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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Schaltknochen - Schiff

Schaltknochen (Zwickelbeine) entstehen entweder durch Auftreten ungewöhnlicher, am normalen Menschenschädel nicht vorhandener Knochennähte oder dadurch, daß beim Erwachsenen Knochennähte erhalten bleiben, die sonst nur beim Fötus oder beim Kinde während der ersten Lebensjahre vorhanden sind. So beruht die Entstehung des Inkaknochens (os Incae, also benannt wegen seines am Schädel von Peruanern besonders häufigen Vorkommens) auf der Abtrennung der Hinterhauptsschuppe vom Reste des Hinterhauptsbeines, wie sie durch die Erhaltung der für gewöhnlich vor dem Schluß des Fötallebens verwachsenden queren Hinterhauptsnaht zu stande kommt. Letztere Naht erscheint gewöhnlich als eine direkte Verlängerung der das Schläfenbein mit dem angrenzenden Seitenwandbein verbindenden Schuppennaht. Durch Erhaltenbleiben der das Stirnbein des Fötus in zwei Hälften zerlegenden Naht, die mit der Kranznaht (Stirnbein und Seitenwandbeine verbindende Naht) und Pfeilnaht (die beiden Seitenwandbeine miteinander verbindende Naht) zusammen ein Kreuz bildet, entstehen die Kreuzköpfe. Der vordere Fontanellknochen (os bregmaticum) ist der die Stelle der großen Fontanelle einnehmende S. von viereckiger, trapezförmiger, runder, ovaler, T-ähnlicher oder biskuitförmiger Gestalt. Je nachdem bei dem Wachstum der die große Fontanelle umgebenden Knochen der frühere oder spätere Verschluß der Knochennähte dem Wachstum in dieser oder jener Richtung ein Hindernis entgegenstellt, muß auch der S. eine verschiedene Gestalt annehmen. Centonze glaubt, daß der vordere Fontanellknochen aus einem besondern (überzähligen) Knochenkern sich entwickele, und daß demselben eine atavistische Bedeutung zukomme. Als Wormsche Knochen (ossa Wormiana) werden kleinere S. bezeichnet, die zwischen zwei Schädelknochen sich einschieben, ohne jedoch den Verlauf der Schädelnähte und die Gesamtform des Schädels wesentlich zu beeinflussen. Der durch eine besondere Knochennaht in zwei Teile gespaltene Jochbogen wird, weil diese Bildung bei Japanern besonders häufig vorkommt, als os Japonicum (japanisches Bein) bezeichnet.

Scharff, Anton, Bildhauer und Medailleur, geb. 10. Juni 1845 zu Wien, machte seine Studien auf der dortigen Kunstakademie, bildete sich dann unter der Leitung des Direktors im Hauptmünzamt Radnitzky und bei J. D.(Anmerkung des Editors: Johann oder Josef Daniel) Böhm für die Medailleurkunst aus und wurde 1862 als Kunsteleve in das k. k. Münzamt aufgenommen. 1868 wurde er k. k. Münzgraveur und 1881 Leiter der Graveurakademie des Hauptmünzamts, nachdem er durch zahlreiche Entwürfe für Medaillen die stark in Verfall geratene Medailleurkunst durch Anschluß an die klassischen Muster der Renaissancezeit wieder gehoben und zu hoher Vollendung gebracht hatte. Er bewegt sich mit gleicher Meisterschaft im Bildnis wie in der allegorischen und genrebildlichen Darstellung und weiß mit feinem Gefühl die stilistischen Gesetze seiner Kunst innezuhalten. Von seinen Medaillen und Denkmünzen, deren Zahl sich auf etwa 60 beläuft, sind die auf das fünfzigjährige Regierungsjubiläum der Königin Viktoria von Großbritannien und Irland, auf die Enthüllung des Maria Theresia-Denkmals in Wien und auf den 70. Geburtstag des Professors Virchow besonders hervorzuheben. S. hat auch Entwürfe für größere dekorative Arbeiten (Friese, Kaminfüllungen etc.) geschaffen. Auf der Berliner internationalen Kunstausstellung von 1891 wurde er mit der großen goldenen Medaille ausgezeichnet. ↔

Scharwenka, Xaver, Klavierspieler und Komponist, übernahm im Oktober 1891 die Leitung der neubegründeten Musikschule in New York.

