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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Abba; Abbach; Abbadiden; Abbadie; Abbalzen; Abbas

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Abba – Abbâs

Abba (aramäisch «Vater»), in jüd. und altchristl. Gebeten Anrede Gottes (vgl. Röm. 8,15); dann, namentlich in den syr. und kopt. Kirchen, Titel der Bischöfe und Patriarchen.

Abbach (auch Abach), Marktflecken im Bezirksamt Kelheim des bayr. Reg.-Bez. Niederbayern, rechts von der Donau, an der Linie Ingolstadt-Regensburg der Bayr. Staatsbahnen und der Straße München-Regensburg, hat (1890) 1315 meist kath. E., Post dritter Klasse und Telegraph, got. Kirche (1851 erbaut) auf dem Schloßberge; Wollspinnerei, Braunkohlenbergwerke. Die schwach alkalische Schwefelquelle (Abbacher Wildbad) dient zum Trinken und Baden bei verschiedenen Krankheiten, wie Gicht, Lähmungen, Ausschlägen, Uterusleiden. Über A. befindet sich der Wartturm der ehemaligen Heinrichsburg, der Geburtsstätte Kaiser Heinrichs II. In der Nähe das unter Karl Theodor errichtete Löwenmonument. – Bei A. siegten am 19. April 1809 die Franzosen unter Davout über die Österreicher unter Erzherzog Karl.

Abbâdiden (falsch: Abaditen), maur. Dynastie zu Sevilla (1023–91). Ihr Begründer, der reiche Kadi von Sevilla Abu-l Kâsim Mohammed aus der Familie der Banu Abbâd, die aus Emesa in Syrien stammte, gelangte während der nach dem Sturze des omajjadischen Chalifates in Andalusien entstandenen Kleinstaaterei als souveräner Fürst an die Spitze des sevillanischen Gemeinwesens (1026–42), obwohl er einen falschen Omajjaden als Hischam II. mit dem Titel eines Chalifen vorschob. Er vergrößerte das Fürstentum Sevilla durch Unterwerfung vieler benachbarter Gebiete. Ihm folgte (1042–69) sein Sohn Abbâd, mit dem Beinamen al-Motadhid, der seine Eroberungen bis Algeciras ausdehnte. Diesem folgte sein Sohn Mohammed, mit dem Beinamen al-Motamid, ein großer Freund der Wissenschaften und Poesie, der 1078 Cordoba und das ganze Land zwischen Guadalquivir und Guadiana eroberte. Gegen den siegreichen König Alfons VI. von Castilien, der durch die Eroberung von Toledo (1085) die mohammed. Staaten in Andalusien bedrohte, verbündete er sich mit den Emiren von Almeria, Granada, Badajoz und Valencia, um durch eine Gesandtschaft die Hilfe des Almoraviden (s. d.) Jussuf ibn Taschfin anzurufen. Der marokk. Fürst leistete diesem Rufe Folge und schlug bei Zallâka (Sacralias) 23. Okt. 1086 Alfons; jedoch, drei Jahre später wieder herbeigerufen, nahm er selbst die mohammed. Kleinstaaten in Spanien für sein eigenes Reich in Besitz und ließ die regierenden Duodezfürsten durch ein Gutachten der ihm ergebenen einheimischen Ulemâ des Thrones für unwürdig erklären. Dies Schicksal war auch über den Fürsten von Sevilla verhängt; die nun angerufene Hilfe des christl. Königs Alfons VI. war nicht im Stande, seinen Untergang zu verhindern. Motamid mußte sich im erstürmten Sevilla 9. Sept. 1091 ergeben und wurde mit seiner Familie nach Afrika gesandt, wo er zu Aghmât 1095 in der Gefangenschaft starb. Die ergreifenden Elegien, in denen der entthronte Fürst sein Geschick beklagt, sind übersetzt von Schack in «Poesie und Kunst der Araber in Spanien und Sicilien», Bd. 1 (Berl.1865; 2. Aufl. 1877). – Vgl. Dozy, Histoire des Muselmans d’Espagne, Bd. 4 (Leid. 1861; deutsche Ausgabe, Bd. 2, Lpz. 1874). Die Quellen für die Abbâdidengeschichte hat Dozy als «Historia Abbadidarum» (2 Bde., Leid. 1846–52) herausgegeben. ↔

