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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Spanien - Spanische Litteratur
Staatseigentum wurden ca. 200 Mill. beschafft; die Gesellschaft, welche das Tabaksmonopol pachtete, borgte 84 Mill.; an fälligen Eisenbahnsubventionen ist die Regierung 120 Mill. schuldig geblieben; die anerkannte schwebende Schuld beträgt etwa 1/3 Milliarde; den Rest hat die Bank von S. für Vorschüsse in laufender Rechnung zu fordern. Die Regierung hat nun beschlossen, um einige Ordnung in die Finanzlage zu bringen, eine 4proz. innerhalb 30 Jahren rückzahlbare Anleihe von 250 Mill. aufzunehmen, bei der Bank, von S. 150 Mill. zinsenfrei zu entleihen und gleichzeitig die Bank, welche längst am Ende ihrer verfüg-baren Mittel angelangt ist, in die Lage zu versetzen, weitere Vorschüsse machen zu können. Bisher war die Bank nur zur Ausgabe von 750 Mill. Pesetas in Papiergeld und unter der Voraussetzung berechtigt, diesen Notenumlauf mit einem Viertel durch Barreserven zu decken. Nach dem neuen Bankgesetzentwurf soll die Bank künftig ohne Kapitalserhöhung in der Banknotenausgabe nicht beschränkt sein, vorausgesetzt, daß sie den wirklichen Notenumlauf mit einem Drittel durch Barbestände deckt. Dieses Drittel hat zur Hälfte aus Gold, zur Hälfte aus Silber zu bestehen. Geichzeitig^[korrekt: Gleichzeitig] sollte der Bank zur Entschädigung für die der Regierung zinsfrei zu gewährende Anleihe ihre im Jahre 1904 ablaufende Konzession schon jetzt bis 1921 verlängert werden. Gegen diesen Entwurf hat sich lebhafter Widerstand seitens der Handelskammern erhoben, welche in der unbeschränkten, mangelhaft bedeckten Banknotenausgabe den ersten Schritt des Überganges zur Papiergeldwährung sahen, bei der nächsten größern Krisis die Einführung des Zwangskurses befürchteten und behaupteten, daß 750 Mill. Papiergeld das Maximum dessen bedeute, was der spanische Geldmarkt tragen könne. Die Bestimmung wurde auch wenigstens dahin beschränkt, daß das Recht der Bank zur Ausgabe von Noten auf das Maximum von 1500 Mill. Pesetas begrenzt wurde. - Vgl. auch die S. betreffenden Abschnitte der Artikel Getreideproduktion, S. 390, Kolonien, S. 538, und Volksvertretung.
[Geschichte.] Den dringlichsten Geldbedürfnissen des Staates wurde im Sommer 1891 durch ein Gesetz abgeholfen, welches der Bank von S. gegen einen unverzinslichen Vorschuß von 150 Mill. Pesetas an die Regierung die Vermehrung ihrer Banknoten um 750 Mill. gestattete. Das bei der Eröffnung der Cortes 2. März versprochene Amnestiegesetz wurde von beiden Kammern genehmigt. Wenn dasselbe auch nicht so weit ging, die eidbrüchigen Unteroffiziere wieder in die Armee aufzunehmen, wie mehrere republikanische Abgeordnete verlangten, so gewährte es doch zahlreichen Republikanern die straffreie Rückkehr nach S., obwohl die Gemeinderatswahlen im Mai ein starkes Anwachsen der republikanischen Partei in den Städten bewiesen hatten. Zorrilla und andre Unversöhnliche machten dennoch von der Amnestie keinen Gebrauch. Auch ein Rekrutierungsgesetz, welches im Grundsatz für S. die allgemeine Wehrpflicht anordnete, wurde den Cortes vorgelegt, jedoch, noch ehe dieselben dies Gesetz und den Staatshaushalt durchtraten und genehmigt hatten, deren Sitzungen 15. Juli vertagt.
