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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Tierornament - Tierplagen
zu Gebote stehenden Regulationsmittel sind teils willkürliche, teils unwillkürliche. Zu den erstern gehört die Muskelthätigkeit. Wenn ein Mensch der Kälte ausgesetzt ist, strengt er seine Muskeln stärker an, um durch die dadurch herbeigeführte Wärmebildung die vermehrten Verluste zu decken. Hierher ist auch die Herabsetzung der Wärmeabgabe durch Heizung und wärmere Kleidung zu rechnen. Daneben sind aber unwillkürliche Regulatoren wirksam. Unter dem Einfluß der Kälte verengern sich die Blutgefäße der Haut, und mit dem dadurch verringerten Blutstrom verringert sich die Wärmeabgabe nach außen.
Dazu kommt eine durch den Kältereiz angeregte Steigerung der Verbrennungsprozesse im Körper. Wie besonders Untersuchungen von Pflüger und dessen Schülern gelehrt haben, steigt nämlich mit abnehmender Außentemperatur bei Tieren (z.B. Meerschweinchen) die respiratorische Sauerstoffaufnahme und die Kohlensäureausscheidung. Solche Tiere vermögen demgemäß wegen der Steigerung ihrer Wärmeproduktion kalten Außentemperaturen so gut zu widerstehen, daß beispielsweise ein Meerschweinchen nach mehrstündigen: Aufenthalt im Eiskasten dieselbe Körpertemperatur zeigt wie vorher.
Beim Menschen kommt dagegen, wie neuere Untersuchungen von Löwy und Zuntz gezeigt haben, diese Art der Wärmeregulation nur wenig in Betracht.
Der unbekleidete Mensch, den man Temperaturen von 10-12" aussetzt, zeigt meistens ein Sinken seiner Eigenwärme. Dem entspricht die Beobachtung, daß der als Maßstab für die Intensität der Verbrennungsprozesse im Körper dienende Gaswechsel (Sauerstoffverbrauch und Kohlensäureproduktion) sich in der Kälte durchaus nicht immer gesteigert zeigt. Aber selbst wo eine Steigerung der Verbrennungsprozesse vorhanden ist, genügt sie meistens nicht, um den Wärmeabfall zu verhindern. Der Mensch scheint daher mehr auf die willkürlichen Regulationsmittel angewiesen zu sein. Was die durch den Kältereiz bewirkte Anregung des Stoffumsatzes anlangt, die sich bei den warmblütigen Tieren so wirksam erweist, so machen Löwy und Zuntz wahrscheinlich, daß sie in unwillkürlichen, durch die Abkühlung der Haut reflektorisch veranlaßten Muskelkontraktionen ihre Quelle hat. Auch beim Menschen macht sich nicht selten bei der Abkühlung eine solche vom Willen unabhängige Muskelthätigkeit bemerklich, sie äußert sich teils in vermehrter Spannung der Muskeln, teils in Zittern. Nur wo sie vorhanden ist, läßt sich eine Steigerung des Gaswechsels nachweisen; sie ist also auch hier vermutlich die einzige Quelle der von der Haut aus angeregten Wärmeproduktion.
Tierornament, s. Ornament.
