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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Absaigern; Absalom; Absam; Absatz

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Absaigern - Absatz

ehemaligen Königreichs Neapel, grenzt im N. an die Marken und Umbrien, im NO. an das Adriatische Meer, im SO. an Apulien, im S. an Terra di Lavoro, im W. an Latium und bildet mit Molise ein Compartimento von 17 273 (nach Strelbitskij 17 008) qkm mit (1881) 1 317 215, (1889) 1 434 351 E., d. i. 83 auf 1 qkm, zerfällt in 4 Provinzen: 1) Abruzzo citeriore oder Chieti im SO. (3092 qkm, [1881] 34 3948 E.); 2) Abruzzo ulteriore 1 oder Teramo im NW. (2875 qkm, 254 800 E.); 3) Abruzzo ulteriore II oder Aquila im W.(6625 qkm, 35 3027 E.); 4) Campobasso oder Molise (4416 qkm, 365 434 E.). Das Hochland der A. bildet den wildesten und höchsten Teil des apenninischen Gebirgssystems mit dem höchsten Gipfel, dem Monte-Corno (2921 m), in der Gruppe des Gran Sasso d'Italia und zeigt die eigentümlichen und außerordentlich malerischen Formen des Kalksteins; die Höhen bilden nach der einen Seite mächtige Wände, nach der andern weniger schroffe Hänge mit trefflichen Matten. Doch sind die Hänge im ganzen ebenfalls steil und durch wilde Schluchten zerrissen. Dagegen zeigt der Subapennin (Monti Sabini), der sich westlich vom Lago-Fucino an den Hauptstock anlegt, einen sanftern, terrassenförmigen Aufbau. Das Klima ist rauh; Schnee bedeckt die Gipfel der Berge vom Oktober bis April und überdauert an geschützten Stellen den Sommer; dichte Wälder von Eichen, Buchen, Ulmen und weiter oben Nadelbäumen krönen die Höhen und bergen Wölfe, Bären, Wildschweine und zahlreiches Dam- und Rotwild. Nur die Thäler sind fruchtbar, Mandel-, Nuß- und andere Obstbäume gedeihen überall, Ölbäume in den tiefern Gegenden. Die Hauptbeschäftigung der Bewohner ist Viehzucht, aber auch der Anbau von Korn, Reis, Gemüse und allerlei Küchengewächsen, von Färberröte, Safran und Wein ist verbreitet. Die Industrie wie die Maulbeer- und Seidenzucht machen gute Fortschritte. Auch bereitet man Pökelfleisch, Würste und vortreffliche Schinken. Militärisch bedeutend werden die A. dadurch, daß in ihnen nur eine, für eine Armee äußerst beschwerliche Heerstraße in das Neapolitanische führt. In neuerer Zeit ist durch eine von Gaeta gegen Norden nach der mittlern Hochebene eröffnete Kunststraße eine wichtige unmittelbare Verbindung des Hochlandes mit dem Tyrrhenischen Meere hergestellt worden. Die Bahnlinie Pescara-Solmona (seit 1873) übersteigt die A. in der Nähe von Popoli und teilt sich bei Solmona in zwei Zweige, deren einer nordnordwestlich über Aquila und Rieti nach Terni (seit 1883) führt, während der andere nach Westen über Avezzano und Tivoli nach Rom (seit 1887) geht und die beiden Meere verbindet. Die Abruzzesen sind ein Hirtenvolk von patriarchalischer Einfachheit, den heimatlichen Gebirgen treu anhänglich, abergläubisch und gastfrei. Das nach der Einverleibung Neapels in das Königreich Italien hier auftretende, von der bourbonischen Reaktion unterstützte Banditenwesen ist seitdem unterdrückt. Über die Kunst in den A. vgl. Bindi, Monumento storici ed artistici degli Abruzzi (Neap. 1889).

Absaigern, metallurgisches Verfahren, s. Saigern.

