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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Acherontische Bücher - Achilleus

seinem obern Laufe ein wildes Gebirgsland (das heutige Kakosuli) und tritt durch eine ungefähr 5 km lange Schlucht in die Ebene von Ephyra (später Cichyrus genannt), verliert sich aber bald in den sumpfähnlichen Acherusiasee (die Acherusia palus), dessen Wasser dann zum Hafen Eläa abfließt. Der schauerliche Anblick des die enge, düstere Schlucht durchfließenden Stroms und in der Nähe befindliche unterirdische Grotten, haben veranlaßt, daß der hellen. Volksglaube hier einen Eingang zur Unterwelt annahm, wie auch seit alten Zeiten ein Totenorakel in der Nähe des Sees bestand. Nach ähnlichen Vorstellungen nannte man auch anderswo Seen mit dem Namen Acherusia, so in Arkadien und Campanien. Zwei Flüsse der Unterwelt führen den Namen des A. und seines Nebenflusses Kokytos (Cocytus).

Acherontische Bücher, Religionsbücher der Etrusker, s. Etrurien.

Acheropīta (grch. acheiropoieta, d. i. nicht von [Menschen-]Händen gemachte) nennt man die angeblich auf übernatürliche, wunderbare Weise entstandenen Christus- und Marienbilder.

Acherusia, s. Acheron.

Achery, s. D’Achery, Johann Lucas.

A cheval (frz., spr. asch’wáll), d. h. rittlings einer Straße oder eines lang gestreckten Geländegegenstandes (z. B. eines Wasserlaufs, einer Schlucht) ist eine Truppe aufgestellt, wenn sie zu beiden Seiten derselben steht, so daß ihre Frontlinie annähernd senkrecht von der Straße u. s. w. durchschnitten wird.

Achĭlie (grch.), angeborener Mangel der Lippen.

Achillēa L., Garbe, Schafgarbe, Pflanzengattung aus der Familie der Kompositen (s. d.) mit gegen 100 Arten in der nördl. gemäßigten Zone besonders der Alten Welt. Es sind ausdauernde krautartige Gewächse mit meist stark zerteilten Blättern und kleinen trugdoldenartig angeordneten Blütenköpfchen. Die bekannteste Art ist die gemeine Schafgarbe (A. millefolium L., s. Tafel: Futterpflanzen Ⅱ, Fig. 13), auf Wiesen, Ackerrändern und Triften gemein, mit schwach aromatischem Geruch und salzigem, bitterm und herbem Geschmack. Blätter und Blüten waren offizinell und dienen jetzt noch häufig als Hausmittel. Neuerdings ist sie als Futterpflanze zur Ansäung auf Weiden, namentlich im Gemenge mit Weißklee und Gräsern empfohlen worden, da sie sehr widerstandsfähig ist und jung vom Vieh und Geflügel gern gefressen wird. Die jungen Blätter dienen in manchen Gegenden als Gemüse und zu Kräutersuppen, während die Blüten Zusatz zum Biere bilden sollen. Als Ackerunkraut wird die Pflanze oft sehr lästig. Ferner sind bemerkenswert: A. moschata Wulf, ein kahles, schwach nach Moschus riechendes Pflänzchen der Alpen (namentlich Schweizeralpen), welches nebst zwei andern Alpengarben, der A. atrata L. und der weißwolligen A. nana L., das echte Genippi (Genippi, Genepi) der Schweizer bildet und auch in der Pharmacie als Herba ivae oder Genippii veri als stärkendes Mittel bei Magenschwäche, Diarrhöe u.s.w. verwendet wird. Sie ist ein Bestandteil des Schweizerthees und wird namentlich zur Bereitung des Ivaliqueurs (s. Iva) benutzt, der nebst andern ihrer Präparate viel exportiert wird. Die in Deutschland vorkommende A. Ptarmica L. (Ptarmica vulgaris Dec.), deutscher Bertram, Niesekraut, weißer Dorant, mit linealen, scharfgesägten Blättern und weißstrahligen Blütenkörbchen, wächst allenthalben an Flußufern und kommt als Zierpflanze mit vollen Blütenköpfchen vor. Ihre Blätter und Wurzeln waren früher offizinell.

