Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Accipieren; Accipiter; Accise; Accius; Acclamation; Acclimatisation

92

Accipieren - Acclimatisation

Accipieren (lat.), annehmen.

Accipiter (lat.), Habicht, Sperber.

Accise (assisia, accisia, cisa), ein Wort von zweifelhafter Herkunft, soll mit dem lat. incisio zusammenhängen, das im Mittelalter, ebenso wie tallia, eine Grundabgabe bezeichnete, die durch Einschnitte in ein Kerbholz kontrolliert wurde, oder kommt vom franz. asseoir her, das auch gegenwärtig noch für Veranlagen oder Umlegen einer Steuer gebraucht wird. Obwohl diese Ableitungen eher auf eine direkte Steuer hindeuten, so bezeichnete man doch von Anfang an, wie auch jetzt noch, mit A. vorwiegend innere Verbrauchssteuern (s. d.), namentlich von feilgebotenen Verbrauchsgegenständen. Solche Steuern bestanden schon im Römischen Reiche und erhielten seit dem 12. Jahrh. in den ital. Städten eine größere Ausbildung. Unter dem Namen A. erschienen sie im 13. Jahrh. namentlich in Belgien (assisia rerum venalium), Spanien (sisa), auch schon in England. In Frankreich war A. für Verbrauchssteuern weniger gebräuchlich. In Deutschland findet man dafür auch die Ausdrücke Zysse und Zeisse, ferner Ungeld (mit Unrecht erhobene Abgabe), Impost (s. d.) u. a. Auch von den Zöllen, die im Mittelalter größtenteils als örtliche Abgaben erscheinen, war die A. ursprünglich nicht zu unterscheiden, weshalb das Wort häufig als gleichbedeutend mit Zoll (teloneum) gebraucht wurde. Ein fest abgegrenzter Begriff war mit dem Worte nicht verbunden. Die ursprünglich nur als Markt- und Thoraccise in den Städten erhobene Abgabe erweiterte sich später zu einer allgemeinen staatlichen Steuer. Ihren bedeutendsten Aufschwung nahm sie im 17. Jahrh., besonders nach dem Vorgange in den Niederlanden. In dieser Zeit erhielt sie auch in England eine größere Ausdehnung; ebenso in Brandenburg-Preußen vor allem seit dem Großen Kurfürsten, welcher 1667 die A. zunächst fakultativ in einer Reihe von Städten der Kurmark an Stelle der direkten Steuer (Kontribution) einführte. 1680 wurde ein staatliches Oberaufsichtsrecht und eine Thorkontrolle geschaffen und das Amt des Steuerrats (s. d.) eingeführt. Später wurde die A. als städtische Steuer von Verbrauchsgegenständen auf die andern Provinzen des preuß. Staates ausgedehnt, bis sie 1810 durch die Hardenbergsche Finanzreform in Preußen aufgehoben wurde. Dem Beispiel Preußens folgte Sachsen und Bayern. Die amtliche Anwendung des Wortes A. auf innere Verbrauchssteuern ist gegenwärtig sehr beschränkt. Sie findet sich noch in England (excise), Rußland (akzis), den Niederlanden. In Baden bezeichnet A. eine Abgabe von Vermögensübertragungen (Liegenschafts-, Schenkungs- und Erbschaftsaccise); in Württemberg ist die A. eine Abgabe von Tausch oder Kauf von Liegenschaften, von Lotterien und andern Ausspielungen, von Theatern und ausgestellten Seltenheiten. Gegenwärtig ist das Wort mehr und mehr außer Übung gekommen. - Vgl. Hüllmann, Deutsche Finanzgeschichte des Mittelalters (Berl. 1805); Zeumer, Die deutschen Städtesteuern, insbesondere die städtischen Reichssteuern im 12. und 13. Jahrh. (in Schmollers "Staats- und socialwissenschaftlichen Forschungen", I, 2, Lpz. 1878); Schönberg, Finanzverhältnisse der Stadt Basel im l4. und 15. Jahrh. (Tüb. 187l)).

