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Meyers Konversationslexikon

Autorenkollektiv, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig und Wien, Vierte Auflage, 1885-1892

Schlagworte auf dieser Seite: Zelewsky; Zelle

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Zelewsky - Zelle

ist auch die Bereitung von Wein und Branntwein.

Ausgeführt werden Eisen, Ziegenfelle, Weintrauben, Rosinen, eingeführt Weizen, Bohnen, Olivenöl, Petroleum, Leinenzeug, Seife, Eisenwaren etc. Der Viehstand ist, von Ziegen, Eseln und Mauleseln abgesehen, unbedeutend, ebenso der Ackerbau. Dagegen ist die Umgegend reich an Wein, Obstbäumen und prächtigen Wäldern, ebenso an Rebhühnern, auf die viel Jagd gemacht wird. Z. hieß ursprünglich, vielleicht schon im 12 Jahrh., Ulnia und erhielt seinen jetzigen Namen erst im 16. Jahrh. Als die Türken Ende des 15. Jahrh. Kilikien eroberten, hielt es sich unabhängig und zahlte erst später, aber nur unregelmäßig, 60,000 Piaster jährlichen Tribut. So erfochten die Armenier von Z. 1859 und 1862 entscheidende Siege über die türkischen Truppen, und noch 1872, 1878 und 1884 kam es zu Unruhen. Jetzt zahlen sie regelmäßigen Tribut, haben es aber durchgesetzt, daß ihr Kaimakam und ihre Polizei armenischer Nationalität sein müssen.

Zelewsky, Emil von, Kommandeur der kaiserlichen Schutztruppe in Deutsch-Ostafrika (Bd. 18), fiel 17. Aug. 1891 bei einer Expedition in das Innere in einen Hinterhalt der Wahehe und fand nebst mehreren deutschen Offizieren den Tod.

