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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Unfallversicherung - Ungarische Litteratur der Gegenwart
Die Einnahmen der Schweizer Unfallversicherungsgesellschaften steigerten sich um mehr als 4 Mill. Fr. innerhalb 4 Jahre, ihr Versicherungsbestand in der Schweiz verdoppelte sich innerhalb dieses Zeitraums.
Diese Gesellschaften schließen sowohl Kollektiv-, als auch Einzelunfallversicherungen ab und nahmen an Prämien für erstere 2,860,000 Frank im I. 1886,! 5,159,254 Fr. im I, 1890 ein, für letztere 2,158.000 > Fr. 1886 und 3,772,987 Fr. 1890. Die finanziellen Ergebnisse der drei Gesellschaften waren 1880-90 <in Frank):
1886
1887
1889
1890
Totalüberschüsse.
- 95698 157950
371424
499 750
643491
Davon Prämienüberschüsse.
- 268787
- 57321
146913
268023
434279
Zusammen: 1576917 52310?
Die sechs ausländischen in der Schweiz thätigen ! Unfallversicherungsgesellschaften wiesen für dort aus (in Frank):
Prämien. Schadenzahlungen.
1886 .. .. 187 670 72140 - 52 3 Proz.
1837 .. .. 179222 167 796 - 93.? 1888 .. .. 270822 195386 - 72.1 1889 .. .. 37860) 257 700 - 68,^ 1890 .. .. 658772 458646 - 69,6 Großbritannien besitzt die größte Anzahl von Nnfallversicherungsgesellschaften, nämlich 32, von denen jedoch einzelne auch die Garantieversicherung betreiben, deren Daten sich nicht ausscheiden ließen -, diese Gesellschaften wiesen für 1889aus 1,126,917 Pfd.
Sterl. Prämieneinnahmen bei 53,2« Proz. Schaden.
Von den Prämieneinnahmen entfällt ein bedeutender Teil auf die Eisenbahnunfallversicherung, wogegen die Einzelunfallversicherung, nämlich jene gegen sämtliche Unfälle, nur geringe Fortschritte macht; weit über die Hälfte der Prämien entfällt auf die Haftpflichtversicherung. Die eigentliche Arbeiterunfallversicherung ist jedoch in Händen der Arbeiterkassen, welche ihren Mitgliedern in Fällen der Krankheit, der Invalidität, des Unfalls 2c. entsprechende Unterstützung gewähren.
Belgien hat bloß eine Gesellschaft, welche die U. betreibt, die Royale Belge in Brüssel; dieselbe verzeichnet die Ergebnisse dieser Branche mit jenen der Lebensversicherung, so daß eine Übersicht nicht möglich ist; die Unfallentschädigungenbetrugen 1889:773,670 Mk.
In Rußland sind es nur Rossija und Pomatsch, beide in Petersburg, welche U. betreiben; die Rossija nahm an Prämien in den Jahren 1888 bis 1891 ein: 96,492, 141,760, 196,679, 246,030 Rubel und bezahlte Schäden 45,0, 51,0, 51,?, 50/i Proz. der Nettoprämien. Pomatsch wurde erst 1883 gegründet und nahm in der ersten, 20monatigen Vetriebsperiode 172,084 Rubel an Prämien ein.
Schweden besitzt fünf Unfallversicherungsgesellschaften, die 1891: 992,736 Kronen an Prämien ein-! nahmen und davon 63,-> Proz. für Schadonzalilunqen verausgabten; außerdem verzeichnen 5 ausländische Gesellschaften für 1889 in Schweden 99,947 Kr. Einnahmen.
In den Vereinigten Staaten von Nord-amerika bestanden 1890 elf Gesellschaften für Unfall-, Garantie- und Glasversicherung; dieselben weisen aus (in Dollars):
1890
1888
Prämienemnahmen
Schuldenzahlungen.