Accius oder Attius, Lucius, röm. Dichter, Sohn eines Freigelassenen zu Pisaurum, geb. 170, gest. 90 v. Chr., war besonders berühmt durch seine Nachdichtungen griech. Tragödien. In einigen Stücken behandelte er auch national-röm. Stoffe. Daneben schrieb A. noch über die Geschichte der scenischen Poesie, über das Privatleben und die religiösen Altertümer der Römer, auch über Landwirtschaftliches, gleichfalls in Versen. Die Fragmente seiner Tragödien sammelte Ribbeck in "Scaenicae Romanorum poesis fragmenta", Bd. 1 (2. Aufl., Lpz. 1871), die der andern Schriften von L. Müller in "Lucili saturarum reliquiae" (ebd. 1872).- Vgl. Boissier, La poète A. (Par. 1857); Teuffel, Cäcilius Statius u. s. w. (Tüb. 1858); Ribbeck, Die röm. Tragödie im Zeitalter der Republik (Lpz. 1875).

Acclamation (lat.), der beistimmende Zuruf einer Versammlung, dann besonders eine summarische Abstimmungsweise in beratenden Versammlungen. Wenn in einer Versammlung die Annahme eines Antrags als zweifellos erscheint, so wird häufig eine Entscheidung durch A. vorgeschlagen. Erhebt sich gegen diesen Vorschlag von keiner Seite ein Widerspruch, so wird der in Verhandlung stehende Antrag als durch A. angenommen betrachtet.

Acclimatisation. Die Verteilung der lebenden Wesen auf der Erde hängt neben andern bestimmenden Ursachen vorzugsweise vom Klima ab. Jeder klimatischen Zone gehören besondere Menschen-, Tier- und Pflanzenformen an. Mit der Bestimmung und Begrenzung der Faunen und Floren, welche sich als ein Zusammengehöriges erkennen lassen, beschäftigt sich die Tier- und Pflanzengeographie. Die Grenzen dieser Zonen sind indes durchaus weder scharf gezogen, noch für alle Tiere und Gewächse, die einer Provinz angehören, dieselben. Jede Art hat ein bestimmtes Gesetz für ihre Verbreitung; während die einen nur in sehr engen Grenzen vorkommen und in keiner Weise dieselben verlassen, verbreiten sich die andern über sehr bedeutende Strecken. Seit den ältesten Zeiten hat der Mensch das Bedürfnis gefühlt, sowohl für sich selbst neue Wohnsitze in andern Klimaten zu erringen, als auch Tiere und Pflanzen, die ihm in irgend einer Weise nützlich sein konnten, in solchen Klimaten einzubürgern, welchen sie ursprünglich nicht zugehören. Diese Angewöhnung nun an ein anderes Klima als das heimische nennt man A., die indes stets nur nach einem gewissen Kampfe geschehen kann und bei welcher immer eine Verschiedenheit zwischen den einzelnen Rassen und Arten hervortritt hinsichtlich der Leichtigkeit, womit die Anschmiegung an das neue Klima geschieht. Je größer der ursprüngliche Verbreitungsbezirk einer Art war, desto leichter ist dieser Kampf, desto geringer die durch ihn hervorgerufenen Acclimatisationskrankheiten, unter denen stets ein gewisser Prozentsatz der Eindringlinge zu Grunde geht. In je weniger schroffen Übergängen die Verpflanzung vor sich geht, desto unmerklicher geht die Acclimatisationsperiode vorüber. Unzweifelhaft ist es ferner, daß die veränderten Lebensbedingungen gewisse Veränderungen in den acclimatisierten Arten selbst hervorbringen. So bemerkt man, daß die in Nordamerika eingewanderten Europäer in den folgenden Generationen straffe Haare, einen dünnen langen Hals und magerern Körper erhalten und echte Yankees werden; daß die Haustiere namentlich in der Stellung der Ohren, der Art und Farbe der Haare Änderungen erleiden, was besonders bei der Wolle der Schafe auffällig ist; daß sich die Stimme ändert, wie das Bellen der Hunde und der Gesang der