Zelle. Die Kenntnis von den Lebenserscheinungen der Z. hat neuerdings sehr wesentliche Fortschritte gemacht. Als eine Errungenschaft von hervorragendem Interesse sind die Resultate über die an den Zellen sich abspielenden Bewegungsvorgänge und, im Zusammenhang hiermit, die Aufschlüsse über die Struktur des Protoplasmas anzuführen. Hauptsächlich an einzeln lebenden nackten Zellen, also in erster Linie bei den Protozoen nimmt man solche Bewegungen wahr, die sich hier im einfachsten Fall als ein Fortfließen der ganzen Zellenmasse auf irgend einer festen Unterlage darstellen oder in einen fortwährenden Gestaltenwechsel bestehen, derart, daß an beliebiger Stelle der Zellenleib einen Fortsatz aussendet, der sich in der wechselndsten Weise vergrößern und verzweigen kann, bis ein andrer an seine Stelle tritt. Weniger leicht sichtbar als diese sogen. amöboide Bewegung gewisser isoliert lebender Zellenarten, welche sowohl zur Ortsveränderung als auch zur Nahrungsaufnahme dient, sind die hier langsamern, dort raschern Strömungen und Schiebungen, welche sich auch in äußerlich fest umgrenzten Zellen im Innern des Plasmas fortwährend abspielen. Bisher schien keine Möglichkeit zu bestehen, diese Bewegungsvorgänge auf physikalische Gesetze zurückzuführen; vielmehr glaubte man dieselben als eine spezifische Qualität der organisierten, lebenden Materie ansprechen zu müssen. Erst die neuesten Forschungen, besonders von Bütschli, haben diese Meinung als irrtümlich nachgewiesen. Es gelang nämlich, ähnliche Bewegungen an nicht organisierten, künstlich erzeugten Körpern hervorzubringen. Um solche Gebilde herstellen zu können, war aber wiederum eine genaue Kenntnis der Struktur des Protoplasmas Voraussetzung. Während man dieses früher für eine ganz homogene Substanz gehalten hatte, ließen die verbesserten Mikroskope daran eine Zusammensetzung aus zweierlei Bestandteilen erkennen, deren gegenseitige Anordnung am besten durch den Vergleich mit einem Seifenschaum anschaulich gemacht werden kann. Der eine, zähere Bestandteil des Protoplasmas entspricht dem von der Seifenflüssigkeit geformten Wabengerüst, der andre, flüssigere der in dem Seifenschaum eingeschlossenen Luft. Die Versuche, protoplasmaartige Bewegungen experimentell zu erzeugen, mußten also zunächst dahin zielen, Schaumkörper von der Konsistenz und der außerordentlichen Feinheit des Protoplasmas herzustellen. Und dies gelang in der That. Wenn man Tröpfchen von Olivenöl, welches schwach seifenhaltig ist, in Wasser bringt, so zieht die Seife Wasser an, und die dadurch entstehende wässerige Seifenlösung scheidet sich im Innern des Öltropfens in Gestalt äußerst kleiner Tröpfchen aus, welche der flüssigen Substanz des Protoplasmas entsprechen, während die zwischen den Tröpfchen übrigbleibenden Ölwände dem dichtern Plasmabestandteil zu vergleichen sind. Bringt man solche Ölschaumtropfen in geeigneter Weise in verdünntes Glycerin, so zeigt sich unter dem Mikroskop die merkwürdige Erscheinung, daß sie hier ganz nach Art lebender Zellen zu strömen beginnen, wobei sich noch die weitere Übereinstimmung ergibt, daß Wärme die Schnelligkeit der Strömung hier wie dort erheblich steigert. Man glaubt, diese Bewegungserscheinungen in der Weise erklären zu können, daß an irgend einer Stelle des Ölschaumtropfens einige der minutiösen Schaumwaben platzen, und daß nun durch den hier erfolgenden Austritt von Seifenlösung die Oberflächenspannung an dieser Stelle herabgesetzt wird, was ein Hervorwölben derselben zur Folge haben muß. Dadurch muß ein Zufluß von Schaummasse zu dieser Stelle der Oberfläche hervorgerufen werden, und dieser wird wieder zum Platzen einiger Waben Veranlassung geben, wodurch ein kontinuierliches Fortströmen in der gleichen Richtung hervorgerufen wird. Ob nun diese Erklärung auch auf die Strömungserscheinungen der Zellen vollkommen anwendbar ist, mag einstweilen dahingestellt bleiben: sicher ist wenigstens dies, daß die Mechanik der cellularen Bewegungen nicht mehr als etwas der lebenden Materie Spezifisches angesehen werden darf, sondern daß auch diese bisher so rätselhaften Strömungen auf rein physikalischem Wege erklärt werden müssen.

Von noch größerer Bedeutung und Tragweite sind die Errungenschaften, welche auf dem Gebiete der Zellteilung, speziell der Teilung des Zellkerns in den letzten Jahren gewonnen worden sind. Nicht genug damit, daß die in Rede stehenden Vorgänge von allen Lebensäußerungen der Z. weitaus am genauesten erforscht worden sind und somit in das Getriebe der cellularen Lebensvorgänge den klarsten Einblick gewähren, bilden dieselben auch die Grundlage für die Aufhellung eines der dunkelsten und rätselhaftesten Probleme: des Vererbungsproblems. Bei der Betrachtung der Teilungserscheinungen geht man am zweckmäßigsten von dem Zellkern aus, von dessen Substanzen hierbei lediglich das sogen. Chromatin in Betracht kommt. Obgleich nicht die einzige Kernsubstanz, ist das Chromatin doch diejenige, welche in allen Kernen in gleicher Weise angetroffen wird, und vor allem diejenige, deren Schicksale durch alle Phasen des Zellenlebens genau verfolgt werden konnten. Der Name Chromatin stammt von dem spezifischen Verhalten dieser Substanz zu gewissen Farbstoffen. Bringt man nämlich eine Z., nachdem dieselbe in bestimmter Weise abgetötet und konserviert worden ist, auf einige Zeit in die Farbflüssigkeit, z. B. in eine Karminlösung, und darauf in eine farblose, das Karmin lösende Flüssigkeit, so wird der Farbstoff aus allen Teilen der Z. vollkommen ausgezogen, und nur der als Chromatin bezeichnete Kernbestandteil hält denselben fest und sticht nun in roter Farbe von dem farblosen Zellkörper aufs deutlichste ab. Um die Schicksale dieser Sub-