Wien (1873) und dem Zweiten in Rom (1879) wurde die Errichtung von Bergobservatorien dringend empfohlen, und diesen Anregungen ist es, hauptsächlich zu danken, daß in Europa eine Reihe! von Höhenstationen eingerichtet wurde, deren wichz tigste die vorstehende Tabelle angibt. Alle diese Sta> tionen, mit Ausnahme der mit einem Sternchen bei zeichneten, sind Gipfelstationen. Die Beobachtungen,
welche zu bestimmten Stunden angestellt, teilweise aber auch durch Registrierapparate 'erhalten worden sind, umfassen hauptsächlich Luftdruck, Temperatur,
! Feuchtigkeit, Richtung und Stärke des Windes, Be! wölkunq und Hndrometeore.
Die Station auf dem Wendelstein liegt 109 m unter dem Gipfel, welcher die Spitze eines ziemlich regelmäßig gesonnten Kegels bildet, der von der West- und Südseite aus einen ziemlich bequemen
> Anstieg bietet. Nur das letzte Zehntel des Berges, mußte durch eingehauene Stufen, Stangen und einj eingelassenes Drahtseil zugänglich gemacht werden.
! Der obere Teil des Berges fällt gegen S. gegen^ eine Fläche von 30 Ar ab; auf dieser ist das Tou! ristenhaus erbaut, in und bei welchem die meteora^ logische Station untergebracht ist. Da die Nordseite« der Station nicht frei ist, so wurde ein Thermometer! gehäuse nach der Ost- und eins nach der Westseite! angebracht. Zur Beobachtung der Windrichtung ist! auf einem dem Touristenhauss im S. gegenüber! liegenden Felskegel eine Windfahne mit Windrose! aufgerichtet. Die Beobachtungen, die seit Oktober
1883 vorliegen, werden von der bayrischen Zentral' station veröffentlicht. Auf dem Hohenpeißeniberg, einem einzeln stehenden, sanft gekrümmten,^ ostwestwärts verlaufenden und nach W. am steilsten! abfallenden Bergrücken, steht auf der höchsten Stelle^ die Kirche und daran angebaut das Pfarrhaus, in^ und bei welchem die Instrumente untergebrachti sind. Die Station ist ganz frei gelegen und wurde! im Oktober 1878 mit neuen Instrumenten versehen. Die Beobachtungen werden von der bayrischen Zentralstation veröffentlicht. Für das nördliche und mittlere Deutschland ist die wichtigste Vergstation der Brocken. Von allen Seiten umwehen "ihn die Winde frei von jeder Störung und ungeschwächt durch vorliegende Hindernisse. Der Gipfel liegt! nahezu in der Region, wo der Wasserdampf amI stärksten zu Wolken und Niederschlag sich verdichtet.
! 1882 wurde auf dem Brocken eine mit brauchbaren Instrumenten, ja mit Registrierapparaten für Temperatur und Luftdruck versehene Station einge! richtet. Die Aufstellung des Thermographen und! des Regenmessers war wegen der sehr starken Winde! und wegen des häufigen Auftretens des Rauhi reifes, welcher zur Winterszeit alle Gegenstände imz Freien mit einer mächtigen Kruste umgibt, mit großen Schwierigkeiten verbunden. Aßmann konstruierte deshalb zwei sehr stark gearbeitete Regenmesser, welche durch drei im Innern sturmsicher anl gebrachte Petroleumlampen so stark erwärmt werden,! daß kein Rauhreif sich ansetzt und jede in den Negeni messer fallende Schneeflocke sofort schmilzt. Ver! gleichende Messungen ergaben günstige Resultate,z Der Thermograph' mußte" samt Uhr in ein wasserdicht schließendes Gehäuse gesteckt werden, welches nun als Thermometergefäß funktioniert. Hierdurch wurde der Thermograph selbstverständlich träger, und^ außerdem wirkte der Rauhreif störend. Die Ergeb! nisse der Beobachtungen werden durch das preußische meteorologische Institut veröffentlicht, doch ist Zu
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