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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Abu Klea - Abûl-Kâsim

Nelson kein Schiff verlor und fünf Sechstel der feindlichen Schiffe fortnahm, machte England zum Herrn des Mittelmeers. – Die zweite Schlacht von A. fand 25. Juli 1799 zwischen der franz. und einer türk. Armee statt. Nach Beendigung des syr. Feldzugs (s. Ägyptische Expedition der Franzosen) landete ein türk. Heer von 18 000 Mann unter Mustapha Pascha bei A. und setzte sich in diesem vom franz. General Marmont, der in Alexandria befehligte, stärker befestigten Orte fest. Bald eilte jedoch Bonaparte mit 5000 Mann Infanterie und 1000 Pferden herbei und schlug in einer mörderischen Schlacht die Türken entscheidend. Am 2. Aug. fiel auch das Fort von A. wieder in franz. Hände.

Abu Klea, Ort in Ägypten, 37 km im NNW. von Metammeh in der Bajudawüste, bekannt durch das Gefecht zwischen Engländern und Sudanesen am 17. Jan. 1885. General Stewart war 16. Jan. mit seinen Truppen vor dem Brunnen von A. K. auf die Sudanesen gestoßen. Diese drangen in das durch ein Verhau geschützte Lager der Engländer ein, wurden aber zum größten Teil niedergemacht.

Abŭla oder Abela, span. Stadt, s. Avila.

Abû l-Alâ al-Ma’arrî, arab. Dichter, Philolog und Philosoph, geb. 973 in der kleinen syr. Stadt Ma’arra bei Hamat, wurde durch die Gedichte des Mutanabbi (s. d.) zur Poesie angeregt. Schon in früher Jugend machte er sich als Dichter bemerkbar, ebensolches Ansehen genoß er als Philolog und entwickelte, obwohl schon als Kind erblindet, eine große schriftstellerische Thätigkeit. Er starb 1057. Der ersten Periode seiner dichterischen Laufbahn gehört sein dem Stile des Mutanabbi nacheifernder Dîwân Sakt al-zand («Sprühfunken») an (hg. in Bulak 1286 der Hidschra; in Kairo 1304 der Hidschra; in Beirut 1884). Aus der zweiten Periode stammt eine Sammlung philos. Gedichte unter dem Namen Luzûm mâ lâ jalzam, die sich im Orient großer Berühmtheit erfreuen. In ihnen hat A. seine dem Denken seiner Zeitgenossen überlegene Lebensauffassung in epigrammatischer Form niedergelegt. Er lehrt edle, selbstlose Moral im Gegensatz gegen Werkthätigkeit, Humanität gegenüber dem herrschenden Konfessionalismus, eifert gegen Aberglauben, Pfaffentum und Autoritätsglauben. Seine Weltflucht steigert sich bis zur Verpönung der Ehe. Seine philos. Gedichte (Bombay 1303 der Hidschra, vollständiger Kairo 1306 der Hidschra) hat zuerst Alfred von Kremer behandelt («Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft», Bd. 29, 30, 31, 38; «Über die philos. Gedichte des A. Eine kulturgeschichtliche Studie», Wien 1888). – Vgl. Rieu, De A. vita et carminibus (Bonn 1843).

Abû l-Faradsch, s. Aghânî und Barhebräus.

