Schnellsuche:

Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

672

Nebelflecke (Photographische Aufnahmen)

raum früher nur 93, später 119-131 und darüber N. kamen, zählt man jetzt in derselben Zeiteinheit schon 156 N., und infolgedessen hatte die Umgebung Londons 1890 nur noch 1723 Stunden Sonnenschein, die Mitte der City aber nur 1157, im Winter sogar nur 95 Stunden. Diese fortschreitende Vermehrung der N. scheint im engsten Zusammenhang zu stehen mit der Vergrößerung der Stadt und dem dadurch bedingten erhöhten Kohlenverbrauch in Ermangelung jedes andern Feuerungsmaterials für Heizung und Beleuchtung. Von 4,8 Mill. Ton. vor Jahren ist der Kohlenverbrauch jetzt auf 6,3 Mill. T. gestiegen, während die alten unzweckmäßigen Feuerungen, offene Kamine etc., welche die Rauchbildung begünstigen, geblieben sind und der billige Preis der Kohle das Bedürfnis nach Verbesserung der Feuerungen nicht aufkommen läßt. Die schlechte Luft und der Lichtmangel machen es erklärlich, daß die Sterblichkeit während der Nebeltage steigt, wobei freilich der Abfall der Temperatur und die Erniedrigung des Luftdruckes, die fast immer die Nebelbildung begleiten, wohl auch eine gewisse Rolle spielen. Den schädlichen Einfluß des Nebels auf den Pflanzenwuchs hat Dyer nachgewiesen, und er glaubt, daß bei dem hohen Gehalt der N. an schwefliger Säure der Gartenbau in der Nähe Londons bald völlig unmöglich werden wird, wenn die N. sich in gleicher Weise steigern. In Manchester ist die Luft noch reicher an schwefliger Säure als in London, und damit steht in Zusammenhang, daß dort gewisse Pflanzen überhaupt nicht zum Wachsen gebracht werden können, die in London sehr gut gedeihen. Oliver, welcher im Auftrag der Royal Horticultural Society Untersuchungen über die Einwirkung des Londoner Nebels auf Gewächshauspflanzen ausgeführt hat, stellte fest, daß der N. in kleinen Städten unschädlich ist. Er zeigte, daß das Protoplasma der Pflanzen unter dem Einfluß des Nebels in derselben Weise abstirbt wie bei der Einwirkung der schwefligen Säure. Pflanzen in Nebelwasser zu züchten, gelang überhaupt nicht. Temperaturzunahme verstärkt unter sonst gleichen Verhältnissen die schädliche Wirkung der schwefligen Säure. Die eigentümliche Verfärbung, welche die Blätter durch den N. erhalten, leitet Oliver aus der Einwirkung des Eisens her, welches in verhältnismäßig großer Menge im N. enthalten ist. Um die Schädigungen durch den N. herabzusetzen, empfiehlt Oliver für Nebeltage eine möglichst niedrige Temperatur in den Gewächshäusern und ebenso sparsame Zuführung von Wasser, da Wärme und Feuchtigkeit die Absorption befördern, während die Blätter nicht wie bei hellem Wetter einen Überschuß von Feuchtigkeit auszustoßen vermögen. Das einzige Mittel, welches London von seinen Nebeln befreien und ihm und allen großen englischen Industriestädten ein verändertes Ansehen geben würde, wäre eine Verhinderung der Rauchbildung bei der Verbrennung, sei es durch Koks- oder Gasfeuerung oder durch rationelle Konstruktion der Feuerungen.

