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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Viehversicherung (in Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich)
leuthof und Hellerhof wurde z. V. 1872 sämtlicher Dünger von 66 Pferden und 44 Kühen von Wein-.
10 Mk. pro Fuhre iV 30 Ztr. verkauft und mit '^Pferden ausschließlich Latrinendünger von Frankfurt a. M.
Zugeführt.
Die vieh- und stalldüngerlose Wirtschaft wird ohne Verwendung von Stallmist, ausschließlich mit Kunstdünger durchgeführt, daher ohne Zufuhr von organischer Substanz. Diese Wirtschaftsweise kann noch am ehesten auf Sandboden, schwieriger auf Lehm- und Thonboden eingehalten werden; sie hat jedoch unzweifelhaft eine Verschlechterung der physikalischen Äodeneigenschnften zur Folge, welche allerdings unter gewissen Voraussetzungen durch Kalkdüngung aufgehoben werden kann. Beispiele: Rittergut Benkendorf (ein Ackerstück seit 1860), Staatsgut Wingendorf im Königreich Sachsen (13 Hektar seit 1840).
Die v. W. mit ausschließlicher Gründüngung, die Gründüngungswirtschaft, führt die mangelnde organische Substanz dem Ackerlande durch die Aussaat von stickstoffsammelnden Gewächsen und durch die Wurzel- und Pflanzenrückstände von untergepflügten Gründüngungspflanzen (Lupinen, Serradella, Wicke, Sandw'icke, seltener Ölrettich, Senf, dann Inkarnatklee, Wundklee, Bocharaklee :c.) zu. Sie paßt für die meisten Bodenarten und namentlich für abseits gelegene Außenfelder, welche im Zusammenhang mit einer selbständigen Wirtschaft stehen. Die Gründüngung kann übrigens auch bei gebundenen Wirtschaftssystemen (System Schultz-Lupitz) oder bei geringer Viehhaltung (viehschwache Wirtschaft), um die marktlosen Produkte zu verwerten, oder mit billigem Kaufmist, welcher auf leichtem Boden sicherer als Gründünger wirkt, zur Durchführung gelangen, wie dies z. B."auf dem Weilerhof bei Darmstadt und dem Klostergut Oberwartha bei Dresden geschieht.
Vgl. Krafft, Betriebslehre (5. Aufl., Berl. 1892): Dehlinger, Viehlose Gründüngungswirtschaft auf schwerem Boden (das. 1892); Ar not,' Gründüngung und Systeni Schultz-Lupitz auf Lehinboden(das.1890); Küster, Lohnender Ackerbau ohne Vieh (2. Aufl., das.
1889); Märcker. Stallmist oder Kunstdünger? (das.
1890); Schultz-Lupitz, Kalidüngung auf leichtem Boden (4. Aufl., das. 1890).
Viehversicherung. Die V. besitzt in Deutschland größere Ausdehnung als in irgend einem andern Staate, ungeachtet erst ein ganz geringer Prozentsatz des Viehstandes versichert ist. Nach dem deutschen Reichsgesetz vom 23. Juli 1880 ist im allgemeinen für alles auf polizeiliche Anordnung getötete Nutzvieh eine Vergütung aus der Staatskasse zu gewähren. Die Entschädigungen für Tötung rotzkräw ker Pferde sind auf ^^ - ^2, für Tötung der von 5>er Lungenseuche ergriffenen Rinder auf "2-^5 des Wertes, die Beiträge der Besitzer in den einzelnen Provinzen und Staaten nach gewissen Gesichtspunkten verschieden bemessen. Gegen die durch diese Zwangsversicherung nicht gedeckten Schäden kann bei Privatuersicheruugsgesellschaften versichert werden. Der weitaus überwiegende Teil der privaten Viehversicherungsanstalten ist lotaler Natur und unter dem Namen Kuhgi lden (Kuhladen) bekannt.
