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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Acier à la rose; Acies; Acincum; Acireale; Acis; Acken; Acker; Ackerbau

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Acier à la rose - Ackerbau

Acier à la rose (frz., spr. aßjeh alla rohs', d. i. Rosenstahl), eine Sorte Puddel- oder Cementstahl, s. Rosenstahl.

Acies (lat.), Treffen, Schlachtordnung.

Acincum, s. Aquincum.

Acireale (spr. atschi-), Hauptstadt des Kreises A. (130697 E.) in der ital. Provinz Catania an der Ostküste Siciliens, am südöstl. Fuße des Ätnas, in 160 m Höhe auf einer ungeheuern Masse basaltischer Lava, an der Mündung des vom Ätna herabkommenden Flüßchens Aci, das hier einen kleinen Hafen bildet, und an der Linie Messina-Siracusa der Sicil. Eisenbahnen, hat breite Straßen, regelmäßige Plätze, hohe Türme, aus Lava erbaute Häuser, (1881) 22859, als Gemeinde 38547 E., ein Gymnasium, eine technische Schule, eine an sicil. Münzen sehr reiche Münzsammlung des Barons Pennisi; Fabrikation von Seidenstoffen, Leinen- und Baumwollgeweben, Messern und Scheren, bedeutenden Flachs- und Getreidehandel und vielbesuchte warme (Terme di S. Venera) und Seebäder. Bei A. sind die Höhle des Polyphem, die Grotte der Galateia, und im Meere die sieben merkwürdigen Basaltklippen, Scogli dei Ciclopi, auch Faraglioni genannt, deren höchste über 60 m aufsteigt.

Acis, s. Akis.

Acken, Hans van, Maler, s. Achen.

Acken, Stadt, s. Aken.

Acker oder Feld nennt man im Gegensatz zur Wiese oder Weide denjenigen landwirtschaftlichen Boden, der regelmäßig bearbeitet oder bestellt wird.

A. hieß auch in einigen Ländern Deutschlands vor Einführung des metrischen Systems die Einheit des Feldmaßes. Im Königreich Sachsen umfaßte der A. von 2 Morgen 300 Quadratruten (Feldmesserruten) = 55,34 a, in Sachsen-Weimar 140 Q.-R. = 28,50 a, in Sachsen-Gotha 140 Q.-R. = 22,70 a, in Sachsen-Coburg und Sachsen-Meiningen 160 Q.-R. = 28,96 a, in Sachsen-Altenburg 200 Q.-R. = 64,16 a, in Schwarzburg-Rudolstadt 160 Q.-R. = 32,62 a, in Kurhessen 150 Q.-R. = 23,87 a. (Über das engl. Feldmaß s. Acre.)

Ackerbau oder Agrikultur, derjenige Teil der Landwirtschaft (s. d.), der sich speciell mit der Bodenbestellung behufs des Anbaues der Nutzgewächse beschäftigt. Nicht selten begreift man unter A. das Gebiet der gesamten ökonomischen Bodenproduktion, aber mit Unrecht; der Begriff dehnt sich nicht weiter aus als auf den Acker, das pflugfähige oder urbare Erdreich. Der A. ist älter als die Landwirtschaft im weitern Sinne, und wahrscheinlich jünger als die Viehzucht. Der Jäger ward zum Nomaden, dieser erst zum Ackerbauer, sobald er sich an feste Wohnsitze bannte. Die Mythen aller Völker verherrlichen diesen Übergang in Allegorien, und zugleich giebt die Mythologie Belege dafür, daß von alters her der A. als das erste und edelste aller Gewerbe im höchsten Ansehen gestanden hat.

