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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Pflanzenleim - Pflanzenzelle
vermögen möglichst einzuschränken, hat endlich dahin geführt, die allgemeine Zlufmerksanikeit auf die Phytopathologie zn lenken. Die neuesten Bestrebungen zur systematischen Bekämpfung der P richten sich auf die Organisation eines allgemeinen Überwachungsdienstes unsrer Feld-, Wald- und Gartenkulturen durch wissenschaftliche Kräfte und die Ergreifung gemeinsamer Abwehr- und Vorbeugungsmaßregeln. Denn in wissenschaftlichen und praktischen Kreisen mußte sich die Erkenntnis bald Bahn brechen, daß bei der leichten Verbreitung der Pilzsporen und andrer Krankheitskeime es nur wenig erfolgreich sein kann, wenn der einzelne Pflanzenzüchter seine Ernten zu schützen sucht, da aus benachbarten Gegenden immer wieder neue Infektionen stattfinden können.
Infolgedessen wurde von Sorauer bereits im J. 1882 die Idee angeregt, eine internationale Verbindung der phytovathologischen Forscher herzustellen, die in ihrem speziellen Vaterlande einen Überwachungsdienst einrichten sollten und bei Ausbruch epidemischer Erkrankungen rechtzeitig die Forscher andrer Länder benachrichtigen möchten, um dort die nötigen Schutz- und Vorbeugungsmaßregeln treffen zu können. Diese Idee fand nun auf dem Wiener internationalen land- und forstwirtschaftlichen Kongreß im September 1890 die notwendige Unterstützung der praktischen Pflanzenzüchter und führte zur Gründung einer internationalen phytopathologischen Kommission, welche die obenerwähnten Ziele verfolgen sollte. Es gehören dieser Kommission die bedeutendsten Forscher auf dem Gebiete der Phytopathologie an, und der Antragsteller fungiert als ständiger Schriftführer derselben. Ein Teil der deutschen Mitglieder der Kommission (Kühn-Halle, Frank-Berlin, Sorauer-Proskau) ist nun gleichzeitig thätig in dem von der großen deutschen Landwirtschaftsgesellschaft gewählten Sonderausschuß für Pflanzenschutz, der im 1.1891 ein Netz von wissenschaftlichen Beobachtern über ganz Deutschland gelegt hat; diese haben sich verpflichtet, nicht nur den Mitgliedern der Gesellschaft, sondern auch gegen einen etwas höhern Kostensatz andern Fragestellern mit Rat beizustehen und die Ergebnisse ihrer Beobachtungen alljährlich der Zentralstelle einzureichen.
Dadurch wird der erste Schritt für eine Statistik der P. eingeleitet und damit allmählich das Material beschafft, das in Zahlen zeigen wird, welche großen Sum« men alljährlich durch Krankheiten und Feinde der Kulturpflanzen verloren gehen. Zu derselben Zeit hat auch der Deutsche Pomologenverein auf Antrag des Schriftführers der internationalen Kommission eine Sektion für P. gebildet, und diesem Beispiel ist bereits eine Anzahl andrer Vereine gefolgt, so daß für die praktischen Kreise der Landwirte und Gärtner in
ist. Die holländischen Mitglieder der Kommission haben nun auch eine niederländische phytopathologische Gesellschaft gegründet, welche dieselben Ziele wie die deutschell genannten Vereine verfolgt. In andern Ländern sind vorbereitende Schritte für ähnliche Einrichtungen im Gange, und der im September 1891 im Haag tagende internationale landwirtschaftliche Kongreß ist bereits der Frage näher getreten, die Phytopathologie, die bisher noch als Zweig der physiologischen Botanik betrieben wird, als eine selbständige Wissenschaft, ähnlich der Tierheilkunde und Medizin, loszulösen, weil sich immer mehr heraus«stellt, daß die jetzigen Forscher einseitig sind. Die Botaniker sind nicht genügend in der Zoologie, Bodenkunde, Chemie 2c. unterrichtet, um eine phyto pathologische Frage nach allen Richtungen hin in Angriff zu nehmen, und ebenso verhält es sich mit Forschern, die in andern Wissensgebieten stehen. Es kommt dazu, daß jede Krankheitslehre eine praktische Wissenschaft ist, welche den Organismus auch in seinen normalen Züchtungsverhältnissen und augenblicklichen Existenzbedingungen berücksichtigen muß. Daraus ergibt sich für den Phytopathologen die Notwendigkeit, ein praktisches Urteil über die Kulturmethoden der Pflanzen zu besitzen. Alledie notwendigen Einzeldisziplinen in ihrer Vollständigkeit zu studieren, um das für die Krankheitslehre Brauchbare zu lernen, überschreitet die Kräfte des einzelnen.
