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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Abzehrung; Abzeichen; Abziehbilder; Abziehmaschinen; Abziehstein; Abzug

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Abzehrung - Abzug

welche darauf abzielen, die Zwecke des Abzahlungsgeschäfts in anderer Form (mietweise Überlassung) zu erreichen. A. über Lotterielose und Prämieninhaberpapiere sind strafbar. - Vgl. Höhne, Die gesetzliche Regelung der Raten- und A. (Berl. 1891).

Abzehrung, die im Verlaufe verschiedener Krankheiten eintretende Abnahme der Ernährung, ist ein Symptom, die Folge einer Ernährungsstörung, nicht eine selbständige Erkrankung. Dafür sagt man auch Abmagerung (s. d.), Emaciation, Konsumption, Auszehrung, Schwindsucht, Marasmus, Kachexie.

Abzeichen, beim Militär diejenigen Unterscheidungszeichen an der Uniform, die einem besondern Rang, einer Waffengattung, einem Truppenverband oder Truppenteil eigentümlich sind; ferner die Kennzeichen der einzelnen Chargen in einer Armee und die verschiedenartigen Auszeichnungen einzelner Persönlichkeiten, die einem besondern Kommando angehört oder besondere Leistungen in einzelnen Richtungen aufzuweisen haben. Die deutsche Armee besitzt ein gemeinschaftliches Armeeabzeichen noch nicht; die einzelnen Bestandteile derselben tragen noch die Farben und Wappen der einzelnen Staaten; nur die Marine trägt die deutsche Kokarde. Die A. der Truppenverbände und Truppenteile sind nicht ganz gleichmäßig durchgeführt; im allgemeinen unterscheiden sich die erstern bei der Infanterie durch die Farbe der Achselklappen in Verbindung mit der Paspolierung der Ärmelpatten; die Infanterie der Garde und einige andere Regimenter tragen weiße oder gelbe Litzen an Kragen und Aufschlägen. Die Truppenteile kennzeichnet die Nummer, dieselbe ist aber vielfach durch Namenszüge der Chefs ersetzt. Die Truppenteile der Kavallerie haben sehr mannigfache Verschiedenheiten in Farbe und Form der Anzüge, der Kopfbedeckung u. s. w. Die Uniform der Feldartillerie, Festungsartillerie, Pioniere und des Train ist für jede dieser Gattungen gleichartig und unterscheidet sich nur durch die Nummern auf den Achselklappen. - Über Chargenabzeichen s. d.

Politische A. sind die Zeichen zur Unterscheidung und Erkennung polit. Parteien. Oft sind sie von Zufälligkeiten entlehnt oder aus geringfügigen, jetzt kaum noch zu enträtselnden Umständen entstanden; so der Bundschuh (s. d.) der schwäb. Bauern und der Geusenpfennig (s. Geusen) der Niederländer. Nationaleigentümlichkeiten gaben den Wallisern den Lauch, den Schotten die Distel zum A. Die Farben, die zuerst in Byzanz unter Justinian I. eine große Rolle spielten bei den Parteien der "Blauen" und "Grünen" (s. Byzantinisches Reich), sind in neuerer Zeit die hauptsächlichsten politischen A. In der Französischen Revolution kam die Trikolore (Blau-Weiß-Rot) als Zeichen der Bewegungspartei auf. Nach der Restauration von 1815 war ein Veilchen das A. der Bonapartisten, auch nach dem Sturze des zweiten Kaiserreichs. In Deutschland kamen die angeblichen alten Reichsfarben (Schwarz-Rot-Gold) bei den Burschenschaften und andern patriotischen Vereinigungen als das Symbol nationaler Gesinnung auf (s. Deutsche Farben). In Frankreich wählten in der Revolution von 1848 die Socialdemokraten das Rot zum A. ihrer Partei. Außer den Farben haben die Tracht, der Schnitt des Haars, des Barts u. s. w. vielfach als politische A. gedient. Die engl. Royalisten des 17. Jahrh. trugen lange Locken, während die republikanischen Puritaner kurz geschoren waren und daher den Namen "Rundköpfe" erhielten. In Italien waren als A. der Bewegungspartei Carbonarimäntel, Kalabreserhüte, Garibaldiblusen u. s. w. gebräuchlich. Allgemein gebräuchliche politische A. sind besonders Kokarden, Schleifen und Bänder. (S. auch Nationalfarben.)

