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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Pi y Margall; Pitt Press; Planetoiden

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Pitt Press - Planetoiden

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Pitman'

feierlich begangen. Von Pitmans beiden Hauptlehrbüchern sind bisher etwa 1½ Mill. Exemplare verbreitet. Das wöchentlich erscheinende »Phonetic Journal« hat eine Auflage von rund 25,000 Exemplaren. Das Vereinswesen ist wenig organisiert und nicht sehr entwickelt, es dürfte kaum mehr als 70 Pitmansche Stenographenvereine geben; außerdem zählt die Phonetic Society etwa 5000 einzelne Mitglieder. Übertragungen des Systems gibt es auch für das Arabische, Gälische, Italienische, Niederländische, Schwedische, Madagassische und Japanische. Vgl. Th. A. Reed, Isaac P., inventor of phonography (Lond. 1890).

Pitt Press, die Universitätsdruckerei von Cambridge (s. d., S. 134).

Pi y Margall, Francesco, span. Politiker, geb. 1820 zu Barcelona, studierte daselbst die Rechte, schloß sich aber der positivistischen Philosophie an und übersetzte die Werke Proudhons. Um politischen Verfolgungen zu entgehen, wanderte er 1866 nach Frankreich aus, kehrte aber nach dem Sturze der Königin Isabella 1868 nach Spanien zurück und wurde zum Mitglied der Cortes gewählt. Eifriger Republikaner und Föderalist, übernahm er nach der Abdankung des Königs Amadeus 1873 das Ministerium des Innern und wurde nach der Verkündung der Republik zum Präsidenten derselben erwählt. Als die allgemein ausbrechenden Unruhen die Republik gefährdeten, wurde er zum Diktator ernannt, vermochte aber der von ihm entfesselten zentrifugalen Bestrebungen nicht Herr zu werden und dankte ab. Er ist noch republikanisches Mitglied der Cortes.

Planetoiden. Da der im Bd. 18, S. 716, als 303 bezeichnete Planetoid sich nachträglich als 208, Lacrimosa, erwiesen hat, so ist die Reihe der 1891 entdeckten P. folgende: 303 Josephina, entdeckt von Millosewich in Rom 2. Febr.; 304, entdeckt von Palisa in Wien 14. Febr.; 305, entdeckt von Charlois in Nizza 16. Febr.; 306 Unitas, entdeckt von Millosewich 1. März; 307, entdeckt von Charlois 5. März; 308, entdeckt von Borrelly in Marseille 31. März; 309, entdeckt von Palisa 6. April; 310 und 311, entdeckt von Charlois 16. Mai und 11. Juni; 312, entdeckt von Palisa 14. Aug.; 313, entdeckt von Charlois 28. Aug.; 314, entdeckt von Palisa 30. Aug.; 315, entdeckt von Charlois 2. Sept.; 316, entdeckt von Palisa 4. Sept.; 317 und 318, entdeckt von Charlois 8. und 11. Sept. Von den früher entdeckten haben neuerdings Namen erhalten: 296 Phaëtusa, 297 Cäcilia, 298 Baptistina, 300 Geraldina, 301 Bavaria.

Als am Anfang dieses Jahrhunderts die beiden ersten P. entdeckt wurden (1 Ceres 1. Jan. 1801 durch Piazzi, 2 Pallas 28. März 1802 durch Olbers) und es sich zeigte, daß ihre Bahnen auf der Knotenlinie einander sehr nahekommen, kam Olbers auf den Gedanken, daß diese P. vielleicht Bruchstücke eines ehemaligen, durch eine Explosion zertrümmerten Weltkörpers seien, und daß man in der Nähe der Knotenlinie möglicherweise noch mehr solcher Trümmer finden könne. Diese Idee führte in der That zur Entdeckung der Juno durch Harding 1. Sept. 1804 und der Vesta 29. März 1807 durch Olbers; aber obwohl der letztere bis zum Jahre 1816 nach weitern P. suchte, wurden doch in der erwähnten Knotenlinie keine gefunden, und die Planetoidenentdeckungen seit 1840 haben mit der Olbersschen Hypothese nichts zu thun. Diese letztere ist als vollkommen aufgegeben anzusehen. Wenn es aber auch nicht statthaft ist, die ganze Schar dieser kleinen Weltkörper von einem einzigen großen Planeten abzuleiten, so ↔ scheinen doch einige Gruppen von P. einen engern Zusammenhang zu besitzen. Zu dieser Anschauung wird man geführt durch die große, wohl kaum zufällige Übereinstimmung der Bahnelemente in gewissen Gruppen. Insbesondere sind die folgenden bemerkenswert, auf welche Kirkwood aufmerksam gemacht hat. In der nachstehenden Zusammenstellung der wichtigsten Bahnelemente sind mit a, e ♌, i die große Halbachse der Bahn (die Entfernung Erde-Sonne als Einheit angenommen), die Exzentrizität, die Länge des aufsteigenden Knotens und die Neigung gegen die Ebene der Erdbahn bezeichnet.

