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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Photogrammetrie (Koppes Phototheodolit)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Photogrammetrie'

Bildebene entstanden, so läßt sich die Konstruktion von Horizontal- und Vertikalwinkeln für die den Bildpunkten entsprechenden Richtungen ausführen, wenn die vom Gesichtspunkt auf die Bildplatte gefällte Senkrechte ihrer Größe und Lage nach bekannt und der Horizont des Gesichtspunktes im Bilde bezeichnet ist. Diese beiden Größen aber, die Bildweite und die Bildhorizontale, lassen sich ebenso wie die zu letzterer senkrecht stehenden Hauptvertikalen aus dem photogrammetrischen Apparat bestimmen. Man mißt also eine Standlinie in horizontaler Projektion, projiziert mit Hilfe der vertikalen Kippebene des Theodoliten in jedem Standpunkte die Richtung nach dem festzulegenden Punkt auf dem Horizonte der Station und verlängert sie bis zum Schnitte. Dieser bestimmt die Lage des Punktes in der Horizontalprojektion. Sodann berechnet man aus der gefundenen horizontalen Entfernung und aus dem gemessenen Höhenwinkel die Höhe des Punktes über jedem Standpunkt. Bei den photogrammetrischen Messungen kann man nur allein das durch die unmittelbare Aufnahme erhaltene Negativ auf der Glasplatte benutzen, nicht den Abzug desselben auf Papier. Letzterer gibt infolge der Verziehungen, welche das Papier bei dem photographischen Prozeß erleidet, kein perspektivisch richtiges Bild der Gegenstände. Man muß daher die gegenseitige Lage der Bildpunkte in den Glasnegativen durch Koordinaten bestimmen und diese der graphischen Darstellung oder einer Berechnung zu Grunde legen. Die Aufgabe der P. besteht demnach im wesentlichen darin, aus dem photographischen Bilde für bestimmte Richtungen die Horizontal- und Vertikalwinkel abzuleiten. Unter dem Horizontalwinkel zwischen zwei Richtungen versteht man den Winkel, welchen die Vertikalprojektionen derselben auf den Horizont einschließen, unter Vertikalwinkel den Winkel zwischen der Richtung selbst und ihrer Vertikalprojektion auf den Horizont. Bei einem Theodoliten kann man diese Winkel an seinem Horizontal- und Vertikalkreis ablesen.

Koppes Phototheodolit.
Textfigur: Koppes Phototheodolit.

Koppe hat nun einen photographischen Theodoliten oder Phototheodoliten hergestellt, der allen Bedingungen, die man an ein zuverlässiges Winkelmeßinstrument stellen muß, entspricht (s. Abbildung) und zu allen Winkelmessungen für geodätische oder astronomische Zwecke in gewöhnlicher Weise benutzt werden kann. Die einzige Abweichung des Instruments von der gebräuchlichen Form mit exzentrischem Fernrohr ist die in der Mitte erweiterte und konisch ausgedrehte Fernrohrachse, in welche die metallene photographische Camera eingesetzt werden kann. Durch geeignete Vorrichtungen ist dafür gesorgt, daß die optische Achse der photographischen Camera stets in gleicher Lage erhalten wird. Im übrigen kann der Phototheodolit ↔ ganz in gleicher Weise wie ein Theodolit gehandhabt werden. Der Apparat hat keine Kassetten, beim Plattenwechsel muß daher die ganze Camera in den Wechselsack gesteckt werden. Die photographische Platte legt sich in der Camera mit ihrer lichtempfindlichen Seite gegen einen metallenen Rahmen, welcher durch kleine Einschnitte in Zentimeter geteilt ist. Bei dem Exponieren wird diese Einteilung mit abgebildet, und die mittlern Marken sind so angebracht, daß ihre Verbindungslinien auf der Platte die Bildhorizontale und die Hauptvertikale angeben.

Durch die allgemeine Anwendung der Trockenplatten ist die Verwertung der Photographie zu Messungszwecken jetzt wesentlich vereinfacht worden. Eine wichtige Rolle dürfte die P. dereinst in der Meteorologie spielen, denn alle sichtbaren Vorgänge in unsrer Atmosphäre lassen sich mit ihrer Hilfe objektiv darstellen und messen, wie z. B. Bildung, Höhe und Bewegung der Wolken, Gestalt und Weg elektrischer Entladungen etc. Ihre Hauptverwendung wird sie aber im Hochgebirge finden, wo sie ein unschätzbares Hilfsmittel abgeben wird, die Topographie nach wirklichen Messungen anstatt nach Handzeichnungen und Skizzen zu gestalten. Als Beispiel für das Verfahren hat Professor Koppe eine Terrainaufnahme des Roßtrappefelsens im Harz auf Grund einer kleinen Triangulation und drei photographischer Bilder veröffentlicht. Diese Aufnahme, welche ein Gebiet von 0,04 qkm umfaßt, ist neben einem

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 732.