Schaumburg-Lippe. Die Bevölkerung betrug nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1890 (endgültiges Ergebnis) 39,163 Seelen (gegen 37,204 im J. 1885). Die Zunahme seit 1885 ist mit jährlich 1,03 Proz. wenig verschieden von der im Zeitraum 1880 -1885 (1,01 Proz.). Nach der Religion zählte man 1890: 38,160 Evangelische, 607 Katholiken, 366 Juden und 30 Andersgläubige. Die Hauptstadt Bückeburg hatte 5186 Einw. Der Landeskassenetat für 1891/92 beziffert die Einnahmen auf 867,489, die Ausgaben auf 785,554 Mark, woraus sich ein Überschuß von 81,935 Mk. ergibt. Die Staatsschuld beträgt nominell 510,000 Mk., wovon über 200,000M. amortisiert sind.

Scheel, Hans von, Nationalökonom, wurde im April 1891 zum Direktor des kaiserlichen Statistischen Amtes ernannt.

Scheibenkeil, s. Keil.

Scheremetjew, Boris Petrowitsch, Graf, russ. Feldmarschall (gest. 1719). Ihm zu Ehren erhielt 1891 das 97. russische Livländische Infanterieregiment seinen Namen.

Schiefhals, s. Chirurgenkongreß, S. 151.

Schießpulver, altes und neues, s. Naturforschergesellschaft, S. 661.

Schiff. Wenn ein S. in vollkommen ruhigem Wasser fortbewegt wird, so fällt seine scheinbare Geschwindigkeit, d. h. diejenige, mit welcher es sich gegen das feste Land bewegt, mit seiner wirklichen Geschwindigkeit, d. h. die Geschwindigkeit, die ihm von der Antriebskraft gegen das Wasser erteilt wird und bei der Bestimmung des Kraftbedarfs zu Grunde zu legen ist, zusammen. Findet die Bewegung dagegen in fließendem Wasser (Fluß, Kanal) statt, so nimmt man in der Regel an, daß zur Ermittelung der wirklichen Geschwindigkeit nur nötig sei, bei der Bergfahrt zu der scheinbaren Geschwindigkeit die Stromgeschwindigkeit zu addieren, bei der Thalfahrt davon zu subtrahieren. Diese Rechnung ist jedoch nach E. Dietze (»Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure« 1891) unvollständig, weil ein wesentliches Glied vernachlässigt ist, derart, daß die wirkliche Geschwindigkeit für die Bergfahrt zu gering, für die Thalfahrt zu groß ausfällt. Wenn bei ruhigem Wetter ein vollgeladener Kahn zu Thal schwimmt und ein Schwimmstab, d. h. ein hohler Stab von 5-6 cm Durchmesser, durch eingefülltes Schrot auf den Tiefgang des Kahnes gebracht ist und genau in dem Fahrwasser desselben treibt, so wird man beobachten, daß der Schwimmstab gegen den Kahn sehr bald zurückbleibt, daß also der Kahn schneller schwimmt als der Stab. Durch Beobachtung der Zeiten, welche Kahn und Schwimmstab zum Zurücklegen einer bestimmten Strecke gebrauchen, läßt sich ihre Schwimmgeschwindigkeit, d. h. ihre scheinbare Geschwindigkeit, leicht bestimmen. Wird dieser Versuch auf derselben Stromstrecke und unter sonst gleichen Verhältnissen mit verschieden großen und verschieden geformten Kähnen, auch Flößen wiederholt, so ergibt sich, daß die Kähne und Flöße unter sich ganz verschiedene Schwimmgeschwindigkeit haben, daß aber alle schneller schwimmen als der Stab. Die Schwimmgeschwindigkeit ist um so größer, je größeres Gewicht das Fahrzeug hat und ie schlanker seine Formen sind. Es ist dies eine den Schiffern bekannte Thatsache, mit welcher sie stets rechnen, da hiervon die Steuerfähigkeit ihres Kahnes beim Thalwärtsschwimmen abhängt. Diese ist um

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 806.