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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Abbisse; Abbitte; Abblasehahn; Abblasen; Abblatten; Abbot; Abbotsford; Abbott; Abbrände

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Abbisse - Abbrände

die Schlinge wird ein für allemal nur so fest angelegt, daß die Blutgefäße zusammengepreßt werden und eine völlige Stockung der Ernährungssäfte und brandiges Absterben eintritt; oder endlich die Schlinge wird in Pausen von einem oder zwei Tagen fester und fester angezogen, wodurch zuerst eine Säftestockung, weiterhin aber eine allmähliche Durchschnürung des Gebildes erreicht wird. Die erste Methode ist im allgemeinen die zweckmässigste und gefahrloseste. Sie erfordert, wenn es sich nicht um sehr kleine und sehr weiche Gebilde handelt, ein besonderes Instrument, den Ecraseur (s. d.). Eine ähnliche Wirkung erzielt man mit der galvanokaustischen Schneideschlinge (s. Galvanokaustik). Die beiden andern Methoden sind lästiger, weil bei ihnen die Operation länger dauert, der Druck der Schlinge (Ligatur) oder die eintretende Entzündung oft sehr schmerzhaft ist, auch jedes erneuerte Anziehen der Schlinge neue Schmerzen verursacht. Man wendet das A. besonders an, wo der Reichtum des Gebildes an Blutgefäßen bei der Operation mit Messer oder Schere eine starke und schwer zu stillende Blutung herbeiführen würde (an After, Zunge), ferner an Stellen des Körpers, die für schneidende Instrumente schwer zugänglich (Rachenhöhle, Gebärmutter u. s. w.) sind, dann bei blutarmen Personen, denen schon eine geringe Blutung schädlich sein könnte, endlich bei solchen, die Scheu vor jeder blutigen Operation haben. Sehr geeignet für das A. sind Gebilde, deren Basis stielförmig ist, wie viele Polypen. - Bei Cement, Mörtel, Gips u. s. w. bedeutet A. soviel wie sich erhärten.

^[Abb.]

Abbisse, fälschlich auch Absprünge (s. d.) genannt, die von Eichhörnchen, aber auch von Kreuzschnäbeln abgebissenen Triebspitzen meist älterer Fichten.

Abbitte, Widerruf, Ehrenerklärung, Strafen für Beleidigungen, die noch in neuern deutschen Partikularrechten vorkamen und vom Richter festzusetzen waren. Das geltende deutsche Strafrecht hat sie beseitigt. Eine Klage auf A. findet nicht mehr statt. Die A. kann noch vorkommen in der Form einer Erklärung des Beleidigers dem Beleidigten gegenüber, durch welche jener die Anstellung der Klage abwendet, und es wird hierzu die Gelegenheit und Veranlassung häufig durch die Sühneverhandlung gegeben sein, welche nach Vorschrift des §. 420 der Strafprozeßordnung der Erhebung der Privatklage wegen Beleidigung vorhergehen muß. - Die A. ist hervorgegangen aus dem Bedürfnis, die Genugthuung für Ehrenkränkungen, welche nach röm. Recht für diesen wie für jeden absichtlichen Eingriff in die Privatrechtssphäre in Geld zu leisten war, in der der deutschen Rechtsanschauung entsprechenden Weise zu ergänzen. Der german. Auffassung von der Ehre und ihrer Kränkung erschien diese Sühne nicht ausreichend. A. und Fehde (s. d.) traten ergänzend ein. Ausfluß dieser Anschauung ist der Zweikampf.

Abblasehahn, s. Ablaßhahn.

Abblasen des Dampfkessels, s. Ausblasen des Dampfkessels.

Abblatten, das Abbrechen der Blätter von Rüben und ähnlichen Knollengewächsen vor der Ernte, um sie als Viehfutter zu verwenden. Durch das A. leidet der Ertrag und bei Zuckerrüben der Zuckergehalt. - A. ist auch volkstümliche Bezeichnung für das Abstehen des Ellbogens an der Brust bei Haustieren.

