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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wohnungspolizei - Wolken, leuchtende
die von der französischen Presse immer wiederholte Behauptung, daß Belgien einen geheimen Vertrag mit Deutschland gegen Frankreich geschlossen habe, schrieb er die Flugschrift: I.H U6utia1it6 dei^e.
I<a Vei^iti UL 6t 1a, Granes« (Brüssel 1891).
Wohnungspolizei, s. Gesundheitspflege.
Wolff, 5) Albert, Bildhauer, starb 20.Juni 1892.
9) Sir Henry Drummond, brit. Diplomat, wurde 1889 zum Gesandten in Bukarest und 1892 zum Botschafter in Madrid ernannt.
12) Albert, franz. Schriftsteller, starb 22. Dez.
1891 in Paris.
Wollen, leuchtende. Seit dem Sommer 1885 ist in unsrer Atmosphäre eine früher noch nicht beobachtete Erscheinung sichtbar gewesen, welche seitdem alle Jahre in der Zeit von Ende Mai bis Anfang August regelmäßig wiedergekehrt und von Jesse mit dem Namen »leuchtende (silberne) Nachtwolken bezeichnet worden ist. Zum erstenmal wurde sie in Norddeutschland in der Nacht vom 23. zum 24. Juni 1885 gesehen, in Prag war sie bereits 10. Juni beobachtet, trat aber nicht an jedem wolkenfreien Abend oder Morgen auf, sondern zeigte sich nur in Zwischenräumen von 8-14 Tagen und war dann mehrere Nächte hintereinander sichtbar, bis sie gegen Ende Juli plötzlich verschwand. Seitdem wurden die leuchtenden Nachtwolken alle Jahre in der Zeit von Ende Mai bis Ende Juli oder Anfang August ganz in derselben Weise wie im I. 1885 gesehen. Tadel zeigte die ganze Erscheinung von Jahr zu Jahr eine entschiedene Abnahme, welche sich nicht nur darin geltend machte, daß sie seltener auftrat, sondern auch darin, daß das Leuchten der Wolken in den folgenden Jahren später als in den frühern begann, und daß die Erscheinung nicht mehr wie in den ersten Jahren über den größten Teil des Himmels ausgedehnt war.
Nach der Beschreibung von Jesse zeigt die ganze Erscheinung, wenn sie überhaupt auftritt, folgenden Verlauf: Einige Zeit nach Sonnenuntergang bildet sich innerhalb des Dämmerungssegmentes, d. h. desjenigen Teiles des Himmels, welcher nach Untergang oder vor Aufgang der Sonne von ihren Strahlen beleuchtet wird und als verwaschener Halbkreis im Dämmerlicht erscheint, eine cirrusartige Bewölkung, die sich durch eine ungewöhnliche Helligkeit auszeichnet. Am Abend nimmt die Erscheinung ihren Anfang, wenn sich die Sonne etwa 10" unter dem Horizont befindet und der Dämmerungsbogen eine Höhe von 20" über dem Horizont hat, und bleibt gewöhnlich so lange sichtbar, als die Dämmerung anhält. Morgens ist der Verlauf umgekehrt. Anfänglich sind die Wolken mehr oder weniger über den ganzen Himmel verbreitet, sind aber wenig bemerkbar, bis sich die Erscheinung bei abnehmendem Tageslicht und tiefer unter den Horizont sinkender Sonne allmählich nach NW. zurückzieht, während der Glanz der Wollen zunimmt und seine größte Helligkeit erreicht, wenn sich die Ausdehnung der Erscheinung so weit vermindert hat, daß ihre obere Grenze im NW. nur noch eine Höhe von etwa 15" hat. Tritt das Aufleuchten der Wolken, wie es in densvätern Jahren der Fall war, später als eine Stunde nach Sonnenuntergang ein, so wird die Erscheinung überhaupt nur am nordwestlichen Himmel gesehen.
