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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Tachtadschy - Taubstummheit
nian meist nur 2-3 Bakterienarten gefunden. Vorherrschend waren Bakteriaceen, doch hat man auch Kokkaceen gefunden. Daß die gefundenen Spaltpilze in der That die Gärungserreger waren, geht daraus hervor, daß durch Reinkulturen derselben bei andern Tabakssorten Geruchs- und Geschmacksveränderungen hervorgebracht wurden, welche an den Geruch und Geschmack jener Tabakssorten erinnerten, von denen die Bakterien stammten. Von diesem Gesichtspunkt aus gewinnt die Fermentation des Tabaks noch größere Bedeutung, als man ihr bereits beigemessen hat. In allen Tabaksbau treibenden Gegenden Teutschlands hat man immer bei den Bestrebungen, die Qualität des Tabaks zu verbessern, das Hauptaugenmerk auf Hebung der Bodenkultur und auf Einführung möglichst edler Sorten gerichtet. Nun gediehen freilich hierbei die Pflanzen vortrefflich, der T. aber blieb minderwertig. Dies erklärt sich jetzt dadurch, daß man eben nicht im stände war, die gut fermentierenden Bakterien aus den Ursprungsländern des edlen Tabaks mit herüberzubringen, und daß die bei uns vorkommenden Fermente nicht die Fähigkeit besitzen, so gute Produkte hervorzubringen wie die in den warmen Ländern. Unser T. hat daher immer nur eine wilde Gärung erlitten, welche die in ihm lagernden Rohstoffe nicht so vollständig oder in andrer Art ausschloß, wie es durch die intensiver und in andrer Richtung wirkenden ausländischen Spaltpilze geschieht. Mit den geeigneten Spaltpilzen läht sich aber die edlere Gärung auch in unserm T. einleiten. Alle Versuche haben positive Resultate ergeben, und nicht selten ist die Veränderung am Pfälzer T. so auffällig gewesen, daß sichere Kenner einheimischen Tabaks, auch nachdem ihnen der Sachverhalt dargelegt war, die Sorte nicht für deutschen T. geraucht haben. Über die Art der durch die edlern Bakterien erzeugten Produkte ist noch nichts Näheres bekannt, eine der .vauptwirkungen scheint indes die Umwandlung von Nikotin in Nikotinkampfer zu sein.
Wie es scheint, geht die Tabaksindustrie auf Grund der neugewonnenen Erkenntnis einer ähnlichen Wendung entgegen wie die Gärungsindustrie, seitdem man die Bedeutung der verschiedenen Hefearten für den Verlauf des Gärungsprozesses erkannt hat.
Tachtadschh (»Vrettmacher«), im westlichen Lykien auch Allevi genannt, ein merkwürdiger, in den Bergen Lykiens zerstreuter Stamm von ca. 5000 Seelen, welchen zuerst F. u. Luschan (»Reisen in Lykien, Milyas und Kibyratis«, Wien 1889) genauer studiert hat. Sie finden sich auch in den benachbarten Berg' ländern, icheinen sich aber in Lykien reiner als anderswo erhalten zu haben. Sie gelten zwar offiziell als Mohammedaner, werden aber von diesen für Ungläubige gehalten und sind der Gegenstand böser Nachreden. Sie leben einsam im Gebirge, meist in einer Höhe von 1000-1500 in, gewöhnlich in kleinen runden, mit Filz gedeckten Zelten, und verfertigen Bretter und Balken. Nur um diese zu verkaufen oder gegen europäische Waren zu vertauschen, betreten sie öle Städte und Dörfer', sonst vermeiden sie jeden Verkehr mit der Außenwelt, schon um dem Militärdienst und der Besteuerung zu entgehen. Sie trinken Wein, essen Schweinefleisch, verabscheuen dagegen Hasen und Truthühner; ihre Frauen gehen unverschleiert, und Geschwisterehen kommen nachweislich vor. Den Pfau halten sie für eine Verkörperung des Teufels und doch zugleich für ein Tier, das unter Umständen wieder zu einem guten Menschen oder gar zu einem Heiligen werden kann. Denn sie glauben an Seelenwanderung, an böse Geister, vor denen