Es muß mithin, wie in der Medizin, eine Verkürzung der Grundwissenschaften, ein Zuschnitt derselben für den bestimmten Zweck erfolgen, und dies geht eben nur dann an, wenn die Phytopathologie als abgegrenztes Wissensgebiet, als besondere Disziplin aus den Grundwissenschaften herausgearbeitet wird. Alle diese Bestrebungen finden ihre Vertretung in dem ersten, diesem speziellen Wissenszweige gewidmeten besondern Organ, der von Sorauer gegründeten »Zeitschrift für P.«. Auf Anregung der internationalen Kommission wurde 9. Dez. 1890 im preußischen Abgeordnetenhause der Antrag eingebracht, der Phytopathologie die nötige staatliche Unterstützung durch Gründung besonderer phytovatholoa>ischer Versuchsstationen angedeihen zu lassen. Die Kommission für die Agrarverhältnisse hat darauf beschlossen, den Antrag der königlichen Staatsregierung zur Erwägung nach der Richtung hin zu überweisen, »ob es nicht angezeigt sei, wenn die Errichtung der beantragten Zentralstelle nicht für zweckmäßig befunden wird, dann die bestehenden Einrichtungen zur Bekämpfung der pflanzlichen Schädlinge mit reichern Mitteln auszustatten«. Infolge dieses Beschlusses hat der Minister für Landwirtschaft nunmehr zunächst Berichte darüber eingefordert, wie im Interesse einer bessern Bekämpfung der pflanzlichen und tierischen Schädlinge bei den einzelnen Lehranstalten für Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft Einrichtungen getroffen werden können, welche es ermöglichen, den Pflanzenschutz in ausreichendem Maße den praktischen Berufskreisen zu gewähren. Diesen Anfängen der besondern staatlichen Fürsorge für die Phytopathologie werden hoffentlich alsbald weitere Maßnahmen folgen.
Pfianzenleim, s. Collodin.
Pflanzenornament, s. Ornament.
Pflanzenzelle. Auf dem Gebiete der pflanzlichen Zellenlehre ist es infolge der Widersprüche zwischen den verschiedenen Forschern schwierig, ein Bild von den thatsächlichen Fortschritten kürzerer Zeiträume zu entwerfen. Zunächst erscheint die Natur des Zellplasmas als durchaus zweifelhaft; bald wird es als eine Emulsion zweier nicht mischbarer Substanzen (einer dichtern, zähflüssigen, eiweißhaltigen und einer dünnflüssigen, eiweißlosen) betrachtet, bald gilt es als Mischung wässeriger Stoffe mit Fett und Eiweiß, das an der Grenze der beiden erstern eine Art von Seife bilden soll, bald als Kolonie lebender, körner- und fadenartiger Körperchen (Bio Plasten) oder als netzartiges Gefüge kleiner, wachstumsfähiger, fortgesetzt nur durch Teilung sich oenne Hrettder Plasomen oder gar als ein Ferment-Organismus, der durch Rückbildung Bakterien aus sich hervorgehen läßt (nach Wigand). Ebenso dunkel erscheint die Rolle, welche das Plasma im Leben der Pflanze spielt; Nägeli und eine Reihe andrer Forscher habenj verschiedene Arten von Plasma, z. B. in den Keim-