7421587
2656005
6484672
2216118
5687 ^'51
1995362
Die Einnahmen der einzelnen Zweige lassen sich nicht voneinander sondern, auf die Unfallversicherung werden beiläufig zwei Drittel der Gesamtprämien entfallen.
Ungarische Litteratur der Gegenwart. Unter der Einwirkung des seit 1867 wiederhergestellten konstitutionellen Lebens hat die ungarische Litteratur eine wesentlich andre Gestalt anzunehmen begonnen. Nirgends ist der Zusammenhang zwischen politischem Leben und Schrifttum so einleuchtend, so gewissermaßen durchsichtig wie hier. Als im vorigen Jahrhundert unter Maria Theresia und Kaiser Ioseph die durch die langwierigen blutigen Türken- und Bürgerkriege bedenklich entkräftete Nation allgemach zu neuer Kraft gedieh, da galt es, die halbvergessene Landessprache aus dem Munde der Bauern und Geistlichen zu neuem, lwherm Leben zu erwecken, ja es galt eigentlich, den Rahmen für eine Litteratur, eine Schriftsprache, zu schaffen. Nachahmung französischer und deutscher Muster sowie Sprachneuerungen charakterisieren diese Zeit bis nach den Napoleonischen Kriegen. Wie überall in Europa, legte die Restauration auch in Ungarn den Grund zu einer entschiedenen nationalen "Richtung. So wie es im ungarischen Reichstag gärte, so war auch das Losungswort der Litteratur: ^^ Nationalität!< Die Dichter besangen die ruhmreiche Vergangenheit, die Eroberung des Bandes durch die Magyaren, die mit einem Glorienschein umgeben wurde. Man besang die Zeiten der einheimischen Könige, die Größe Ludwigs von Anjou, und besonders um den letzten großen und populärsten ungarischen König, Matthias den Gerechten, bildete sich ein großer Sagen- und Dichtungstreis. Da die Zensur noch allmächtig war, wurde die Nation im Spiegel der Vergangenheit auf eine schönere Zukunft hingewiesen. Die Sprache, der Reim, der Rhythmus waren damals bereits vollkommen ausgebildet. Es war die Zeit der nationalen Romantik. Hieraus entwickelte sich unter den Vorwehen des März die machtvolle politische Lyrik Petö'fis, die mit ihrem begeisterten Schöpfer auf dem revolutionären Schlachtfelde ins Grab sank, denn nach der Niederwerfung des 1848 49er Freiheitskampfes trat die Zensur abermals ihre trostlose Herrschaft an. Trotzdem trieb die Litteratur gerade zu dieser Zeit ihre schönsten Blüten. Abermals war es die Geschichte, in welche die Poesie flüchtete, abermals war die Lyrik voll von durchsichtigen Anspielungen, von einein sanften Humor, der die im stillen hoffende Nation im Ausharren unterstützen sollte. In der schönen Litteratur vereinigte sich damals die ganze Lebenskraft der Nation.
Die Presse Ungarns.
Das neue, geräuschvolle, konstitutionelle und parlamentarische Leben seit 1867 veränderte ziemlich rasch den ganzen Charakter des Schrifttums. Zwei Dinge machten sich alsbald bemerkbar: das reißend schnelle Anwachsen der Tagespresse und das Hindrängen aller nationalen Talente zur Politik. 'Die ungarische Tagespresse, deren Ton und Sprache Kossuths vormärzliches ^68ti I1ir1ai>« geschaffen hatte, war unter der Reaktion auf Ein großes Tageblatt, I'e8ti 5^i)1c)5, beschränkt, das alle hoffenden Patrioten unter seiner Fahne vereinigte. Es war das Organ Franz Deäks und wurde von dem ausgezeichneten Denker und Romancier aus der Schule Balzacs, Baron Siegmund Kemeny, redigiert; Mar Falk schrieb von Wien aus unter der Inspiration des »größten Nngars«, des in der Döblinger Irrenanstalt internierten Grafen Stepyan