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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Schildläuse; Schiraz; Schlaf

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Schildläuse - Schlaf

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Schilddrüse'

erwähnt, daß manche die Annahme vertreten haben, das Organ stehe in Beziehung zur Blutbildung, etwa ähnlich wie die Milz. Wir begegnen dieser Meinung auch noch bei einigen Autoren der neuesten Zeit. Andre haben behauptet, die Drüse reguliere den Blutzufluß zum Gehirn. Die Verfechter dieser Meinung, unter denen besonders Liebermeister zu nennen ist, stützen sich auf die Thatsache, daß die S. von denselben arteriellen Stämmen ihr Blut erhält, wie das Gehirn, ferner auf die allerdings auffallende Mächtigkeit der zuführenden Blutgefäße; sind dieselben doch stärker als die für das ungleich umfangreichere Gehirn bestimmten.

Gegenwärtig ist man mehr geneigt, andre Beziehungen der S. zum Gehirn und überhaupt zum Zentralnervensystem anzunehmen. Dazu haben Beobachtungen geführt, die man teils an Menschen gemacht hat, denen wegen kropfiger Entartung der Drüse (Struma) dieselbe auf operativem Wege entfernt werden mußte, teils waren es Tierversuche, die ein neues Licht auf die Bedeutung der Drüse geworfen haben. In beiden Fällen hat man infolge der Wegnahme des Organs schwere nervöse Störungen eintreten sehen.

Beim Menschen bilden sich nicht selten Krankheitserscheinungen aus, die man unter den Namen der Cachexia strumipriva oder der Tetanie oder des Myxödems zusammengefaßt hat. Beim Tierversuch zeigt es sich, daß die Pflanzenfresser ohne jede Schädigung die Operation überleben, während die fleischfressenden Tiere (besonders Hunde haben als Untersuchungsobjekte gedient) fast ausnahmslos in schwere, schließlich tödlich endende Krankheit verfallen. Dieselbe äußert sich, in der Regel wenige Tage nach der Operation beginnend, in folgender Weise: Es entsteht Zucken und Zittern in der Muskulatur, Steifigkeit, oft geradezu krampfhafte Starre in den Extremitäten, welche die Tiere zur Innehaltung oft unbequemer, zuweilen höchst absonderlicher Stellungen zwingt. Der Gang wird unsicher und taumelnd. Die Tiere fürchten das Laufen und suchen die Ruhe; sie werden scheu und teilnahmlos. Von Zeit zu Zeit erscheinen Störungen der Atembewegungen, die sich dann anfallsweise zu enormer Schnelligkeit steigern können; auch Schluckstörungen und damit Erschwerung der Nahrungsaufnahme treten auf; es brechen heftige Krampfanfälle aus, die an epileptische Zuckungen erinnern. In einem dieser Anfälle tritt in der Regel, meistens schon nach wenigen Tagen, seltener nach Wochen oder sogar Monaten, der Tod ein.

Daß es sich bei diesen Symptomen um eine schwere Erkrankung der nervösen Zentralorgane handeln muß, ist nicht zweifelhaft; aber welcher Art dieselbe ist, in welchem Zusammenhang sie mit dem Fortfall der S. steht, ist zu erklären bisher nicht möglich gewesen. Die Erscheinungen sehen denen einer chronischen Vergiftung ähnlich, und deshalb hat diejenige Ansicht einiger neuerer Autoren viel für sich, derzufolge sich nach dem Ausfall der S. ein Gift im Organismus ansammeln soll, welches vielleicht dem allgemeinen Stoffwechsel seinen Ursprung verdankt. Die Drüse hätte danach die Aufgabe, dieses Stoffwechselprodukt auszuscheiden oder unschädlich zu machen, den Körper zu entgiften. Einer andern Ansicht zufolge soll die S. einen Stoff bilden, welcher für die Ernährung des Zentralnervensystems von Wichtigkeit wäre. Nach dem Fortfall der Drüse würde sonach die Ernährung von Gehirn und Rückenmark geschädigt, durch diese Ernährungsstörung die Erkrankung bedingt sein. ↔

