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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Staub (Zahl der Staubteilchen in der Atmosphäre)
länder der eingeführten Waren und ferner eine internationale Übereinkunft Zur Regelung u. Kontrolle der Warenbewertung werden als wünschenswert hinbestellt. 7) Im Komitee für Seefrachten (Referent Kiä'er) wird die Einhaltung eines einheitlichen Vorganges zur Ermittelung des Tonnengehaltes der Schiffe empfohlen. 8) Komitee für Preise (Referent Foville): Es ist besonders darauf Rücksicht zu nehmen, welches der beiden Währungsmetalle, Gold oder Silber, den vorherrschenden Einfluß auf die Gestaltung der Preise ausübt. 9) Komitee für internationalen Austausch der Listen über die Staatsfremden (Referent v. Inama-Sternegg): Die einzelnen Staaten sollen in jedem mit 0 endigenden Jahre gelegentlich der Volkszählung die Staatsfremden gesondert verzeichnen und die bezüglichen Listen so bald wiemöglich jenen Staatenkostenlos zusenden, welchen die betreffenden Personen angehören; ebenso sollten alle in Betracht kommenden Staaten ihre Seehäfen genau überwachen lassen, um Listen der Auswanderer aus jedem Staate zu erlangen und in bestimmten Zeiträumen den betreffenden Heimatsstaaten zuzusenden. 10) Vereinigtes Komitee für die Statistik der Großstädte, der Sterblichkeit und für die Volkszählungen (Referent Ogle): Es sollen von den einzelnen Staaten Berichte über die Ergebnisse der letzten Volkszählung eingeholt und gesammelt vom Institut veröffentlicht werden. Ferner sollen diesem Komitee, soweit möglich, alle einschlägigen Fragen überwiesen werden. Mehrere dieser Komitees haben sich als ständige erklärt. Auf Antrag Cheyssons wurde beschlossen, daß für jedes Land ein Referent zu bestellen sei, der dem künftigen Kongreß über die Fortschritte der Statistik in seinen: Lande Bericht zu erstatten habe. So find durch die Thätigkeit der Session sehr beachtenswerte Ergebnisse erzielt worden. Die Verhandlungen werden seinerzeit in dem »Lniiktin 6k I'luztimt intm national ds 8tn.ti8tiliu6«, dem offiziellen Jahrbuch der Gesellschaft, zur Veröffentlichung gelangen. Der Mitgliederstand derselben wurde durch Neuwahlen auf die satzungsmäßige Höhe von 150 erhoben. Die nächste (vierte) Session des Institutes findet 1893 in Chicago statt.
Staub. Die Zahl der Staubteilchen in der Atmosphäre. Die Untersuchungen, welche früher daraufgerichtet waren, die Zahlderinder Atmosphäre vorhandenen Keime pflanzlicher und tierischer Organismen zu ermitteln, haben den unorganischen Körpern teine Beachtung geschenkt. Diese Lücke hat Aitken ausgefüllt, welcher eine Untersuchungsmethode zur Anwendung brachte, die selbst bei diesen kleinsten Resten unorganischer Materie, die mikroskopisch nicht mehr wahrgenommen werden können, ihre Zahl annähernd zu bestimmen erlaubt. Dazu benutzte Aitken die Thatsache, daß eine Kondensation der Wasserdämpfe immer nur um Fremdkörper als Kern stattfindet. Er reinigte ein Quantum Luft von den in ihr vorhandenen Staubteilchen, indem er dasselbe durch eine mit Watte gefüllte Röhre als Filter hindurchgehen und in einen Rezipienten eintreten ließ, in welchem sie sich mit Wasserdampf sättigte. Dadurch, daß vermittelst einer mit dem Rezipienten in Verbindung stehenden Luftpumpe ihr Rauminhalt vergrößert wurde, wurde die Luft mit Wasserdampf übersättigt, und es bildete sich ein Nebel, welcher sich durch kleine Tautröpfchen kenntlich machte, die sich um die Staubteilchen als Kern gebildet hatten. Durch Wiederholung dieses Verfahrens gelang es, die Luft zunächst von all",!! in ihr schwebenden Fremdkörpern Zu reinigen. Ob das m der That erreicht wa:, konnte
daran erkannt werden, daß es einer sehr erheblichen und plötzlichen Verdünnung der gesättigten Luft bedürfte, um eine Kondensation einzuleiten, bei welcher sich aber auch dann nur sehr wenige Tropfen bildeten.
