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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Photogrammetrie

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Photochromie - Photogrammetrie

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Photochromie'

mittels Bromsilber-Albuminschichten, die mit Azalin und Cyanin orthochromatisch (d. h. für alle Farben empfindlich) gemacht waren, Abbildungen des Spektrums mit seinen richtigen Farben in 5-30 Sekunden zu erhalten. Auch farbige Gegenstände, wie Fahnen, Blumen und Früchte, ein vielfarbiger Papagei, gaben bei 5-10 Minuten Expositionsdauer im elektrischen oder Sonnenlicht Bilder in den natürlichen Farben. Bei Landschaften war das Grün des Laubes, das Grau der Steine vollkommen wiedergegeben, das Himmelblau aber erschien als Indigoblau. Es bleibt also noch übrig, den Orthochromatismus der Platten zu vervollkommnen und ihre Empfindlichkeit beträchtlich zu erhöhen.

Außer diesem direkten heliochromischen Verfahren, das aber leider nur ein einziges Bild liefert und zu den photographischen Vervielfältigungsprozessen ungeeignet ist, gibt es nun noch ein zweites, welches die photographischen Vervielfältigungsprozesse als Grundlage nimmt.

Schon 1865 äußerte Ransonnet in Österreich die Idee, farbige Photolithographien herzustellen. Er wollte drei Aufnahmen nach demselben farbigen Gegenstand fertigen, eine durch ein rotes, eine zweite durch ein blaues, eins dritte durch ein gelbes Glas, die er nach photolithographischer Manier auf Steine zu kopieren gedachte. Das Resultat würden dann drei abdruckbare Steine sein, wo bei dem ersten nur die roten, bei dem zweiten nur die gelben, bei dem dritten nur die blauen Strahlen gewirkt haben sollten, und die dann, mit zweckmäßig gewählten Farben nach Art des Farbendruckes auf dasselbe Blatt übereinander gedruckt, Photographien in Naturfarbe liefern sollten (»Photographische Korrespondenz«, VI, S. 199). Dasselbe Prinzip stellten 1869 Cros und Ducos du Hauran in Paris auf (diese wählten als sogen. Grundfarben Rotgelb, Violett und Grün). Die praktische Durchführung desselben scheiterte aber zunächst daran, daß es keine photographische Schicht gab, welche für Gelb und Rot genügend empfindlich war. Solche ließ sich erst herstellen nach der Entdeckung der farbenempfindlichen Verfahren durch H. W. Vogel 1873, und nun versuchten Cros und Ducos das von Waterhouse vorgeschlagene Eosin zur Durchführung ihrer Farbenphotographie. Ihnen folgte Albert in München, der den Lichtdruck in das Verfahren einführte und im J. 1876 sehr interessante Leistungen damit erzielte. Bei dem gedachten photographischen Buntdruckverfahren verlangt man eigentlich drei negative Platten: eine, in welcher alle Töne gewirkt haben außer Rot, diese liefert die Lichtdruckplatte für Rot; eine zweite, in welcher alle Töne gewirkt haben außer Blau, diese liefert die Lichtdruckplatte für Blau; und endlich eine, in welcher alle Töne gewirkt haben außer Gelb, diese liefert die Lichtdruckplatte für Gelb. Das Prinzip wird sofort verständlich, wenn man an die gewöhnliche schwarze Photographie denkt. Diese verlangt ein Negativ, in welchem alle Töne gewirkt haben außer Schwarz, und solches Negativ liefert, in Schwarz kopiert, ein richtiges positives Bild (vgl. Vogel, Lehrbuch der Photographie, 3. Aufl., S. 158). Der große Übelstand bei diesem genial erdachten Verfahren war aber die Wahl der Druckfarben Rot, Gelb und Blau. Welches Rot, welches Gelb genommen werden sollte, blieb dem Belieben des Druckers überlassen (die Angabe Ducos', die »Komplementärfarben« zu dem angewendeten Strahlenfilter zu nehmen, wurde bereits 1885 von H. W. Vogel als eine gänzlich haltlose hingestellt; s. dessen »Photographie farbiger Gegenstände«, Berl. ↔ 1885, S. 137). Der Drucker wählte das, was ihm am besten paßte, und so konnte von Naturähnlichkeit keine Rede sein. Dieser Fehler trat dann in den Resultaten auch in sehr auffallender Weise hervor. Albert publizierte ein Stück buntgemusterten Kattuns in diesem »heliochromischen Verfahren«. Es wurde viel bewundert, weil man das Original nicht daneben sah; bei Vergleich des letztern mit der Kopie merkte man aber die Farbenunterschiede in der auffallendsten Weise. Keine Farbe stimmte mit der Naturfarbe überein. Der Grund dieser Abweichungen lag aber nicht nur in der willkürlichen Wahl der Druckfarben, sondern in dem lichtempfindlichen Material. Als solches wendeten K. Ducos und Albert ausschließlich Eosinkollodium an, welches im wesentlichen grüngelbempfindlich ist, dagegen viel weniger blauempfindlich und ganz schwach rotempfindlich. Damit konnte man dem geschilderten Prinzip nicht gerecht werden, selbst nicht bei Anwendung von sogen. Strahlenfiltern, d. h. blauen, roten und gelben Gläsern, durch welche die Originale aufgenommen wurden. H. W. Vogel, welcher diese Fehler bereits 1885 erkannte, veröffentlichte a. a. O. ein verbessertes, heliochromisches Verfahren, welches darin besteht: 1) daß anstatt eines einzigen optischen Sensibilisators (wie bei Ducos) deren mehrere angewendet werden, und zwar jeder für sich in besonderer Platte, so z. B.ein Sensibilisator für Rot, einer für Gelb, einer für Grün, einer für Blaugrün (für Blau ist keiner nötig, da Bromsilber ohnehin blauempfindlich ist). Fünf Jahre später stellte Ives ein analoges Prinzip auf, wobei er freilich zuerst nur Darstellungen durch die Laterna magika im Auge hatte, und ließ sich dasselbe patentieren; 2) daß die optischen Sensibilisatoren zugleich die Druckfarbe für die damit gewonnenen Platten bilden, oder aber, wenn die Sensibilisatoren selbst nicht als Druckfarbe dienen können, eine ihnen spektroskopisch möglichst ähnliche gewonnen wird.