Planetoidengruppen mit ähnlichen Bahnen:
aei
I.84 Klio2,3630,236327,5°9,3°
115 Thyra2,3790,194309,111,6
249 Ilse2,3790,220334,79,7
II.19 Fortuna2,4420,159211,51,5
79 Eurynome2,4440,194206,74,6
III.134 Sophrosyne2,5650,117346,311,6
193 Ambrosia2,5760,285351,211,6
IV.34 Fides2,6440,1768,43,1
66 Maja2,6450,1758,33,1
V.218 Bianca2,6650,116170,815,2
204 Kallisto2,6730,175205,78,3
246 Asporina2,6950,105162,615,6
VI.3 Juno2,6680,258170,913,0
97 Klotho2,6710,255160,611,8
VII.203 Pompeja2,7380,059348,63,2
200 Dynamene2,7380,134325,46,9
VIII.278 Pauline2,7570,13362,57,8
116 Sirona2,7670,14364,43,6
1 Ceres2,7670,07680,810,6
IX.245 Vera3.0970,19862,25,2
86 Semele3,1020,21987,74,8
106 Dione3,1670,17963,24,6
X.121 Hermione3,4540,12576,87,6
87 Sylvia3,4830,09275,810,9

Es ist zu hoffen, daß bei weitern Planetoidenentdeckungen sich noch mehr derartige Analogien ergeben werden, und daß vielleicht dadurch eine Andeutung über die Entstehung des Planetoidenschwarmes gewonnen wird.

Beachtenswert ist auch die Verteilung der P. innerhalb des über 300 Mill. km breiten Ringes zwischen dem innersten P., 149 Medusa, der sich in mittlerer Entfernung von 2,13 Erdbahnhalbmessern um die Sonne bewegt, und dem äußersten, 279 Thule, dessen mittlerer Abstand von der Sonne doppelt so groß, nämlich 4,26 ist. Zwischen diesen beiden Grenzen sind nun die mittlern Entfernungen von der Sonne nicht gleichmäßig verteilt, sondern es sind Lücken vorhanden, und diese entsprechen merkwürdigerweise nach dem dritten Keplerschen Gesetze Umlaufszeiten, welche in einfachen rationalen Verhältnissen zur Umlaufszeit des Jupiter stehen, also ½, ⅓, ⅔, ⅖ etc. der letztern betragen. Es unterliegt kaum einem Zweifel, daß dies eine Folge der Anziehung des Jupiter ist. Befindet sich nämlich ein Planet in einer solchen Entfernung, so wird er nach einer bestimmten Anzahl von Umläufen immer wieder dieselbe Stellung zum Jupiter haben, es werden also die Störungen dieses letztern sich immer in derselben Größe und Richtung wiederholen, und infolgedessen muß schließlich die Bahn eine vollständige Änderung erleiden. Ähnliche Verhältnisse treffen wir im Ringsystem des Saturn, das ebenfalls aus einem Schwarme kleiner Körper besteht, die allerdings ungleich dichter bei einander stehen als die P. In diesem Ringsystem befinden sich nun die Lücken ebenfalls an Stellen, an denen sich die störenden

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 738.