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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wüste (Felswüste: Zirkusthäler, Zeugen)
angeblich weiten Verbreitung des Sandes die Sahara ein trocken gelegter sandiger Meeresboden sein sollte. Zur Stütze dieser Behauptung wurde noch auf die Depressionen der Sahara, das Vorkommen von Salz und Fossilien mitten in der W. hingewiesen, und man schrieb die Kälte der Eiszeit der Wirkung des eintrocknenden Saharameeres zu. Indessen beschränken sich die vermeintlichen großen Depressionen im Innern der Sahara auf eine Fläche von 13,000 <ikin, d. h. etwa der tausendste Teil von Nordafrika; das Wüstensalz stammt aus ältern Perioden der Erdentwickelung, und der Sand ist ein der W. eigentümliches Produkt, das von der Wirksamkeit der in der W. thätigen meteorologischen Kräfte herrührt. Die in der W. so zahlreich vorhandenen versteinerten Muscheln beweisen am allerwenigsten, daß die W. ein Meer war, da sie teilweise Süßwassermuscheln sind, teils ältern Formationen angehören, die aus dem sie umhüllenden Gestein durch einen eigentümlichen Prozeß herausgeschält sind. Im Gegensatze zu den bisher herrschenden Ansichten hat nun Walther durch seine Forschungen in der ägyptischen W. dargethan, daß die Oberflächenformen und Bildung der W. eine Wirkung der spezifischen Wüstenkräfte sind. Keine einzige der oft so rätselhaften Erscheinungen in der W. verlangt die Annahme von meteorologischen Kräften, welche der heutigen W. fremd sind. Nach der vorherrschenden topographischen Gestaltung und den verbreitetsten Ablagerungen zeigt die W. verschiedene Ausbildungsformen, die vier Typen unterscheiden lassen: 1) Felswüste, i^) Kies wüste, 3) Sandwüste, 4) Lehmwüste. Hervorgegangen sind die Kies^ wie Sand- und Lehmwüste aus den Felswüsten, jenen mächtigen tzochgebirgsländern, die sich von Arabien bis nach dem Atlas erstrecken, und die durch die denudierenden Kräfte stellenweise in eine felsige Ebene verwandelt sind, welche entweder mit Kies oder mit Sand oder Lehm bedeckt ist.
Im Grunde hätte man danach nur zwei Wüstenalten zu unterscheiden, nämlich bergige und ebene W.; letztere besteht entweder aus nacktem Fels, oder es lagert auf diesem eine Decke von Kies, Sand oder Lehm. Jedoch entspricht diese Einteilung der Wüsten ziemlich genau den Typen, welche die Beduinen unterscheiden, so daß es in anbetracht der immerhin bedeutenden Ausdehnung, welche die Sandbedcckung in der W. hat, berechtigt erscheint, die Sandwüsten als besondern Typus auszuscheiden. Demnach umfaßt
1) Felswüste: Tschebel; Tasili, Plateau Wcstsahara; Room. Innerarabien; Charaschaf, für zerrissene Felsen in der Libyschen Wüste.
2) Kieswüste: Serir, runde Kiesel, flachgewellte Flächen; Hamada, scharfkantige Steine, gewöhnlich in rötlichen Lehm eingebettet und Hochebenen bedeckend.
3) Tandwüste: Erg, westliche Sahara; Igidi, westliche Sahara; Areg, östliche Sahara; Nefüd, Innerarabien; Ramle,
Sandebene.
4) Lehmwüste: Sebcha, westliche Sahara; Schott, Tunesien; Djefdjef, in der Oase Sokna, für polygonal zersprungene Lehmflächen gebraucht.
Eine der auffallendsten Oberflächcnformen der Fels wüste, soweit diese aus geschichteten, unoislozierten Gesteinen besteht, sind die Zirkusthäler.
Die Thäler bestehen nicht etwa aus einer gleichmäßig verlaufenden Erosionsrinne, sondern es sind ursprünglich isolierte, zirkusartige Mulden, rings von steilen Wänden umschlossen, welche erst später durch die erodierende Kraft gelegentlich fließender Bäche miteinander zu einem Thalsystem verbunden sind. Die Entstehung dieser Vertiefungen im Gebirge ist nicht
auf die erodierende und transportierende Wirkung von Wasser und Eis zurückzuführen, da diese beiden Faktoren an die Schwerkraft gebunden find und aus einem rings umschlossenen Thalkessel den Gesteinsschutt nicht zu entfernen vermögen. Die der W. eigentümlichen denudierenden Kräfte sind dagegen die chemische Verwitterung, die Insolation und in höchstem Maße der Wind (s. Denudation). Die beiden erstgenannten Faktoren zersprengen und zerkleinern das feste Gesteinsmaterial, der Wind hebt die leichtesten Partikel auf und trägt sie, solange seine Kraft reicht; je tiefer die Mulde wird, desto heftiger wirbelt der Wind darin. Eine andre Erscheinung, die ebenfalls nur durch das Wüstenklima ihre Erklärung findet, sind die sogen. Zeugen. In fast allen Teilen der W. gibt es weite Tafelgebirge, die häufig aus mehreren Stufen übereinander bestehen
Fig. 1. Zeugenlandschaft bei Guelb el-Zergonr.
und mit steilen Rändern zur nächst niedern Terrasse abfallen. Kleinere Tafelberge sind ihnen vorgelagert, die einst mit den größern Massen zusammenhingen, jetzt aber von ihnen durch tiefe, bis zur umgebenden Tiefebene herabreichende Einschnitte getrennt sind.
Diese Vorberge bezeichnet man mit dem bekannten technischen Ausdruck als Zeugen, da sie angeben, wie weit sich früher das Tafelgebirge als zusammenhängende Masse ausdehnte. Zeugen kommen in der W.in den verschiedensten Größen- und Höhenverhältnissen und in den mannigfaltigsten Entwickelungsstadien vor (Fig. 1). Die Bildung derselben ist vor allem von der Wechsellagerung härterer Bänke
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Fig. 2. Thalsystem des untern Wadi Dugla.
mit weichern Gesteinsschichten abhängig. Die Höhe der Zeugen entspricht der Mächtigkeit der weichern Schichten zwischen zwei härtern Felsbänken. Dieselben sind verschieden hoch, je nach der Anzahl der härtern Bänke zwischen den weichern Schichten, sie sind hoch, wenn nur wenig harte Bänke vorhanden sind, und niedrig, wenn letztere häufiger auftreten.
Diese Zeugen bilden das Spiegelbild der Wüsien! thäler mit ihren Amphitheatern und Zirkusthälern.
Die Eigentümlichkeiten eines solchen Thales läßt die vorstehende Kartenskizze eines Abschnittes des Thal-