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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Abessinien

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Abessinien'

wurde geschleift. Nach dem Abzuge der Engländer (Juni 1868) stritten sich sofort die drei mächtigsten Könige Kâsa, Gôbazê und Menilek um die Oberherrschaft. Kâsa fand bei den Engländern Unterstützung; um diese ganz zu gewinnen, schaffte er alle Zölle ab und bot einer engl. Gesellschaft große Strecken Landes an zum Anbau von Baumwolle, Kaffee, Indigo u.s.w. Ihm gelang es, im Juli 1871 den Gôbazê, der ihn angriff, zu besiegen und gefangen zu nehmen, worauf er sich 21. Jan. 1872 zu Axum feierlich zum Kaiser von A. krönen ließ und den Namen Johannes annahm. Er stiftete den Orden vom Siegel Salomos. Obwohl er noch lange mit Unruhen zu kämpfen hatte, entwickelte er doch, infolge der Angriffe der Ägypter, unter der Leitung des Engländers Kirkham bedeutende Kraft und gewann als Schützer des Christentums gegen die Mohammedaner überall an Ansehen. Nachdem schon im Sommer 1872 Munzinger die Landschaften der Mensa, Bilen, Takué, Bedjuk, Marea für Ägypten in Besitz genommen, entsandte der Chediv im Spätherbst 1875 ein Expeditionskorps von 30000 Mann zur Eroberung von Hamasen, während zu gleicher Zeit ein anderes ägypt. Armeekorps von Zeila aus Harrar und die Länder der Somal und Danakil für Ägypten in Besitz nahm, um von da aus dem Menilek von Schoa die Hand gegen Johannes zu reichen. Allein Menilek weigerte sich, mit dem Ungläubigen gemeinschaftliche Sache zu machen, und die in Hamasen schon weit vorgedrungenen Ägypter wurden zuerst 18. Nov. 1875 am Mareb bei Gundet, sodann noch schimpflicher 5. bis 7. März 1876 bei Gura von den durch zahlreiche anwesende Geistliche fanatisierten Abessiniern geschlagen und zur Hälfte aufgerieben. Ungeheure Beute an Gewehren und Kanonen fiel diesen in die Hände. Nach langen Unterhandlungen wurde endlich zu Anfang 1879 der Friede dahin geschlossen, daß Johannes die Grenzprovinz Keren an Ägypten abtrete, Ägypten aber jährlich 8000 Dollars an Johannes zahle. Später brachte Johannes auch Menilek von Schoa zur Unterwerfung unter seine Oberhoheit und vereinigte so alle ehemaligen abessin. Provinzen wieder unter seinem Scepter.