Die Lehre vom A. zerfällt in zwei Teile: Agronomie und Pflanzenproduktionslehre. Die Agronomie begreift in sich die verschiedenen Disciplinen der Geologie, Geognosie, Physik, Meteorologie, Chemie und Mechanik in ihrer Anwendung auf die Bodenkultur. Sie umfaßt folgende Abteilungen und Unterabteilungen: 1) Bodenkunde, behandelnd: a. geolog. Beschaffenheit des Bodens; b. physikalische, c. chem. Eigenschaften; d. landwirtschaftliche Klassifikationen des Bodens. 2) Klimatologie, d. i. die Lehre von den klimatischen Einflüssen, den horizontalen und senkrechten Wärmeregionen in Bezug auf das Gedeihen der Kulturgewächse, und den Modifikationen, welche das örtliche Klima bilden. 3) Mechan. Bodenbearbeitung, d. i. Überführung der Ackerkrume (s. d.) und des Untergrundes (s. d.) in einen Zustand, welcher eine Unterbringung der Saat zuläßt und den Pflanzenwurzeln ermöglicht, die größtmögliche Nahrungsmenge daraus zu entnehmen. 4) Bewässerung, in südl. Ländern ein unentbehrliches Hilfsmittel der Kultur, in Klimaten mit reichlichen Niederschlagen vorzugsweise bei der Kultur der Gräser, dem Wiesenbau (s. d.), angewendet. 5) Entwässerung oder Abführung schädlichen Wassers aus der Atmosphäre, aus Quellen und aus stauender Feuchtigkeit auf undurchlässigem Untergrund (s. Drainierung). 6) Urbarmachung oder Kultur noch nicht mit landwirtschaftlichen Gewächsen bepflanzter Flächen durch Ausroden, Rajolen (s. Rigolen), Abbrennen, Plaggenschälen, Wegräumen von Hindernissen u. s. w. 7) Düngung, d. h. Ersatz der dem Boden durch wiederholte Ernten entzogenen Pflanzennahrungsbestandteile durch geeignete Stoffe gleicher chem. Zusammensetzung (s. Dünger). Die Agronomie bildet das Fundament der ganzen Theorie des A. Wenngleich schon die Alten (so Mago der Karthager und die Scriptores rei rusticae) mit deren Grundzügen wohl vertraut waren, so gewann sie doch wissenschaftliche Berechtigung erst mit der Entwicklung der Naturwissenschaften im 18. und 19. Jahrh.

Der zweite Teil der Theorie des A., die Pflanzenproduktionslehre, zerfällt in einen allgemeinen und einen speciellen Teil. Jener, die allgemeine Pflanzenproduktionslehre, umfaßt in erster Reihe die Kenntnis der Lebensbedingungen der Pflanzen, also deren Anatomie und Physiologie, vorzugsweise die Gesetze der Ernährung und Organisation. Sodann beschäftigt sich die Produktionslehre speciell mit den verschiedenen Operationen zur Hervorbringung lohnender Pflanzenerträge. Dahin gehören: 1) Die Vorbereitung der Saat, Auswahl, Reinigung, Sortierung des Samens; Schutz desselben gegen Schmarotzerbildungen (durch Waschen, Beizen u. s. w.); Anlage von Samenbeeten (Couchen oder Kutschen); Erziehung der Pflänzlinge (oder Keime, Knollen, Wurzelausläufer u. s. w.). 2) Die Saat selber, mit der Hand oder Maschine, breitwürfig oder in Reihen, gedibbelt oder in Horsten, auch das Verpflanzen aus den Samenbeeten; Unterbringung der Samen, vielleicht mit Beidüngung oder mit Bewässerung bei dem Pflanzverfahren. 3) Die Pflege der Nutzpflanzen, ihr Schutz und ihre Bearbeitung während der Wachstumsperiode; Behacken, Behäufeln, Schürfen; Lichten, Verziehen, Dünnerstellung; Ausrottung des überwuchernden Unkrauts, Jäten; Behüten vor Krankheiten und schädlichen Tieren; Schutz vor der Vergeilung (Schröpfen), Übereggen, Überwalzen; endlich Nachhilfe stockenden Wachstums durch Überdüngung (Kopfdüngung, Top-dressing) und Bewässerung. 4) Die Ernte oder das Sammeln und Einbringen der Produkte. Hierher gehören das Abbringen durch Mähmaschine, Sense, Sichte und Sichel, das Ausheben, Aushacken, Raufen (Lein), Pflücken u. s. w., je nachdem die ganze Pflanze oder nur ein Teil davon nutzbar verwendet wird; das Trocknen und Zurichten (Binden in Garben, Pyramidentrocknung, Törrung in erhitzten Riegen [Ostseeländer, Rußland]), Gärung (Sauerfutterbereitung); ferner das Einfahren,