In Preußen bestanden derartige Lokalvereine:
Zahl
1883 I 4021
1886 ! 4875
Versicherte
Besitzer ^^ Viehstücke
Versichenmgs- Schadensummen zahlungen
Tausende Mark
399501 1025193 j 1422^6 512594 1456189 ! 177975
2688
5751
Ungeachtet der großen Anzahl dieser Vereine hatten dieselben erst 4,4 Proz. des Viehstandes versichert.
Im Großherzogtum Baden bestanden 1888 für:
Zahl
Versicherte
Besitzer ! Viehstücke
Entschädigte
Viehstücke
Pferde ... 14 700 1790 80
Rindvieh .. .. 479 45993 139593 2808
In Baden waren 1888: 2,7? Proz. aller Pferds und 24,4 Proz. aller Rinder bei den Kuhladen versichert.
In Bayern waren 1889: 5 Viehversicherungsanstalten thätig und hatten dort 2,i Proz. aller Pferde, 0,iö Pro Z. aller Rinder versichert; nimmt man für das Schadenverhältnis die gleiche Proportion an, so wurde für 441 Pferde und 178 Rinder Entschädigung geleistet, unversichert fielen dagegen 20,690 Pferde und 121,300 Rinder. Aus den übrigen Staaten fehlen uns derlei Daten. Außer den Kuhladen bestehen in Deutschland 18gegenseitige Anstalten, welche ihre Thätigkeit teils auf größere Landesteile, teils auf ganz Deutschland ausgedehnt haben; dieselben erzielten 1891 folgende Resultate (in Tausenden Mark):
Vcrsiche. rungs« summen Prämicn-gebühren Proz. de präi Schäden r Netto-uen Kosten
Sächsische (Dresden) 25835 957 67.3 33.4
Rheinische (Köln) . 13109 209 M,4
Vrannschweig. .. . 8387 232 81.9 28,3
Zentral (Berlin). . 5 382 90 85,8 29,9
Vaterl. (Dresden) . 5015 210 73.1 25,7 *
Hannover (Ülzen) . 3933 249 80,9 18,1
Badischc (Karlsruhe) 3 781 156 74,2 25,6
Stuttgarter .. .. . 3 476 144 80.9 18,8
10 kleinere Gesellsch.
17 490 614 80,4 24,3
1891 86408 2861 75.2 27,4
Stand
1890 78303 2542 68.0 28.3
1886 56421 1984 68.7 ?
1883 43132 1388 72.9 ?
''' Einschl der Organisationskosten als neue Gesellschaft.
Die Mehrzahl der deutschen Gesellschaften bezahlt normal drei Viertel des Wertes des gefallenen Viehes; währendjedochdie3)iehrzahlimFalleNichtauslangens
der Einnahmen Nachzahlungen von den Versicherten einfordert, verzichten einige auf die Nachschüsse, teilen die Jahreseinnahme in zwölf Teile, wovon jeden Monat ein Zwölftel verbraucht werden darf. Treten in einem Monat mehr Schadenfälle auf, so erhält der einzelne eine geringere Entschädigung bis zur Hälfte des Wertes abwärts. Es ist dies wohl ein einfaches, aber nicht ganz gerechtes System, da die Versicherung nicht als Lottospiel behandelt werden soll. Dazu kommt noch, daß dieses System es ermöglicht, von der Einnahme einen beliebigen Betrag für Spesen, Reservefonds :c. wegzunehmen und erst den Rest in Zwölftel zu teilen. Die betr. Anstalten weisen auch die höchsten Spesen und geringsten Schadenersätze aus.
In Österreich bestehen nur Landesanstalten in Vorarlberg und Mähren, während alle bisher gegründeten Privatgesellschaften in kurzer Zeit Zu Grunde gingen: zuletzt der St. Martin in Marienbad, der nunmehr in Wien zu neuem Leben erweckt werden sott. - In der Schweiz sind zwei deutsche und eine französische Anstalt thätig, welche 1889 zusammen ^l 07,000 Frank an Prämien empfangen haben; lokale Vereine besitzt die Schweiz in großer Anzahl. - In Frankreich betreiben nahezu durchweg wechselseitige Anstalten die V., die 14größern verzeichneten für 1890: 38,386,887 Fr. Versisl M'ungswert, 1,197,750