Tierplagen. Zur Bekämpfung der ehemals als gö Miche Strafgerichte betrachteten T., welche Felder und Wälder heimsuchen, ist man von den bloßen Verteidigungs- und Sammelmethoden, wie sie in Gestalt von Leimringen gegen die Forstschädlinge, von Fallen und Fanggruben gegen Heuschrecken (vgl. Bd. 18, 2. 412), ja sogar von Magnesiumfackeln und elektrischen Lampen in Verbindung mit Exhaustoren gegen die Nonne (s. d., Bd. 18, S. 647) angewandt würden, in der Neuzeit zu einem mehr den Gang der Natur nachahmenden Verfahren übergegangen, indem man den Kampf ums Dasein, soweit er sich im besondern gegen die Schädlinge richtet, zu verschärfen sucht. Die künstlichen Verteidigungsmittel können immer nur auf die Abhaltung der T. von bestimmten Feldern und Wäldern ausgehen, der Na turkanipf dagegen will die Erfahrung ausnutzen, daß eine im Übermaß auftretende Tierart auch die Ausbreitung ihrer Feinde durch reichlichere Ernährung derselben begünstigt, wodurch sich das Gleichgewicht bald wiederherstellt. So vermehren sich nach Raupenplagen gewisse Schlupfwespen, Harlekin^pinnen, Naubkä'fer verschiedener Arten, die von denselben leben, und ebenso gewisse Schmarotzerpilze, welche die Raupen töten, und auf die letztern, welche leicht künstlich zu züchten sind, hat man seit einigen Jahren im besondern seine Hoffnung gesetzt. Die Methode wurde, soviel bekannt, zuerst von Hallier vorgeschlagen, dann namentlich von Pasteur, aber mit geringem Erfolg beispielsweise gegen die Kaninchenplage Neuhollands angewendet. In neuerer Zeit ist sie aber in verschiedenen Fällen mit besserm Erfolg verwendet worden. So ist es Krassilstschik gelungen, einen für die Kultur der Runkelrübe äußerst verderblichen Rüsselkäfer (OleouuZ puiwtivsnti'i F) durch die Infektion seiner Larven mit den Sporen eines Pilzes (Ikalig, äk Lti'uowr) völlig zu vertilgen, indem von den gezüchteten Sporen ungefähr 8 k^, mit Sand vermischt, mit einem Kostenaufwandvoni OFr. auf den Hektar ausgestreut wurden. Le Moult, der Vorsitzende eines Vereins zur Vertilgung der Maikäferlarven zu Gorron (Departement Mayenne), die daselbst in einer für Feld- und Wiesenwachs bedrohlichen Weise auftraten, versuchte dasselbe Mittel anfangs ohne Erfolg, bis er aus einer von den Engerlingen stark heimgesuchten Wiese mit einem Schimmelpilz besetzte Larven entdeckte, der sich so verbreitete, daß sich die Zahl der befallenen Larven vom Juni bis September von 10 auf 70 Proz. vermehrte und die Grasnarbe sich infolgedessen bald erholte. Giard in Paris bestimmte den Pilz als I^rilr t'ki'ino8H oder I. cinss^, überzeugte sich von seiner Wirksamkeit als Töter der Maiküferlarven und fand eine Methode, auch diesen Pilz auf künstlichem Nährboden zu züchten, um reichliche Sporenmengen zu gewinnen, mit denen man dann wirksam vorzugehen hofft. Giard führt diese Versuche fort, um die Kultur womöglich in Flüssigkeiten zu erreichen, die dann zur Bewässerung des von Engerlingen besetzten Erdreiches benutzt werden soll. Er hofft auch einen Pilz zu finden, der in gleicher Weise der Neb laus den Garaus machen soll, und es hat sich die Untersuchung bei dieser Methode immer zunächst auf die Entdeckung einer spezifischen Pilzform zu richten, welche dem betreffenden Schädling gefährlich wird.
In Algerien, woselbst man sowohl mit Wanderheuschrecken als mit seßhaften Verwandten (s. Bd.
18, S. 412) zu kämpfen hat, führt man schon seit Jahren einen wissenschaftlichen Krieg gegen dieselben, aber bisher nur mit ungenügendem Erfolg.
Eine Anzahl französischer Entomologen, wie Kunckel, d'Herculais, Langlois, Trabut, Brongniartu.a., sind dort teilweise schon seit Jahren thätig, und man hatte zu Imelia ein besonderes Laboratorium eingerichtet und nacheinander die von Osborn (1883) empfohlene Untomoplitora Oaloptkni, die von Metschnikow (1884) empfohlenen Is^iia äestruetor und I. 0i)Iii0Aio«80iä63 versucht, man hat in jüngster Zeit (1891) mit einem von Trabut entdeckten, auf kranken Heuschrecken Auswüchse und Effloreszenzen erzeugenden Pilz (Lotr^tig aei'iäiuium) Versuche angestellt, aber die Überzeugung der betreffenden Forscher neigt gegenwärtig dahin, daß mit Pilzkrankheiten gegen die Heuschrecken wenig auszurichten sein wird.
Dieselben befallen in der Regel nur die altersschwachen und siechen Heuschrecken und erst, wenn sie für