Absalom, Davids dritter Sohn, ließ seinen Halbbruder Amnon, der A.s rechte Schwester Thamar entehrt hatte, umbringen und floh vor der Rache Davids zu seinem mütterlichen Großvater, König Talmai von Geschur in Syrien, wo er sich drei Jahre lang aufhielt, bis ihm sein Vetter Joab, Davids Feldhauptmann, die Erlaubnis zur Rückkehr auswirkte. Nach Jerusalem zurückgekehrt, wußte er sich bald die Liebe des Volks zu gewinnen und erregte von Hebron aus einen Aufstand gegen David, der sich mit wenigen Getreuen über den Jordan nach dem festen Mahanaim zurückzog. A. ergriff von der Hauptstadt und dem in dieser zurückgelassenen Harem seines Vaters Besitz, und rückte mit einem starken Heere gegen ihn vor. Im Walde Ephraim ward A. völlig geschlagen und kam auf der Flucht um, indem er, unter einer Terebinthe (biblisch Eiche) wegreitend, mit dem Haupte in den Asten hängen blieb und von Joab, gegen des Königs ausdrücklichen Befehl, getötet ward. David beklagte den Verlust des Sohnes tief. Das angebliche Denkmal A.s im Josaphatthale bei Jerusalem ist unecht.

Absam, Dorf in Nordtirol, s. Hall.

Absatz, die durch den Handel vermittelte Überführung der für den Markt erzeugten Güter in den Verbrauch. Je mehr die Arbeitsteilung sich entwickelt, um so weniger erzeugt die einzelne Wirtschaft das, was sie unmittelbar selbst braucht und verzehrt, und um so ausschließlicher sieht sie sich darauf angewiesen, ihre eigenen Erzeugnisse lediglich als Mittel zum Eintausch ihrer Verbrauchsgegenstände zu verwenden. Daher die stets steigende Bedeutung der Handelsvermittelung bei der Zunahme der arbeitsteiligen Massenerzeugung. Durch die Ausdehnung des Verkehrsgebietes und die Vervielfältigung der wirtschaftlichen Beziehungen werden einerseits die Absatzgelegenheiten vermehrt, andererseits aber wird dadurch für die einzelnen Produzenten die richtige Beurteilung der vorhandenen Verbrauchsfähigkeit immer schwieriger, zumal die Größe derselben nicht nach den natürlichen Bedürfnissen der Verbraucher, sondern nach der (bei der Mehrzahl sehr beschränkten) ökonomischen Gegenleistungsfähigkeit derselben zu bemessen ist. Daher werden häufig mehr Güter hergestellt, als A. finden können (s. Überproduktion), und es tritt dann eine Absatzstockung oder Absatzkrisis ein. Nach der abstrakten Theorie der Absatzwege (débouchés), wie sie zuerst von J. B. Say (s. d.) entwickelt wurde, wäre allerdings eine allgemeine, alle Arten der Güter treffende Absatzstockung nicht möglich. Jedenfalls sind solche Stockungen im allgemeinen nur von kurzer Dauer; die Besserung tritt, wenn auch nicht ohne empfindliche Reibungen, durch eine natürliche Gegenströmung ein, welche die einzelnen Zweige der Erzeugung der Verbrauchsfähigkeit besser anpaßt und zugleich die weitere Entwicklung in regelmäßigere Bahnen lenkt. Auch behält im großen und ganzen der Satz seine Richtigkeit, daß die allgemeine Steigerung der Erzeugung die Verbilligung und dadurch auch den A. der Produkte befördert, indem jedes Erzeugnis dann um so leichter seinen Gegenwert findet. Es folgt daraus für das gesamte wirtschaftliche Leben, daß alle Produktionszweige, wie auch Kapital und Arbeit, solidarisch aufeinander angewiesen sind; ferner die Unzweckmäßigkeit künstlicher Produktionsbeschränkungen und Verkehrshemmungen. In betreff des auswärtigen Handels aber ergiebt sich, daß der A. inländischer Erzeugnisse größtenteils abhängig ist von der Aufnahme ausländischer Waren, daß also eine Beschränkung der Einfuhr fremder Waren auch auf den Ausfuhrhandel nachteilig einwirken wird. Daß der letztere nicht nur die Absatzgelegenheiten für die einheimische Produktion vermehrt, sondern auch die Absatzstockungen des Auslandes dem Inlande mehr oder weniger fühlbar macht, ist einleuchtend.