Nach Auflösung der ägypt. Herrschaft im Sudan schlossen Admiral Hewett namens der brit. Regierung und Mason Bei im Namen Ägyptens 3. Juni 1884 zu Adua mit Johannes einen Vertrag, wonach alle Waren, Waffen und Munition von und nach A. freien Durchgang durch Massaua unter engl. Schutz haben, die Bogosländer wieder an A. zurückfallen und der Abzug der ägypt. Besatzung aus Kassala, Amideb und Senhit durch A. gestattet sein sollte. Infolgedessen besetzten die Abessinier die Bogosländer wieder, konnten aber die Grenzgebiete der ägypt. Provinz Kassala nicht gewinnen, weil die Häuptlinge dieser Gegenden aus Furcht vor der abessin. Herrschaft sich lieber den Mahdisten anschlossen. Dagegen gelang es dem König Menilek von Schoa, im Einverständnis mit Johannes, die im Südosten des Landes gelegenen Landschaften Kaffa, Enarea und Gurage sowie Harrar in Besitz zu nehmen und dem abessin. Reiche einzuverleiben. 1885 begannen die Verwicklungen mit Italien, das sich seit 1882 an der Westküste des Roten Meers festgesetzt und 1884 sein Protektorat bis zur Buri-Halbinsel im Norden ausgedehnt hatte. Anfang 1884 begab sich eine ital. Gesandtschaft an den Hof des Johannes, um die Handelsbeziehungen ↔ mit Italien zu regeln und eine größere Sicherheit des Verkehrs an der Ostgrenze A.s zu erzielen. Am 8. Febr. 1885 besetzten die Italiener infolge der Ermordung des ital. Reisenden Bianchi Massaua und traten in den Hewettschen Vertrag ein, worauf im Dez. 1885 die ägypt. Beamten und Truppen nach Sues abzogen. Der ital. Oberbefehlshaber Genè ließ hierauf die Stadt gegen die Landseite hin befestigen und besetzte dieselbe mit 3000 Mann, zum Schutze gegen Johannes, der sich den Besitz des für A. den Eingangshafen bildenden Hafens von Massaua nicht entgehen lassen wollte. Im Jan. 1887 rückten abessin. Truppen unter Ras Alula gegen Massaua vor, denen der Negus mit einem größern Heere im Abstande von neun Tagemärschen folgte. Am 25. Januar griff Ras Alula die vorgeschobenen ital. Posten auf den Höhen von Sahati bei Dogali an und sprengte dieselben unter großem Verluste, aber mit Erbeutung aller Geschütze und vieler Waffen auseinander; nur 82 verwundete Italiener entkamen nach Massaua. Sofort schickte Italien 1000 Mann und später noch 2 Bataillone und 2 Batterien zur Verstärkung, wodurch es auch gelang, die verlorene Stellung wieder einzunehmen und die Abessinier zurückzudrängen. Inzwischen waren die Mahdisten von Westen her gegen Abessinien vorgerückt, wodurch Johannes gezwungen wurde, die Expedition gegen Massaua aufzugeben. Er wandte sich gegen die Mahdisten und lieferte ihnen 7.und 8. März 1889 bei Metammeh in Kalabat eine Schlacht, bei der er selbst sein Leben einbüßte. Nun gelang es dem thatkräftigen Menilek von Schoa, die Oberherrschaft über A. an sich zu reißen und die übrigen Teilkönige zur Anerkennung zu zwingen, worauf er sich im Frühjahr 1890 unter großer Feierlichkeit als Menilek II. zum Negus Nagast von Äthiopien krönen ließ. Schon 1889 hatte Menilek, das Fruchtlose eines Krieges mit Italien einsehend, eine Gesandtschaft nach Italien geschickt und mit dieser Macht einen Vertrag abgeschlossen, worin die Grenze der ital. Besitzungen am Roten Meere endgültig festgesetzt wurde und sich Menilek verpflichtete, nur durch Vermittelung der ital. Regierung mit andern Staaten zu verhandeln; doch kehrte er sich an letztere Bestimmung nicht, worin er von der franz. und russ. Regierung bestärkt wurde. Mit Ras Alula hatte Menilek Ende 1889 und Anfang 1890 noch mehrere Kämpfe zu bestehen.

Litteratur. Außer den Beiträgen, welche die Gebrüder d'Abbadie (s. d.), Heuglin (s. d.) und Munzinger (s. d.) zur Kunde A.s lieferten, vgl.: Bruce, Travels to discover the source of the Nile (5 Bde., Edinb. 1790; deutsch von Volkmann, 5 Bde., Lpz. 1790–92); Salt, Voyage to Abysinnia (Lond. 1814); Combes und Tamisier, Voyage en Abyssinie (4 Bde., Par. 1835–37); Rüppell, Reise in A. (2 Bde., Frankf. 1838–40); Isenberg und Krapf, Journals detailing their proceedings in the kingdom of Shoa (Lond. 1843); Harris, Highlands in Ethiopia including an account of 18 months residence at the court of Shoa (3 Bde., ebd. 1844; deutsch u.d.T.: Harris Gesandtschaftsreise nach Schoa und Aufenthalt in Südabessinien 1841–43, 2 Bde., Stuttg. 1845–47); Lefebvre, Voyage en Abyssinie (6 Bde., mit Atlas, Par. 1845–50); Ferret und Galinier, Voyage en Abyssinie (2 Bde., ebd. 1847–48); Krapf, Reisen in Ostafrika (2 Bde., Kornthal 1858); Stern, Wanderings among the Falashas in Abysinnia (Lond. 1862); Brehm, Ergebnisse einer Reise nach Habesch (Hamb. 1863);

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 39.