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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Switch-Back-Railways; Syrien; Szeps; Tabak

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Switch-Back-Railways - Tabak

hängigkeit des Landes anerkannt und die Feststellung der Grenzen durch eine englische Kommission 29. März 1880 erledigt. Auch die Südafrikanische Republik erkannte in dem zwischen ihr und England 3. Aug. 1881 abgeschlossenen Friedensvertrag die Unabhängigkeit des Landes an. Nun ließen sich die Buren vom König Umbandeni große Konzessionen auf Weideland geben, während Engländer seit 1886 sich ausgedehnte Bergwerksgerechtigkeiten verschafften, so daß bald das ganze Land, mit Ausnahme von zwei vom König für sich reservierten Strichen, in die Hände der Fremden überging. Um Ordnung in die oft einander ausschließenden Konzessionen zu bringen, nahm der König 1886 den Engländer Shepstone zu seinem Berater, der dann einen Rat von Weißen einsetzte, um bei den Regierungsgeschäften mitzuwirken. Da Shepstone jedoch völlig eigenmächtig verfuhr, so entstand große Unzufriedenheit, bis der König 1888 einen Rat aus Weißen und Schwarzen berief, welche eine Art Verfassung zu stande brachten. Shepstone erhielt seine Entlassung 14. Febr. 1889. Ein andrer Engländer, Miller, erhielt den Posten, und eine Zeitlang nahmen die Geschäfte ihren ruhigen Lauf. Eine bald ausbrechende Verschwörung der vornehmsten Idunas gegen den König veranlaßte indes die Regierung von Transvaal zur Entsendung einer Kommission, worauf die Engländer dasselbe thaten. Sir Francis de Winton wurde als Kommissar entsandt, ehe er jedoch S. erreichen konnte, starb der König, dem nun eine seiner Frauen folgte. Die von der Kommission gemachten Vorschläge, welche de Winton nach England überbrachte, fanden dort keinen Beifall. Da die Buren sich nicht geneigt zeigten, von ihren Ansprüchen etwas aufzugeben, den Engländern aber für ihre Pläne im N. die Neutralität der Buren nötig war, so knüpften sie mit Hilfe des Afrikanderbundes Unterhandlungen an und schlössen nach langwierigen Verhandlungen 2. Aug. 1890 mit der Südafrikanischen Republik einen Vertrag, worin die Unabhängigkeit des Swasilandes abermals anerkannt wurde, sowie das den Buren vom König zugestandene Recht zum Bau einer Eisenbahn nach der Küste und die Abtretung eines Streifen Landes längs der Trace derselben durch Tongaland (s. d.) bis zur Kosibai. Die europäischen Kolonisten wurden einer gemischten Aufsichtsbehörde unterstellt und ein Gerichtshof für sie gebildet, der nach niederländischem und römischem Recht urteilt.

Switch-Back-Railways, s. Vergnügungseisenbahnen.

Syrien. Die 1891 aus Rußland vertriebenen Juden haben sich zum Teil nach Syrien und Palästina gewendet, und zwar so zahlreich, daß die Preise für Wohnungen und Getreide stiegen und die Einwohner sich beschwerten. Deshalb erließ der Sultan ein Irade, wonach es für jeden einwandernden Juden einer besondern Erlaubnis der Regierung bedarf. Reiche jüdische Kapitalisten haben bereits große Landstrecken angekauft, um ihre Glaubensgenossen anzusiedeln, namentlich im Kaza Ghazza (Sandschak Jerusalem). Der Wollexport Syriens belief sich 1889 auf ca. 5,884,300 kg, wovon 3,666,560 kg über Alexandrette, 1,217,740 kg über Tripoli und ca. 1,000,000 kg über Beirut ausgeführt wurden. Der lange erörterte Plan einer Eisenbahnverbindung zwischen Beirut, dessen Hafen gegenwärtig durch eine französische Gesellschaft umgebaut und verbessert wird, und Damaskus gewinnt jetzt greifbarere Gestalt, indem die Konzession für eine Dampftrambahn zwischen beiden Städten auf 99 Jahre erteilt worden ist. Dieselbe muß binnen 4 Jahren vollendet sein; Bau und Betrieb wird von türkischen Beamten überwacht, das erforderliche Terrain wird unentgeltlich abgetreten, die Baumaterialien gehen zollfrei ein. Von der im Bau begriffenen Eisenbahn Jaffa-Jerusalem ist die 19 km lange Anfangsstrecke Jaffa-Ramleh 24. Mai 1891 eröffnet worden. Die Arbeiten an der weitern Strecke sind so weit vorgeschritten, daß dieselben im Frühjahr 1892 dem Betrieb übergeben wird.

Zur Litteratur: C. N. Conder, Palestine (Lond. 1889); N. Röhricht, Bibliotheca geographica Palestinae. Chronologisches Verzeichnis, der auf die Geographie des Heiligen Landes bezüglichen Litteratur von 333 bis 1878 etc. (Berl. 1891); Armstrong, Wilson, Conder, Map of Palestine (1:1,168,960) in 21 Blättern.

Szeps, Moritz, Journalist, Chefredakteur des »Wiener Tagblattes«, geb. 4. Nov. 1834 zu Busk in Galizien, studierte in Wien Naturwissenschaften und Medizin, wandte sich aber schon 1858 der Publizistik zu (bei der »Presse« und »Morgenpost«), 1861 wurde er Chefredakteur der »Morgenpost«, 1867 gründete er das »Neue Wiener Tagblatt«, wo er bis 1886 verblieb, nachdem es inzwischen in den Besitz einer Aktiengesellschaft Steyrermühl, die S. gegründet, übergegangen war. In seiner Stellung als Leiter einer großen Zeitung geriet S. mit den hervorragendsten politischen Persönlichkeiten in Verbindung, in erster Linie speziell in Österreich mit dem Kronprinzen Rudolf, mit dem er in stetem Verkehr bis an sein Lebensende stand; ferner mit namhaften Persönlichkeiten in Frankreich: Gambetta, Clemenceau, Ribot, Leon Say u. a., in Deutschland mit Brehm und andern Gelehrten. S. nimmt in der Wiener Journalistik eine charakteristische Stellung ein: er hat ihre Ausbildung in der Raschheit des Nachrichtendienstes mit der Neigung zum Sensationellen gefördert. In diesem Geiste leitet er seit 1886 das von ihm gleichfalls neugegründete »Wiener Tagblatt«.

T.

Tabak. Für die Gebrauchsfähigkeit und Güte aller Tabaksorten ist die Fermentation von der größten Bedeutung. Sie wird dadurch eingeleitet, daß man den sogen, dachreifen T. in großen Haufen von 100 und mehr Zentnern fest zusammenpackt. Hier tritt je nach dem Feuchtigkeitsgehalt früher oder später eine oft sehr starke Erwärmung ein: der T. schwitzt, und dabei vollzieht sich die Bildung derjenigen aromatischen und sonstigen Verbindungen in den Tabaksblättern, die beim Verbrennen auf unsern Geruchs- und Geschmackssinn wirken. Während man in der Praxis bisher glaubte, daß die Vorgänge bei der Fermentation rein chemischer Natur seien, haben die Untersuchungen von Suchsland zu dem Ergebnis geführt, daß hier ein Gärungsprozeß vorliegt, der durch Spaltpilze hervorgebracht wird. Diese Spaltpilze treten an den fermentierten Tabaken in großer Menge auf, aber an den einzelnen Tabakssorten hat