sie große Frucht haben; Mose Z, David, Jesus und Ali halten sie für Inkarnationen desselben Wesens, dessen spätere Schicksale einen großen Teilihrer ängstlich gehüteten religiösen Geheimlehre auszumachen scheinen. Jeder Stamm, er mag aus wenigen oder vielen Familien bestehen, hat seinen »Baba« oder > Dede ,, sein religiöses Oberhaupt, dem mitunter das Ms in'im^s noctis oder ein ähnliches Recht zusteht/ und dessen Würde nur innerhalb des Stammes erblich ist, weshalb der Baba keine Frauen aus fremden Stämmen berühren darf. Der Baba veranstaltet religiöse Zusammenkünfte, die des Abends mit Gesang und Tanz beginnen und um Mitternacht mit großer Zerknirschung enden. Dazwischen scheint der Baba hypnotische Zustände und halluzinatorische Erregungen hervorzurufen; auch werden dabei Kranke geheilt und sonstige Wunder verrichtet. Körperlich unterscheiden sich die T. durch einen extrem hohen, kurzen Schädel von echten Türken und Griechen; sie sind im Mittel 168 ein hoch, haben braune Augen, schlichtes, schwarzes Haar und eine dunkle Hautfarbe.
Luschan sieht in ihnen auf Grund seiner zahlreichen Schädelmessungen den Überrest einer Urbevölkerung, welche sich in Armenien bis heute in kompakter Masse erhalten hat, aber auch sonst unter den türkisch sprechenden Mohammedanern, den mohammedanischen Sektierern und den griechisch sprechenden Christen vorkommt (vgl. Bd. 18, S. 60).
Taglioni, Maria, Gemahlin des Fürsten Joseph Windischgrätz (Bd. 18), starb 27. Aug. 1891 in Aigen bei Tulln.
Tat van Poortvliet, Ioannes, niederländ.
Staatsmann, geb. 1839 zu Engelen, studierte in Leiden, wurde bald Kommis bei dem Staatsrat, später Kommissekretär, Mitglied der Zweiten Kammer, dann 187? Minister für Waterstaat, Handel und Industrie im liberalen Ministerium Kappeyne, trat 1879 mit diesem zurück und wurde wieder abwechselnd Mitglied der Ersten und Zweiten Kammer, bis er im August 1891 im neuen liberalen Ministerium Minister'des Innern wurde. Seine technischen Kenntnisse sind allgemein geschätzt; er bekannte sich zur linken Seite der liberalen Partei; vornehmlich für die Ausbreitung des Wahlrechts werden von ihm Gesetzentwürfe erwartet.
Ta«neulaus, s. Blattläuse.
Tarpon (Silberkönig, Zi O^iops tw-i LLoilles^.
Kc/i/l.), Fisch aus der Familie der Heringe, bis 2 m lang und 100KA schwer, mit kleinen, bürstenförmigen Zähnen am Kiefer, Gaumen und Zunge, einer Knochenplatte an der Kehle, kurzem Zwischenkiefer, vorstehendem Unterkiefer, großen, 8-9 em messenden Schuppen und starkem Silberglanz. Die Rückenflosse steht den Bauchflossen gerade gegenüber, und ihr hinterster Strahl ist in einen gegen den Schwanz gerichteten, ca. 20 cm langen, bajonettförmigen Fortsatz verlängert. Der T. bewohnt den westlichen Teil des Atlantischen Ozeans vom Kap Eod bis Nordbrasilien, östlich bis zu den Bermudas und geht in. der Jugend auch in die Flüsse. Das Fleisch ist grob und rauh, reich an Gräten. Der Fisch hat in neuester Zeit eine gewisse Berühmtheit erlangt, insofern er in! Amerika Gegenstand des Sportes geworden ist. Die' Südwestküste Floridas, besonders St. James City und Punta Rassa, ist das Hauptquartier für den Tarponsport, der mit der Angel betrieben wird.
Tättowierung,s.Anthropologenkongreß,S.31.
Taubftummblinde, s. Dreisinnige.
Taubstummheit (Anthropologisches). Eine erbliche Disposition zur T. existiert zweifellos; jedoch