Die letzte Bedingung ist verständlich, wenn man in Betracht zieht, daß die Druckfarbe die Farbenstrahlen reflektieren muß, welche von der betreffenden farbenempfindlichen Platte nicht verschluckt werden, oder umgekehrt die Farben nicht reflektieren darf, welche von der farbengestimmten Platte absorbiert werden.

Dieses Verfahren ist nicht, wie so viele andre, Vorschlag geblieben. Es ist von Ulrich praktisch versucht worden, und dieser erzielte damit schon bei den ersten Versuchen Erfolge, die auf der Kongreßausstellung in Berlin 1890, im Verein zur Förderung der Photographie und auf der deutschen Ausstellung in London 1891 ungeteilte Anerkennung fanden. Die neuesten Resultate, die Ulrich im Verein mit E. Vogel erlangte, der neue »Strahlenfilter« und neue Sensibilisatoren einführte, sind bereits in die Praxis gedrungen (vgl. »Photographische Mitteilungen« 1891).

Jetzt ist das Verfahren in Händen einer Gesellschaft für Naturfarbenlichtdruck (Direktion: N. Paechter, Berlin), die bereits hervorragende Meisterwerke von Menzel, Knaus, Graeb etc. damit vervielfältigt hat.

Photogrammetrie (Bildmeßkunst), diejenige Messungsmethode, bei welcher man die für Winkelbestimmung nötigen Maße aus besonders zu diesem Zwecke aufgenommenen Photographien entnimmt, indem das perspektivische Bild bei bekannter Stellung der Bildebene zum Gesichtspunkte die erforderlichen Bestimmungsstücke für alle abgebildeten Punkte enthält, wenn der Winkel bekannt ist, welchen die Richtung nach einem derselben mit der Standlinie einschließt. Denkt man sich das Bild auf einer vertikalen

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 731.