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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

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Wüste (Kieswüste: Bildung der Schutzrinde)
und aus der felsigen W. ist eine wellige Wüstenebene geworden, die je nachdem mit Kieseln, Sand oder Lehm bedeckt ist und als Kies-, Sand- oder Lehmwüste bezeichnet wird. Die interessantesten Erscheinungen bietet von diesen jedenfalls die Kies wüste (Fig. 7). Dieselbe ist auf weite Strecken hin entweder mit scharfkantigen Steinen bedeckt oder mit glänzenden, rund geschliffenen Kieseln übersät, zwischen denen meistens feiner Quarzsand verteilt liegt; die Farbe der kieseligen Steine ist braun oder schwarz. Der letztere Typus, den man als »Serir« bezeichnet, ist in der. Libyschen W. westlich vom Nilthal besonders entwickelt; die scharfeckigen Steine finden sich dagegen auf den Hochflächen der Vamada in Nordafrika. Mit dem Wechsel der Oberflächenform ändert sich aber auch die Intensität derdenudierenden Kräfte, die mechanische Erosiondes Wassers und die chemische Verwitterung treten Zurück und Insolation, Wind und Sandgebläse sind in erster Linie thätig. Durch diese Kräfte werden alle weichern Gesteinsmassen fortgeschafft, nur die widerstandsfähigsten bleiben zurück und häufen sich in immer größern Massen an. Zu letztern gehören aber vor allem die Kieselgerölle und der Quarzsand. Härteunterschiede finden sich nun in
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F-iq. 7. Kirswii'te.
den in der W. abgelagerten Formationen ebenso zahlreich wie in allen cmdern Gegenden, sie werden bedingt durch Einschaltung von härtern Kalkschichten, Konkretionen, Versteinerungen u. dgl. Diese härtern Partien werden aus der weichern Umhüllung allmählich herausgeschält und bilden, indem sie sich immer dichter anhäufen, jene Kiesflächen, die in der Libyschen W. als Serir bekannt sind. Der Serir ist also nichts weiter als eine durch Sandgebläse eingeebnete Felsmasse, deren einstiger, vielverteilter Gehalt an Kieselgesteinen gesammelt zurückblieb, während alle weichern Felsteile zerstört und entführt wurden. Aber selbst diese härtern Teile unterliegen noch in eigentümlicher Weise der fernern Einwirkung des Sando.ebläses, indem sie poliert und abgerundet werden. Das Material, vermittelst dessen diese Erscheinungen hervorgerufen werden, liefert der zwischen den Steinen verteilte Quarzsand. Bei scharfem Winde wird derselbe gegen die Kieselsteine geschleudert, wodurch letztere geglättet und gerundet werden.
Dadurch erhalten alle Steine mit der Zeit das Aussehen, als wenn sie mit Firnis oder Fett überstrichen wären. Dieser abschleifenden Wirkung des Flugsandes arbeitet die Insolation entgegen. Durch die starke Erwärmung der Steine bilden sich Sprünge in denselben, welche mit der Zeit den Stein zersprengen und in scharfkantige Stücke zerlegen. Je nach dem verschiedenen Widerstand, welchen ein Gestein der Insolation oder dem Sandgebläse entgegensetzt, entstehen in der Kieswüste die verschiedenen Typen in der Form der Steine. Bei dem Serir ist es die Abrundung durch den Sand, bei der Hamäda das Zersprengen in scharfkantige Stücke, welche überwiegt.
Fig. 1 der Tafel zeigt die Wirkungen der Deflation, wie sie in der Nähe der Pyramiden von Gizeh be obachtet werden, in der Ausfurchung einer Hohlkehle in der weichern Gesteinsfchicht, über welche die härtere Kalkbank hinwegragt. Fig. 2 der Tafel stellt einen Porphyrgang im Granit des Wadi Feirän dar, der durch Insolation in einen Haufen scharfkantiger Steine zerfallen ist. Häufig werden die ganz von Sprüngen durchsetzten Blöcke nur durch den umgebenden Sand noch zusammengehalten und würden bei einer Lagenveränderung der Umhüllung sofort in Stücke zerfallen. Eine auffallende und noch nicht genügend erklärte Erscheinung ist die braune bis schwarze Farbe, welche sich auf vielen Steinen und Felsen der W. findet. Sie bildet sich auf Kalk so gut wie auf Kieselgesteinen und hat die Folge, daß die mit ihr versehenen Steine härter und widerstandsfähiger sind als andre, welchen diese Farbe fehlt.
Mit den durch die Verwitterung bedingten Vorgängen steht diese Erscheinung nicht in Verbindung, sie bietet im Gegenteil den Steinen einen Schutz gegen die Angriffe der Atmosphärilien und kann deshalb am besten als Schutz rinde aufgefaßt werden. Die Bildung diefer Schutzrinde ist in allen Wüstengebieten der Erde sehr verbreitet und steht mit der Eiaenfarbe des Gesteins in keiner Beziehung, farbige Sandsteine tragen die braune Rinde in gleicher Weise wie gelber Kalk oder weißer Feuerstein. Dagegen waltet eine bestimmte Beziehung ob zwischen der Intensität der Färbung und dem Kieselsäuregehalt des Gesteins, insofern als die Farbe um so dunkler, je reicher das Gestein an Kieselsäure ist. Eine chemische Analyse einer solchen Rinde auf Sandstein ergab als wesentliche Bestandteile Eisenoxyd und Manganoxydul. Im allgemeinen ist Kalk hell biö dunkelgelb, Sandstein und Dolomit dunkelbraun, mancher Granit, Jaspis, Feuerstein schwarz gefärbt.
Häufig kann man auch die Beobachtung machen, daß an freiliegenden Blöcken die obere, dem Sonnenlicht ausgesetzte Seite dunkler gefärbt ist als die beschattete'Unterseite. Daraus kann man wohl schließen, daß die braune Schutzrinde eins durch das Wüstenklima bedingte Erscheinung ist, deren Bildung noch gegenwärtig vor sich geht; die Felsenblöcke in den Steinbrüchen von Turra, aus denen das Material zum Bau der Pyramiden von Gizeh genommen wurde, haben im Laufe von vier Jahrtausenden die Bräunung angenommen, und an den Felsquadern auf dem Gipfel der Cheopspyramide zeigen sich die ersten Anfänge einer solchen Bildung. Höchst sonderbar ist nun aber, daß an vielen Stellen diese oberflächliche Schutzrinde durch einen spätern Vorgang wieder entfernt wird, wodurch eine ganz merkwürdige Erscheinung bedingt ist. Durch einen unerklärlichen Vorgang werden nämlich vertikale Streifen von der braunen Kruste losgelöst, an denen die in der W. stets vorhandenen Kräfte der Insolation, des Windes und Sandgebläses von neuem ihre Arbeit beginnen.
So entstehen immer tiefer werdende Mulden, welche sich im Innern des Felsens seitlich erweitern. Vereinigen sich mit der Zeit mehrere benachbarte Höhlen, so bildet sich hinter den stehengebliebenen gebräunten Säulen ein langer Gang, der durch eine Reihe von Löchern mit der Außenwelt in Verbindung steht.
Die ganze Erscheinung ist nicht unähnlich einem Tunnel, der im Innern einer Felswand sich hinzieht und von dcm aus wie bei der Achsenftraße Löcher seitwärts durchgebrochen sind. In solcher Weise sind oft hohe Felswände auf eine Entfernung von Kilometern in mehreren Reihen übereinander von Höhlen und Gängen durchbrochen. Die Weite der Gänge und Löcher ist verschieden, bisweilen aber