Abulfĕda, Imâd al-din Ismâ’il, als Schriftsteller berühmter moslem. Fürst von Hamat, geb. zu Damaskus 1273, stammte aus einer Seitenlinie der kurd. Dynastie der Ejjubiden, genoß in seiner Jugend eine vielseitige Bildung, war jedoch nicht minder im Kriegshandwerk geübt und nahm an mehrern Feldzügen gegen die Kreuzfahrer und Mongolen teil. Er erhielt im Okt. 1310 vom ägypt. Sultan Almalik Alnâßir die Statthalterschaft über Hamat, wurde zwei Jahre später mit dem Titel Almalik al-ßâlih zum Range eines Fürsten erhoben, bis ihm 1320 mit dem Titel Almalik al-muajjad die erbliche Sultanswürde verliehen wurde; er starb 1331. Als Gelehrter und Schriftsteller that sich A. namentlich hervor durch seine bis 1328 reichende «Annalen», von denen Fleischer die «Historia anteislamica» (Lpz. 1831) herausgab, Reiske das ganze Werk mit Ausschluß der vorislamit. Geschichte u. d. T. «Annales moslemici» (5 Bde., Kopenh. 1789‒94), beide arab. und lat. mit vielen Anmerkungen. Das ganze Werk wurde in Konstantinopel (4 Tle., 1286 der Hidschra) gedruckt. Obgleich zum größten Teil nur eine Kompilation aus frühern arab. Geschichtswerken, liefert es doch für die spätern Zeiten wertvolle Daten. Ein zweites wichtiges Werk A.s ist seine Geographie (Takwîm al-boldan), hg. von Reinaud und MacGuckin de Slane (2 Bde., Par. 1837‒40), und von Schier (Dresd. 1842‒45) An Übersetzungen sind zu nennen die deutsche von Reiske (1770‒71 in «Büschings Magazin»), die von Reinaud begonnene und von Guyard zu Ende geführte französische (2 Bde., Par. 1848‒83).

Abulghâsi Behâder, Chan von Chiwa oder Chowaresm, angeblich ein Nachkomme Dschingis Chans, stammte aus einem Seitenzweige der Familie Dschüdschis, die bis Ende des 15. Jahrh. über die Goldene Horde herrschte, wurde 1605 zu Urgendsch geboren, bestieg 1644 den Thron von Chiwa, dankte 1663 zu Gunsten seines Sohnes ab und starb zwischen 1663 und 1664. Nach seiner Abdankung verfaßte er eine genealog. Geschichte der Türken (Schedjeri-i-Turki). Dieses Werk enthält in neun Büchern eine Geschichte des Geschlechts des Dschingis Chan von den ältesten Stammsagen bis auf die Zeit der Abdankung des A. B. herab. Der Anfang ist im wesentlichen ein Auszug aus Raschid, während die spätern Teile auf Originalquellen beruhen, die anderweitig nicht zugänglich sind. Das Werk wurde von einigen schwed. Offizieren, die nach der Schlacht bei Pultawa in russ. Gefangenschaft geraten waren, ins Deutsche übersetzt, danach in der «Histoire généalogique des Tatars» (2 Bde., Leid. 1726) französisch bearbeitet und ist seitdem in mehrere europ. Sprachen übersetzt worden. Eine deutsche Übersetzung besorgte Messerschmid («Geschlechtsbuch der mungalisch-mogulischen Chanen», Gött. 1780), eine russische Sablukow (Kasan 1852); das Original wurde zuerst (u. d. T. «Historia Mongolorum et Tatarorum») 1825 in Kasan gedruckt; eine neue Ausgabe mit franz. Übersetzung und Anmerkungen lieferte Desmaisons (2 Bde., Petersb. 1871‒74).

Abulhassan, jüd. Dichter, s. Juda ha-Levi.

Abulie (grch.), Willenlosigkeit, in der Medizin eine krankhafte geistige Erscheinung, die besonders häufig die Melancholie begleitet. An A. leidende Personen klagen, daß sie nicht arbeiten und zu keinem Entschluß kommen können, während sie doch die Notwendigkeit der Entschließung und des Handelns einsehen. Dadurch unterscheidet sich diese Willenlosigkeit von der der Blödsinnigen, denen Einsicht in ihren Zustand abgeht.

Abûl-Kâsim, Chalaf ibn Abbâs, bei abendländ. Schriftstellern gewöhnlich Albukasis genannt, arab. Arzt aus Zahra bei Cordoba (daher sein Beiname al-Zahrâwî), gest. zu Cordoba 1106 oder 1107. Er ist der Verfasser eines berühmten mediz. Werkes (Altassrif), das Gesamtgebiet der ärztlichen Wissenschaft umfassend, das schon früh in das Hebräische und Catalonische übertragen ward; eine lat. Übersetzung («Liber theoricae nec non practicae Alsaharavii», Augsb. 1519; Wien 1532) ist unvollständig. Ein Abschnitt, die Chirurgie enthaltend, wurde bereits im 15. Jahrh. ins Lateinische übersetzt und im Texte mit lat. Übertragung von Channing («Albucasis de chirurgia», 2 Bde., Oxf. 1778) herausgegeben.

^[Akzente mit gedrucktem Original abgeglichen]