Abbadie, Antoine Thomson und Arnaud Michel d', zwei durch ihre Reisen und Forschungen in Äthiopien bekannte Brüder, die Söhne eines franz. Emigranten, wurden zu Dublin, ersterer 1810, letzterer 1815 geboren. Antoine wurde 1835 von der Akademie der Wissenschaften nach Brasilien gesandt, ging 1836 nach Ägypten, von da, in Begleitung seines Bruders Arnaud, der 1833–36 bereits Algerien bereist hatte, nach Äthiopien. Während Arnaud, mit dem Studium der Sprachen und Sitten beschäftigt, im Lande blieb, kehrte Antoine Anfang 1839 nach Frankreich zurück, um sich besser mit Meßinstrumenten auszurüsten. Erst im Juni 1842 gelang es ihm, Gondar wieder zu erreichen. Er betrieb nun teils allein, teils mit dem Bruder die Erforschung der einzelnen Länder, namentlich Enareas, Gallas, eines Teils von Kaffa und des Quellgebietes des Uma (s. Beke, Charles Tilstone). 1848 kehrten die Brüder mit reichen Sammlungen nach Frankreich zurück, wo Antoine deren Bearbeitung unternahm, während Arnaud 1853 auf ein Jahr nach Äthiopien zurückkehrte. Antoine wurde 1867 zum Mitglied der Akademie erwählt. Von ihm erschien nach einem vorläufigen «Résumé géodésique» (Lpz. 1859) das große Werk: «Géodésie de la Haute Étiopie» (Par. 1860–73), und «Observations relatives à la physique du globe faites au Brésil et en Éthiopie par Antoine d’A. rédigées par R. Radau» (ebd. 1873). Von seiner Sammlung äthiop. und amhar. Handschriften mit 234 Nummern gab Antoine eine Beschreibung im «Catalogue raisonné de manuscrits éthiopiens» (Par. 1859), vom «Pastor» des Hermas den äthiop. Text samt lat. Übersetzung in den «Abhandlungen für die Kunde des Morgenlandes», Bd. 2, Heft 1 (Lpz. 1860). Auch die Broschüre «L’Abbyssinie et le roi Théodore» (Par. 1868) ist erwähnenswert. Von seinen Vokabularien etwa 30 abessin. Sprachen sind nur Bruchstücke veröffentlicht; dagegen erschien ein ausführliches «Dictionnaire de la langue Amariñña» (Par. 1881). Arnaud d'A. veröffentlichte «Sur le tonnerre en Éthiopie» (1859), «Travaux récents sur la langue basque» (1859) und «Douze ans dans la Haute Éthiopie», Bd. 1 (Par. 1868).

Abbalzen, s. Balzen.

Abbâs, Oheim des Propheten Mohammed, dessen Vater Abdallâh der Bruder des A. war, wurde als Sohn des Abd el-Muttalib ibn Haschim um 566 n. Chr. von der Nutaila in Mekka geboren. A. bekleidete die in seiner Familie erblichen hohen Ehrenämter bei dem Nationalheiligtum der Kaaba und der Wallfahrt zu demselben. Als Mohammed den Islam zu verkündigen begann, wandte A. sich der neuen Lehre nicht zu, obwohl er nicht zu den fanatischen Feinden derselben gehört zu haben scheint. Erst nach der Schlacht bei Bedr (624), in der die Anhänger des Propheten einen glänzenden Sieg errangen und A. selbst gefangen genommen wurde, bekannte er sich offen zum Islam und leistete der Sache Mohammeds manchen guten Dienst in Mekka. Nach der Eroberung blieb er in der Umgebung des Propheten und nahm an den fernern Kämpfen des Islams gegen die Heiden Anteil. A. ist der Ahnherr des Chalifengeschlechts der Abbâsiden, das mit Adû-l Abbâs Abdallâh, dem Urenkel des A., 750 den Thron der Chalifen bestieg und 1258, mit Mustaßim, von den Mongolen gestürzt ward. Nach dem Sturze des Chalifates von Bagdad verpflanzte sich die abbâsidische Chalifenwürde nach Ägypten, wo

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 17.