Durch eine Filtration der Luft wurde dieselbe von allen in ihr schwebenden Staubteilchen gereinigt, wenn sie durch eine 2 om dicke Schicht von Watte langsam hindurchzog.
In diese völlig reine Luft wurde eine bestimmte Menge der zu untersuchenden Luft eingeführt, so daß diese beiden Luftmassen in einem bekannten Verhältnis standen. Konnten dann die in dieser Luftmischung vorhandenen Staubteilchen gezählt werden, so konnte aus deren Anzahl und dem Verhältnis der staubfreien und der zu untersuchenden Luft berechnet werden, wieviel Staubteilchen in der letztern vorhanden waren. Zur Zählung der Staubteilchen wurde die mit Feuchtigkeit gesättigte Luft ausgedehnt und dadurch eine Kondensation des Wasserdampfes bewirkt, der sich an allen in der zu untersuchenden Luft vorhandenen Fremdkörpern, die den ganzen Raum gleichmäßig erfüllten, als Nebeltröpfchen ansetzten. Die Zählung der Nebeltröpfchen und deshalb auch die Bestimmung der in der Luft vorhanden gewesenen Staubteilchen erfolgte in der Weise, daß in einer Entfernung von 1 om unter der obern Wand des Rezipienten einin Quadratmillimeter geteilter Silberspiegel angebracht wurde, auf welchem sich die Nebeltröpfchen niederschlugen und hiervermittelst eines Mikroskops gezählt wurden. Auf diese Weise erhielt man die Zahl der Staubteilchen, welche m der Mischung von trockner und der zu untersuchenden Luft in einer Säule von 1 Hinm Grundfläche und1 om Höhe vorhanden gewesen waren, und konnte aus dieser Zahl und dem bekannten Verhältnis, in welchem die beiden Luftmassen gemischt waren, die Anzahl der Staubteilchen berechnen, welche in einem bestimmten Teil der zu untersuchenden Luft vorhanden waren.
Die nach dieser Methode erhaltenen Resultate waren sehr verschieden. So ergab sich, daß in 1 e^m Luft im Freien bei Regen 32,000 Staubteilchen vorhanden waren, bei gutem Wetter 130,000, in Stubenluft in 4 Fuß Hohe 1,860,000 und in Stubenluft in der Nähe der Decke 5,420,000. Auf einem 30 m hohen Hügel bei .vydras (Südfrankreich) schwankte der Gehalt zwischen 3550 und 25,000, in Mentone zwischen 1200 und 7200, in Rigikulm zwischen 210 und 2000, auf dem Eiffelturm zwischen 226 und 104,000, in Paris zwischen 160,000 und 210,000, in London zwischen 48,000 und 116,000, im schottischen Hochland zwischen 205 und 4000, auf dem Ben Nevis zwischen 335 und 473. Die Verunreinigung der Luft mit Staubpartikeln ist also fern von menschlichen Ansiedelungen ein Minimum, ein Maximum dagegen in den großen Städten, und es ist aus diesen Zahlen ersichtlich, welche Ansprüche die moderne Kultur an die Lungen der im Zimmer lebenden Bewohner stellt, und wie groß der Unterschied zwischen der Zimmerluft und der Berg- und Seeluft ist.
Die Durchsichtigkeit der Luft hängt nach den Untersuchungen von Aitken nicht allein von ihrem Staubgehalt ab, sondern auch gleichzeitig von dem Grade ihrer Feuchtigkeit. Letztere allein scheint keinen Einfluß auf die Durchsichtigkeit zu haben, sondern nur dadurch die Wirkung des Staubes zu erhöhen, daß sie das Volumen der Staubteilchen vergrößert» Beeinflußt wird die Einwirkung der Feuchtigkeit noch durch die Temperatur, indem unter sonst glei^