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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Achteck - Acidum

Rest dividierbar ist und als Quotienten eine Trigonalzahl (s. Figurierte Zahlen) giebt. Auf Grund ihrer eigentümlichen arithmet. und geometr. Verhältnisse stand daher auch die Zahl 8 bei den alten Völkern in besonderm Ansehen. Nach der biblischen Erzählung von der Sintflut blieben acht Menschen (Vater und Mutter, drei Söhne und drei Schwiegertöchter) übrig. In der Astrologie der Chaldäer dienten die acht Örter des Himmels zur nähern Bestimmung der Weltgegenden, und die Griechen bildeten die Hauptwinde auf einem Oktogon ab. Die Baukunst des Altertums scheint die uralte Bedeutsamkeit der Zahl 8 zu bestätigen.

Achteck oder Oktogon, in der Stereometrie ein Körper mit acht Ecken oder Winkeln, z. B. der Würfel.

Achtender, s. Geweih.

Ächter, s. Acht (jurist.).

Achtermann, Theod. Wilh., Bildhauer, geb. 15. Aug. 1799 bei Münster, war bis zum 28. Jahre Landmann, erlernte hierauf die Tischlerei und ging erst 1832 ohne alle künstlerische Vorbildung nach Berlin, wo er sich in der Schule Schadows und Rauchs ausbildete. Hierauf begab er sich nach Rom, wo er 26. Mai 1884 starb. A. hat sich das Religiöse zum ausschließlichen Darstellungsgebiet erwählt, wobei er die Grundsätze der Nazarener (s. d.) auf die Plastik übertrug. In Rom arbeitete er 1841 eine Christusstatue, 1842 einen Heiland am Kreuze für den Herzog von Aremberg. Die berühmtesten seiner Werke enthält der Dom zu Münster: eine Pieta und eine Kreuzabnahme (1858). Von seinen spätern Werken ist ein Marmoraltar mit drei Reliefs aus dem Leben Christi hervorzuheben (1873; Dom zu Prag).

Achtermannshöhe, Granitkegel (926 m) im Harz (s. d.) südlich des Brockens.

Achtern bedeutet hinten; Achterdeck ist der hinterste Teil des Oberdecks (s. Deck). Achterlicher Wind ist der günstigste für die Vorwärtsbewegung durch Segel; er weht aus den Himmelsrichtungen, welche mehr als 8 Strich vom Kurse entfernt sind (s. Windrose).

Achterwieken, s. Fehn- und Moorkolonien.

Achtflächner, in der Krystallographie diejenigen Gestalten, welche von acht gleichwertigen Flächen begrenzt werden (s. Krystalle); es gehören dazu das reguläre Oktaeder (s. Tafel: Krystalle I, Fig. 1) mit gleichseitigen, die tetragonale Pyramide (Taf. 1, Fig. 23 u. 24) mit gleichschenkligen und die rhombische Pyramide (Taf. II, Fig. 10 u. 11) mit ungleichseitigen Dreiecken.

Achtkanteisen, eine Querschnittsform von gewalztem Stabeisen, s. Walzeisen.

Achtort nannten die Steinmetzen eine der Grundfiguren für die aufsteigenden Bauglieder des got. Stils, wie Thür- und Fenstergewände, Pfeiler und Fialen. Der A. besteht aus zwei im Winkel von 45° einander überschneidenden, gleichgroßen Quadraten.

Achtuba, Arm der untern Wolga (s. d.).

Achtundvierzigflächner, s. Hexakisoktaeder.

Achtung, Anerkennung des sittlichen Wertes einer Persönlichkeit, von Kant für das moralische Grundgefühl erklärt.

Achtung, militärische. Verletzung der dem militär. Vorgesetzten schuldigen A., z. B. durch absichtliche Unterlassung der vorgeschriebenen Ehrenbezeigungen, oder durch Belügen, wird disziplinarisch oder gerichtlich bestraft. (§§. 89 fg. des Deutschen Militärstrafgesetzbuchs vom 20. Juni 1872.)

Achtung, s. Acht (jurist.).

Ächtungsbill, s. Bill of attainder.