Bei den Haustieren, und zwar bei mehrfarbigen Tieren, heißen A. die weißen Stellen am Kopfe und an den Füßen. Man unterscheidet am Kopfe Stichelhaare, wenn vereinzelte weiße Haare, Flocke oder Blümchen, wenn ein kleines Häufchen, Stern, wenn ein dreieckiger Fleck weißer Haare an der Stirn sich findet, Blässe, wenn der weiße Streifen bis zur Oberlippe reicht, und Laterne, wenn der größere Teil des Vorderkopfes weiß ist. Schnippe ist ein weißer Fleck auf der Oberlippe. An den Füßen unterscheidet man weiße Ballen, weiße Krone, weiße Fessel; halb gestiefelt ist ein Pferd, wenn die weiße Färbung bis zur Mitte des Mittelfußes reicht, gestiefelt, wenn der ganze Mittelfuß weiß ist. Erworbene A. sind die weißen Flecke am Kehlkopf (vom Koppriemen) und in der Sattellage (vom Drucke des Sattels).

Abziehbilder oder Abziehdrucke, farbige Druckerzeugnisse, die, zumeist chromolithograpisch, auf ein mit einer leicht löslichen Schicht versehenes Papier gedruckt sind. Wird ein Abziehbild mit der Bildfläche auf einen mit Lack u. s. w. überzogenen Gegenstand angepreßt und dann auf der Rückseite angefeuchtet, so läßt sich das Papier leicht abheben, während das Bild haften bleibt; mit Schwamm und Wasser von noch anhaftendem Schleim befreit und hierauf getrocknet, kann der Gegenstand nochmals lackiert oder poliert werden. Das in den sechziger Jahren von dem Leipziger Buchdrucker Kramer erfundene Verfahren (Metachromatypie oder Dekalkomanie) wird jetzt für Dekorationen aller Art, namentlich aber zur Ausschmückung billiger Massenartikel der Holzgalanterie-, Glas-, Porzellan-, Metall- und Hornindustrie benutzt. Eine Anwendung finden die Abziehdrucke auch für Firmenschilder u. s. w. auf Blech (s. Blechdruck), in neuerer Zeit auch für Holzmaser- und Marmorimitationen in der Anstreicherei. Das wichtigste ist die Präparierung des Papiers, wozu eine Mischung von Stärke, Leim, Gummitragant und feinst gemahlener Kreide dient (Dekalkier- oder Metachromatypiepapier). Der Druck der A. weicht von dem gewöhnlichen lithographischen insofern ab, als man die dunkeln Platten zuerst und die hellen zuletzt druckt. Bei A. für Glasgegenstände braucht man verglasbare Farben, bei A. zur Dekoration von Porzellanwaren einbrennbare Metallfarben. - Vgl. Langer, Die Herstellung der A. (Wien 1888).

Abziehmaschinen, für die Zwecke der Straßenreinigung, s. Straßenreinigung.

Abziehstein (frz. pierre à aiguisier oder à repasser; engl. whet-stone, grinding stone), zum Abziehen der Werkzeuge, namentlich des Grades einer Schneide, z. B. von Tischlern, Drechslern und Bildhauern benutzter Stein. Die besten A., die aus Arkansas stammen, haben ein feines und durchaus gleichmäßiges Korn, sind weßigelb bis silbergrau und an den Rändern nahezu durchsichtig, an den Bruchflächen glatt und ohne Glanz; sie greifen den Stahl scharf an, ohne selbst sichtbar abgenutzt zu werden. Es empfiehlt sich, den Stein vor dem Gebrauch einige Zeit in Olivenöl zu legen und ihn beim jedesmaligen Gebrauch mit solchem zu benetzen. Wegen der Feinheit des Korns und Härte eignen sich die Arkansas-Abziehsteine auch zum Polieren von Stahl.

Abzug, s. Abstrich.