Im allgemeinen haben die leuchtenden Wolken ein ähnliches Aussehen wie gewöhnliche Eirrus- oder Federwolken, unterscheiden sich aber von ihnen in einem wesentlichen Punkt, an dem sie sofort zu erkennen sind. Wenn Eirruswolken innerhalb des Dämmerungssegmentes vorkommen, so sind sie, mit
Ausnahme von etwa der ersten 15 Minuten nach Sonnenuntergang, dunkler als der Teil des Dämmerungssegmentes, in welchem keine Cirruswollen vorhanden sind, dagegen sind die leuchtenden Nachtwolken immer heller als der sie umgebende Dämmerungshimmel. Außerdem verschwinden gewöhnliche Eirruswolken nicht, wenn sie sich außerhalb des Tännnerungssegmentes befinden, sondern verändern nur ihr Aussehen, indem sie heller erscheinen als der sie umgebende Nachthimmel, wogegen die leuchtenden Wolken vollständig verschwinden, sobald die Grenze zwischen dem Dämmerungs- und dem Nachthimmel über sie hinweggeht und nur der Teil sichtbar bleibt, welcher innerhalb des Dämmerungssegmentes liegt.
Die Farbe der leuchtenden Nachtwolken kann als ein silberartiges Weiß bezeichnet werden, welches in der Nähe des Horizontes in Goldgelb übergeht.
Ein andrer Hauptunterschied zwischen den gewöhnlichen Eirruswolken und den leuchtenden Wolke«: besteht darin, daß, wenn auch die erstern die größte Höhe besitzen, welche bei den gewöhnlichen Wollen überhaupt vorkommt, diese 13 km nicht übersteigt, die leuchtenden Wolken dagegen sich in einer viel größern Höhe befinden. Unter der Voraussetzung, daß das Leuchten der Wolken durch Reflexion der Sonnenstrahlen hervorgerufen wird, und daß das Verschwinden derselben eintritt, wenn der Erdschatten über die das Licht reflektierenden Teilchen hinweggeht, wurde ihre Höhe aus den Beobachtungen der Jahre 1885 und '1886 zu 50-60 km bestimmt.
Aus später angestellten photographischen Aufnahmen ist dieselbe noch größer gefunden worden, und zwar hat sie sich bei Benutzung einer verhältnismäßig kleinen Basis (Berlin-Potsdam) 1887 zu 75km und aus Beobachtungen, die an weiter auseinander gelegenen Orten angestellt wurden, im Sommer 1889 zu 83 km und im Sommer 1890 zu 82 km ergeben. Die Höhe von verschiedenen Punkten der Wolken differieren bei diesen Bestimmungen nur um 3 km, so daß die Annahme gerechtfertigt erscheint, daß ihre Mächtigkeit nicht mehr als einige Kilometer betragen kann. Eine vertikale Bewegung der leuchtenden Wolken war bei diesen Untersuchungen nicht erkennbar, wohl aber eine horizontale, für deren Geschwindigkeit sich verschiedene Werte ergaben. Aus den im I. 1890 gemachten photographischen Aufnahmen wurde für die Richtung der Bewegung die Hauptkomponente von O. nach Westen und ihre Geschwindigkeit gleich 100 m in der Sekunde gefunden und außerdem eine kleinere und veränderliche Komponente in der Richtung des Meridians von N. nach S. bestimmt.
Zu erwähnen ist noch, daß sich das Aussehen der leuchtenden Nachtwolken bei der mit den Jahren eingetretenen Abnahme der Erscheinung auch noch insofern geändert hat, daß gewisse Strukturverhältnisse der Wolken wahrnehmbar geworden sind, die sich als Grat- und Rippenbildungen kennzeichnen lassen und dadurch erklärt werden können, daß die Ansammlung der i Viassenteilchen, durch welche die leuchtenven^tachtwölken erzeugt werden, immer dünner und dünner geworden sind. Die Grate oder Längenstreifen gehen parallel mit der Bewegungsrichtung der Wolken, die Rippen oder Querstreifen stehen auf ihr senkrechtund haben einen mittlern Abstand von 8,9 km.
Nachdem die Erscheinung der leuchtenden Nachtwolken zuerst im Sommer1885 in Deutschland gesehen war, wurden sie später auch in andern Gegenden der nördlichen Halbkugel beobachtet, so im I. 1889 in Nordamerika, Holland, im Kanal, der Schweiz und auch wieder in Deutschland. Von ganz oesonderm