Achtyrka oder Achtyrsk. 1) Kreis im westl. Teil des Gouvernements Charkow, hat 2778,6 qkm mit 108 798 E. - 2) A., Kreisstadt des Kreises A., an zwei Seen, am Flusse A. und an der Linie Charkow-Nikolajew der Russ. Staatsbahnen, hat (1888) 25 419 E., in Garnison das 29. Dragonerregiment, Post, Telegraph, eine schöne Kathedrale mit drei Gemälden von Murillo und einem Muttergottesbilde, welches viele Wallfahrer herbeiführt, ein sechsklassiges Progymnasium; mehrere Fabriken, bedeutenden Obstbau, lebhaften Handel mit Stiefeln und Wollwaren und fünf Jahrmärkte. A., 1641 unter poln. Herrschaft gegründet, kam 1647 an Rußland.

Achyrantes L., Spreublume, Pflanzengattung aus der Familie der Amarantaceen (s. d.); A. Verschaffeltii Lem., mit seinen zahlreichen Varietäten und Spielarten, gehört zu den beliebtesten Zierpflanzen unserer Teppichgärten. Man vermehrt sie leicht durch Stecklinge und überwintert sie im Warmhause oder geheizten Zimmer.

Acidalbumin, Eiweißstoff, der aus allen Albuminkörpern durch Einwirkung der Salzsäure entsteht (s. Syntonin).

Äcidien, s. Puccinia und Uredineen.

Acidimetrie, eine Operation der quantitativen chem. Analyse, durch die der Gehalt einer Substanz an freier Säure oder der Konzentrationsgrad einer Säure ermittelt wird. Es kommen dabei drei verschiedene Methoden in Anwendung: a. man ermittelt die Sättigungskapacität der Säure, indem man eine zu ihrer Neutralisation gerade ausreichende Menge einer Alkalilösung von bekanntem Gehalt hinzufügt, deren Volumen man genau bestimmt (s. Analyse, chemische); b. man fügt eine bekannte, zur Neutralisation mehr als ausreichende Menge eines unlöslichen kohlensauren Salzes zu der zu untersuchenden Flüssigkeit und ermittelt nach erfolgter Neutralisation die Menge des ungelöst gebliebenen Salzes; c. die Flüssigkeit wird mit einem Überschuß von Natriumbikarbonat versetzt und das Gewicht der durch die stärkere Säure verdrängten Kohlensäure ermittelt. In den meisten Fällen bedient man sich der unter a. erwähnten Methode; die unter b. erwähnte läßt sich nur zur Bestimmung solcher Säuren verwenden, die mit dem Metalle des kohlensauren Salzes (Kalkspat) in Wasser leicht lösliche Salze bilden, also der Salzsäure, Salpetersäure, Essigsäure, nicht aber der Schwefelsäure.

Aecidiomycetes, s. Uredineen.

Acidität, das Wesen und die Stärke der Säuren.

Aecidium, eine der Fruktifikationsformen der Uredineen, Äcidiomyceten oder Rostpilze, galt früher als eigene Pilzgattung (s. Puccinia und Uredineen).

Acidum (lat.), Säure (s. d.). A. aceticum, s. Essigsäure; A. arsenicosum,, s. Arsenige Säure; A. arsenicum, s. Arsensäure; A. benzoicum, s. Benzoesäure; A. boricum, s. Borsäure; A. carbolicum, s. Carbolsäure; A. chromicum, s. Chromsäure; A. citricum, s. Citronensäure; A. formicum, s. Ameisensäure; A. hydrobromicum, s. Bromwasserstoff; A. hydrochloricum, s. Salzsäure; A. hypophosphorosum, s. Unterphosphorige Säure; A. lacticum, s. Milchsäure; A. nitrucum, s. Salpetersäure; A. oxalicum, s. Oxalsäure; A. phosphoricum, s. Phosphorsäure; A. phosphorosum, s. Phosphorige Säure; A. salicylicum, s. Salicylsäure; A. succinicum, s. Bernsteinsäure; A. sulfuricum, s. Schwefelsäure; A. tannicum, s. Gerbsäure; A. tartaricum, s. Weinsäure.