Aus der mikroskopischen Untersuchung der S. haben sich bis jetzt sichere Anhaltspunkte für ihre Bedeutung nicht entnehmen lassen. Es kann als feststehend angenommen werden, daß sie eine wirkliche Drüse ist, d. h. daß sie ein Sekret liefert. Dasselbe häuft sich in den Binnenräumen der Drüsenbläschen an und ist unter dem Namen der Kolloidsubstanz bekannt. Einen eigentlichen Ausführungsgang, wie die übrigen Drüsen ihn fast sämtlich haben, besitzt die S. nicht; sie scheint aber ihr Absonderungsprodukt in die weiten Spalträume, die sich zwischen den Drüsenbläschen vorfinden, zu ergießen, und aus diesen wird es vermutlich durch die Lymphgefäße der allgemeinen Säftemasse zugeführt.

Schildläuse, s. Wachs, chinesisches.

Schiraz in Persien führte 1889 für 6,8 Mill. Mk. aus, namentlich Opium, dann rohe Baumwolle, Tabak und Teppiche, und für 6,5 Mill. Mk. ein, namentlich Baumwollwaren, Zucker, Indigo, Metalle, Drogen.

Schlaf (physiologische Ursachen). Die neuern Forschungen lehren, daß die Ermüdungsstoffe (ponogene Substanzen), d. h. gewisse Stoffe, die als Nebenerzeugnisse der Thätigkeit unsrer Muskeln in den betreffenden Organen und Geweben gebildet werden, zu dem Wechsel des wachenden und schlafenden Zustandes in engster Beziehung stehen. Während Preyer, Binz und Obersteiner unter den besagten Substanzen der Milchsäure eine besondere Bedeutung zuerkennen, üben nach Gautier und Errera die Leukomaïne, d. h. gewisse aus dem Fleische der Tiere darstellbare Alkaloide, die ebensowohl durch ihre chemische Zusammensetzung wie auch hinsichtlich gewisser andrer Eigenschaften den Stoffwechselprodukten der Bakterien (Ptomaïne und Toxine) sehr nahe stehen, eine schlaferregende Wirkung dadurch aus, daß sie vermöge ihrer chemischen Verwandtschaft zum Sauerstoff den Nervenzellen letztern entliehen und auf diese Weise eine zeitweilige Sauerstoffarmut des Gehirns herbeiführen. Neben ihrer sauerstoffentziehenden Einwirkung scheinen die Leukomaïne auf die Gehirnzellen noch eine ähnliche Wirkung auszuüben, wie sie gewissen narkotischen Substanzen (Opium, Morphium, Chloralhydrat u. a.) eigentümlich ist. Der Thatsache, daß die Leukomaïne ebensowohl unmittelbar auf die Gewebe und Organe, in denen sie sich anhäufen, wie auch mittelbar durch die Nervenleitung auf die Nervenzentren (Ganglien) einwirken, entspricht eine zweifache Bedeutung des Wortes »Ermüdung«. Wir müssen unterscheiden zwischen jener Ermüdung, die von dem in lebhafte Thätigkeit versetzten Muskel empfunden wird (einem Zustand, der durch Herabsetzung der Reizbarkeit des Muskels gekennzeichnet ist), und jener allgemeinen Ermattung und Müdigkeit, die sich als Schlafbedürfnis zu erkennen gibt. Darauf, daß die Ermüdungsstoffe (Leukomaïne) auf gewisse Hirnganglien weniger einwirken als auf andre, sind jene Erscheinungen, welche man als »teilweisen S.« (Somnambulismus) bezeichnet, mit Wahrscheinlichkeit zurückzuführen. Während im wachenden Zustand stets neue Mengen von Leukomaïnen erzeugt werden, sinkt während des Schlafes, wo die Funktionen der Organe ruhen, die Bildung dieser Substanzen auf ein sehr geringes Maß herab, und es wird für den Körper leicht, sich während des Schlafes dieser Stoffe durch langsame Verbrennung (Oxydation) wieder zu entledigen. Unter gewissen Umständen vermag eine Vermehrung der Arbeit (vorausgesetzt, daß dieselbe dazu angethan ist, die Leukomaïne aus den Geweben zu entfernen) das Gefühl der Müdigkeit und Schlaffheit zu beseitigen. Darauf

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 731.