Abbot (spr. äbbott), George, engl. Prälat, geb. 29. Okt. 1562 zu Guildford, studierte und lehrte zu Oxford, wo er 1609 Master of University College wurde, nachdem er 1608 mit dem Großsiegelbewahrer Lord Dunbar nach Schottland gegangen war, um die Vereinigung der schott. Episkopalkirche mit der englischen zu stande zu bringen. Im Jan. 1611 wurde A. zum Bischof von London und im November desselben Jahres zum Erzbischof von Canterbury ernannt. Jakob I. zog ihn in den wichtigsten Staats- und Kirchenfragen zu Rate. A. starb 4. Aug. 1633 zu Croydon; seine Vaterstadt, wo er ein Hospital gegründet, ließ ihm ein Denkmal errichten.

Robert A., Bischof von Salisbury, geb. 1560, Bruder des vorigen, war gleichzeitig mit jenem Professor zu Oxford, erwarb sich durch sein Buch "Antichristi demonstratio" (Lond. 1603) die besondere Gunst König Jakobs I. und verteidigte in der Schrift "De suprema potestate regia" (Lond. 1616) die königl. Gewalt gegen Bellarmin und Suarez. Er starb 2. März 1617.

Charles A., Vater und Sohn, engl. Staatsmänner, s. Colchester (Lord).

Abbotsford (spr. äbbottsfohrd), der berühmte Landsitz des Dichters Walter Scott, in der schott. Grafschaft Roxburgh, rechts am Tweed, in der Nähe der Abtei Melrose (5 km), 4 km im SO. von Galashiels, Jedburgh und Dryburgh, war ehemals ein Bauerngut, Cartley Hole genannt. Walter Scott kaufte 1811 das altertümliche Haus und gestaltete es allmählich zu einem romantischen Wohnsitz im Schloßstil um, mit schönen Anlagen, einer Bibliothek, Altertümern und Gemälden. Mehrere Teile des Gebäudes sind alten schott. Schlössern und Palästen nachgeahmt. Hier starb der Dichter 1832. Das Gut A. umfaßt 5 qkm. Der Baronetstitel der Familie war auf A. gegründet; derselbe erlosch aber schon 8. Febr. 1847 mit dem Ableben des letzten Sohnes von Walter Scott. Das Besitztum gehört seit 1858 der einzigen Urenkelin des Dichters, Mrs. Constable Maxwell-Scott (geb. 1852). Eine Beschreibung von A. zu Lebzeiten Walter Scotts gab Washington Irving in "A. and Newstead Abbey" (Lond. 1835).

Abbott (spr. äbb-), Jacob, nordamerik. Jugendschriftsteller, geb. 14. Nov. 1803 zu Hallowell (Maine), gest. 31. Okt. 1879 zu Farmington, studierte Theologie, war 1825-29 Professor der Mathematik am Amherst College, 1829-34 Direktor der Mount-Vernon-Mädchenschule zu Boston, bis 1836 Geistlicher und privatisierte seit 1838 zu Neuyork in freier Schriftftellerei. Seiner Feder entstammen an 200 Bände aus den verschiedensten Gebieten. Seinen Ruf begründeten die "Young christian series" (4 Bde.), wie er auch mit dem nachgelassenen Werke "The young christian" (mit Biographie und Bibliographie A.s von E. A., Neuyork 1382) abschloß. Seine "Rollo books" (28 Bde.) bilden den Gipfel der amerik. Jugendlitteratur. Dazu kommen: "Harper's storybooks" (36 Bde.), "Little learner series" (5 Bde.), "The Franconia stories" (10 Bde.), "The August stories" u. a. Er suchte den Leseeifer der jungen Amerikaner durch einfache, klare Darstellung aller Wissenszweige zu befriedigen. A.s Richtung fand zahlreiche Nachahmer.

Abbrände, Bezeichnung des bei Erzeugung von schwefliger Säure gerösteten Eisenkieses. Enthält