Achilleïn, ein Alkaloid der Moschusschafgarbe, Achillea moschata Wulf (s. Iva); es ist eine braunrote, amorphe, wasserlösliche Masse, jedenfalls aber kein reiner chem. Körper.

Achilles, griech. Heros, s. Achilleus.

Achillesferse, s. Achilleus.

Achillessehne (Tendo Achillis), der starke, feste, sehnige Strang, welcher, deutlich fühlbar, sich hinten am Unterschenkel von der Wade zur Ferse herab erstreckt. An sein oberes Ende heften sich die Wadenmuskeln an, sein unteres Ende befestigt sich an die Ferse, so daß, wenn sich jene Muskeln durch Zusammenziehung verkürzen, die Ferse in die Höhe, die Fußspitze aber herabgezogen wird, eine Bewegung des Fußes, welche das Gehen (s. d.) vermittelt. Ihren Namen erhielt die A. von dem griech. Helden Achilleus (s. d.). Die Ärzte des Altertums hielten die Wunden der A. für tödlich. Gegenwärtig wird die A. zum Zweck der Verbesserung mancher angeborenen Verkrümmungen des Fußes häufig quer durchschnitten, worauf der Fuß durch Verbände so lange befestigt wird, bis die Wiedervereinigung der durchschnittenen Sehnenenden durch neugebildete Sehnensubstanz erfolgt. (S. Tenotomie.)

Achilles Tatĭus, griech. Romanschreiber im 5. Jahrh. n. Chr., war aus Alexandria gebürtig und wohnte wohl auch dort. Sein Roman «Leukippe und Klitophon», reich an Naturschilderungen, Beschreibungen von Kunstwerken, sophistischen Erörterungen über die Liebe, aber mangelhaft in Anlage und Charakterzeichnung, war eine noch im Mittelalter sehr beliebte Lektüre. Ausgaben von Hirschig in den «Scriptores erotici» (Par. 1856) und von Hercher in dessen «Scriptores erotici», Bd. 1 (Lpz. 1858); deutsche Übersetzung von Ast und Güldenapfel (ebd. 1802). – Vgl. Rohde, Der griech. Roman und seine Vorläufer (Lpz. 1876).

Achilleus (lat. Achilles), der Sohn des Myrmidonenkönigs Peleus (daher der Pelide) und der Nereïde Thetis, der schönste, schnellste und tapferste unter den griech. Helden vor Troja. Seinen Zwist mit dem obersten Führer Agamemnon und dessen Beilegung besingt die Homerische Ilias: Als im 10. Jahre des Krieges A. in der Heeresversammlung veranlaßt hatte, daß Agamemnon dem Priester Chryses seine Tochter zurückgab, um den Zorn des Apollon zu besänftigen, nahm der König die Sklavin des A., die Briseïs, für sich in Anspruch. Grollend zog sich A. vom Kampfe zurück. Erst als die Troer unter Hektors Führung in das griech. Lager eindrangen, gestattete A. seinem Freunde Patroklos in seiner eigenen Rüstung die Myrmidonen in den Kampf zu führen. Der Tod des Patroklos durch Hektor ließ A. allen Groll vergessen; gerüstet mit den von Hephaistos kunstreich geschmiedeten Waffen, stürmt er in den Kampf, treibt die Troer hinter die Mauer der Stadt zurück und tötet Hektor, giebt den Leichnam aber nach der Bestattung des Patroklos gegen reiches Lösegeld dem König Priamos zurück. Von der Vorgeschichte des Helden teilt die Ilias mit, daß er von seiner Mutter im väterlichen Hause zu Phthia (Thessalien) erzogen, von Phoinix in der Rede-und Kriegskunst, von dem Kentauren Cheiron in der Heilkunde unterrichtet wurde; zur Teilnahme an dem Kriege von Nestor und Odysseus aufgefordert, führte er seine Myrmidonen in 50 Schiffen nach Troas. Erst eine späte Sage erzählt, daß Thetis ihren Sohn, um