Die schwierige finanzielle Lage Spaniens wurde aufs äußerste bedroht durch die schutzzöllnerische Politik Frankreichs, dessen von der Deputiertenkammer beschlossener neuer Zolltarif den Zoll auf Wein in einer Hohe und unter Bedingungen festsetzte, die eine fernere Einfuhr spanischen Weines nach Frankreich, die in den letzten Jahren 400 Mill. Frank jährlich betragen hatte, einfach unmöglich machten. Das Mißtrauen gegen den nördlichen Nachbar, das durch die herausfordernde französische Politik in Nordafrika schon erregt war, wurde dadurch gesteigert. Die öffentliche Meinung verlangte eine energische Abwehr der französischen Zollpolitik und eine wachsame Verteidigung der spanischen Interessen im Ausland. Der Marineminister Beranger wurde wegen Vernachlässigung der spanischen Seemacht heftig angegriffen und seine Verwaltung geradezu der Vergeudung der zum Ausbau der Flotte bestimmten Gelder beschuldigt. Beranger nahm infolgedessen seine Entlassung, und sein Rücktritt gab den Anstoß zu einer vollständigen Unigestaltung des konservativen Ministeriums Canovas welche demselben eine bei der heikligen Finanzlage und der schwierigen Zolltariffrage dringend notwendige feste Mehrheit in den Cortes sichern sollte. Zu diesem Zwecke verständigte sich Canovas mit dem konservativen Parteiführer Romero Robledo und den: liberalen Finanzpolitiker Camacho. Im November reichte das gesamte Ministerium seine Entlassung ein, die von der Regentin angenommen wurde. Darauf wurde Canovas mit der Neubildung des Kabinetts beauftragt, die Ende November zu stände kam. Die bisherigen Minister des Innern (Silvela), der öffentlichen Arbeiten (Isada) und der Kolonien (Fabié) schieden aus, Cos-Gayon übernahm statt der Finanzen die Justiz. Canovas de Castillo blieb Ministerpräsident, der Herzog von Tetuan behielt das Portefeuille des Auswärtigen, General Azcarraga das des Krieges. Neu traten ein Romero Robledo für die Kolonien, Concha Castañeda für die Finanzen, Elduayen für das Innere, Linares Rivas für öffentliche Arbeiten und Admiral Montojo y Trillo für die Marine. Camacho wurde zum Gouverneur der Bank von S. ernannt. Nach dem in den Zeitungen veröffentlichten Programm der neuen Regierung sollte die schutzzöllnerische Richtung beibehalten, in der innern Politik aber der konservative Standpunkt der Regierung kräftiger zum Ausdruck gebracht und gegen die Republikaner weniger Nachsicht als bisher geübt werden. Zur Besserung der Finanzen beabsichtigte man Ersparnisse im Budget und die längst geplante Aufnahme einer Anleihe von 250 Mill. Pesetas zur Tilgung der schwebenden Schuld. Ein neuer Zolltarif wurde ausgearbeitet und 1. Jan. 1892 veröffentlicht, der für die neu abzuschließenden Handelsverträge zur Grundlage dienen sollte. Derselbe setzte sehr hohe Zölle fest, unter anderm für Alkohol 160 Pesetas für das Hektoliter, um die inländische Erzeugung von Weinsprit zu fördern, überhaupt die Zolleinnahmen zu erhöhen. Doch erschwerte der neue Tarif die Verhandlungen mit den andern Mächten über die Erneuerung der Handelsverträge, die nur mit wenigen zu stände kam. Mit Frankreich hörte 1. Febr. 1892 jedes Vertragsverhältnis auf; indes hatte S. seine Weinernte (6,2 Mill. hl) vorher nach Frankreich ausgeführt. Das den Cortes im Februar vorgelegte Budget setzte die Ausgaben auf 750, die Einnahmen auf 749 Mill. Pesetas fest; die Ersparungen beliefen sich auf 7, der Ertrag der neu einzuführenden Steuern auf 26 Mill. Doch erklärte das Ministerium noch weitere Steuern für unvermeidlich.
Spanische Litteratur. Die schöne Litteratur Spaniens hat in den letzten Jahren zwar an Umfang bedeutend zugenommen, die Zahl der einigermaßen hervorragenden und beachtenswerten Werke ist jedoch verhältnismäßig sehr viel geringer als in den ersten Jahren nach der Wiederaufrichtung des Bourbonenthrons. Auch der Charakter der schonen Litteratur hat