Nebelflecke. Schon Bd. 18, S. 290, ist der großen Bedeutung gedacht worden, welche die Photographie in neuerer Zeit für die Erforschung der Welt der N. und Sternhaufen gewonnen hat. Wenn bei Beobachtung durch das Teleskop die Lichtschwäche des Objektes dessen Erkennung verhindert, so wird dieser Mangel bei dem photographischen Prozeß durch die verlängerte Dauer der Belichtung ausgeglichen. Daher ist es möglich gewesen, auf den photographischen Negativen N. zu erkennen, die erst später durch große Teleskope wahrgenommen worden sind. In dieser Hinsicht sei erinnert an die Entdeckung des Nebelfleckes um Maja und noch andrer Nebelfleckanhäufungen in der Plejadengruppe durch die Gebrüder Henry in Paris. In derselben Gruppe hat übrigens auch Bernard 1890 mit dem großen Refraktor der Lick-Sternwarte ein paar N. bei Merope entdeckt. Derselbe Astronom hat auch vor einigen Jahren mit dem zwölfzölligen Refraktor der Lick-Sternwarte erkannt, daß ein schon früher von ihm im Einhorn in der Nähe des Sternhaufens 1420 des Herschelschen Generalkatalogs als verwaschenes Objekt gesehener Nebelfleck diesen Sternhaufen in Gestalt eines großen Nebelfleckringes von 20' innerm und 40' äußerm Durchmesser umgibt. Diesen Ringnebel hat Wolf in Heidelberg später photographiert, wobei sich eine weit größere Ausdehnung desselben ergeben hat, als Bernard gefunden. Von den übrigen Nebelflecken, welche Wolf photographisch aufgenommen hat, ist besonders interessant die ausgedehnte Nebelmasse, welche den östlichsten der drei Hauptsterne (ϛ) im Gürtel des Orion umgibt. Der merkwürdigste Teil derselben, welcher sich von ϛ aus nach S. und SW. erstreckt, bietet im photographischen Bilde den Anblick eines riesigen Wirbels dar. Auch der mittelste der drei Gürtelst'erne (ε) ist von einer Nebelmasse umgeben, von der drei feine Strahlen ausgehen.

Von hervorragender Bedeutung aber dürften für unsre Kenntnis der Nebelfleckenwelt des südlichen Himmels die photographischen Aufnahmen werden, welche von Russel auf der Sternwarte in Sydney in Neusüdwales erhalten worden sind. Beispielsweise lassen die Bilder des Nebelfleckes um den Stern η im Schiff Argo, obwohl wegen zu kurzer Belichtung (im Mittel 3 Stunden) unvollkommen, deutliche Zeichen von Struktur erkennen: auf der südlich von η vorangehenden Seite findet man zwei deutlich gekrümmte Windungen und bei η selbst eine andre. Die Grenzen der Milchstraße auf den Photographien stimmen zwischen η und θ des Schiffes mit denen der besten Zeichnungen überein, aber nördlich von η geht die Milchstraße auf den photographischen Bildern weiter als auf den Zeichnungen, und man sieht die Sterne des Kreuzes noch in ihr liegen. Der östlich von diesem Sternbild gelegene, unter dem Namen des Kohlensackes bekannte dunkle Raum ist aber nicht allseitig von der Milchstraße umschlossen, sondern nach S. offen. Von besonderm Interesse sind die Bilder der beiden Magelhaensschen Wolken (Kapwolken), jener merkwürdigen Lichtwolken, welche nach Humboldts Ausdruck so wesentlich die landschaftliche Anmut der südlichen Himmelsgefilde erhöhen. Die große Wolke, deren Fläche das 224fache der Mondscheibe beträgt, erscheint als ein komplizierter Spiralnebel mit zwei Zentren, während das Bild der kleinen an den teleskopischen Nebelfleck im Fuchs erinnert, der seiner Gestalt wegen (zwei sich berührende Nebelfleckmassen) von Lord Rosse den Namen Dumbbell-Nebelfleck erhalten hat.

Die ältern Hilfsmittel der beobachtenden Astronomie haben bisher keine Eigenbewegung an Nebelflecken nachgewiesen, und man hat sich daher gewöhnt, sich diese Weltkörper als viel weiter entfernt vorzustellen als die Fixsterne. Die algemeine Richtigkeit dieser Vorstellung darf aber billig bezweifelt werden. Die Beobachtung von Huggins, daß die hellen Liniengruppen, welche die Spektren zweier Sterne im sogen. Trapez im Orionnebel durchsetzen, sich auch noch auf einige Entfernung hinaus in das Nebelfleckspektrum verfolgen lassen, spricht jedenfalls für die Zusammengehörigkeit des Nebelfleckes mit jenen Sternen, und