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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Açoren - Acquit-à-caution

Abschlagszahlung, d. h. eine solche, durch welche nur ein Teil einer Schuld abgetragen wird.

Açoren (portug. Açores), s. Azoren.

Acormus (grch.), eine unförmliche, nicht lebensfähige Mißgeburt, rumpfloser Kopf.

Acorus L. (Kalmus), eine zur Familie der Araceen (s. d.) gehörende Pflanzengattung, die ursprünglich in Ostindien einheimisch ist. Eine einzige Art dieser Gattung, der gemeine Kalmus A. Calamus L., s. Tafel: Araceen, Fig. 9), hat sich seit dem 15. Jahrh. auch in Europa eingebürgert und ist eine bekannte Sumpfpflanze an Teichen und Flußufern, besonders sandiger Gegenden. Die zwitterigen grünlichen Blüten sitzen dichtgedrängt auf einem an der Seite eines blattähnlichen Schaftes stehenden Kolben; sie haben ein sechsteiliges Perigon, sechs Staubgefäße und einen 2-3fächerigen Fruchtknoten. Der Kalmus trägt in unserm Klima nie Früchte und vermehrt sich allein durch kriechende Verzweigung seines Wurzelstockes. Dieser Wurzelstock, fälschlich Kalmuswurzel genannt, ist unter dem Namen Rhizoma Calami ein geschätztes Arzneimittel. Das Kalmusrhizom ist daumendick, längsrunzelig, auf der Unterseite mit zickzackartig gestellten Quernarben versehen, die von den Ansatzstellen der Wurzeln herrühren. Im Handel ist diese Drogue meist geschält. Kandierter Kalmus war früher ein beliebtes Magenmittel. Das in der Rinde zu etwa 2 Proz. enthaltene ätherische Öl (Oleum Calami) wird in der Medizin zuweilen noch in magenstärkenden Pulvergemischen und zum Parfümieren von Zahnpulver verwendet. Hauptsächlich dient es zur Liqueurbereitung. Die übrigen Arten der Gattung A. sind ebenfalls aromatisch und werden auf gleiche Weise angewendet. So wird in China der grasartige Kalmus (A. gramineus Aït.) angebaut. Den Ingwer nennt man oft Indischen Kalmus.

Acosta, Gabriel (später Uriel), Religionsphilosoph, geb. um 1591 zu Oporto, gehörte einer zum Christentum übergetretenen jüd. Familie an. Als strenger Katholik erzogen, widmete er sich jurist. Studien und erhielt einen Posten in einem kirchlichen Kollegium. Immer tiefer in Zweifel an der Göttlichkeit des Christentums verstrickt, legte er seine Stelle nieder und entfloh mit Mutter und Brüdern nach Amsterdam, wo er zum Judentum übertrat und den Vornamen Uriel annahm. Doch fühlte sich A. auch in seiner neuen Gemeinschaft nicht befriedigt. Er sah bald im Judentum eine Sammlung von Satzungen, die er als pharisäische Mißbräuche verurteilte. Von der Synagoge zur Rede gestellt, beharrte er bei seinen Ansichten und wurde deshalb exkommuniziert. Als er hierauf zur Verteidigung seiner Meinungen und Widerlegung einer gegen ihn veröffentlichten Schrift des Arztes da Silva sein "Examen dos tradiçoens Phariseas conferideras con a Ley escrita por Vriel Jurista Hebreo, com reposta à hum Semuel da Silva seu falso Calumniador" (Amsterd. 1624), auch lat. als "Examen traditionum Pharisaeicarum collatarum cum lege scripta" (ebd. 16i23) herausgegeben hatte, erfolgte seine Anklage durch die jüd. Ältesten beim Rate der Stadt Amsterdam, der ihn zu einer Geldstrafe verurteilte und seine Schrift konfiscieren ließ. A. ließ sich 1633 endlich zur Unterzeichnung des Widerrufs herbei. Aber infolge neuer Beschuldigungen legte ihm der Große Rat eine schimpfliche Buße auf, und als er deren Erfüllung verweigerte, erfolgte der Bannfluch. Hierauf sieben Jahre lang den Verfolgungen seiner Verwandten wie der jüd. Gemeinde preisgegeben, unterwarf er sich endlich der Buße, nahm sich aber, innerlich zerrüttet und voll erbittertem Groll gegen seine Glaubensgenossen, April 1640 durch einen Pistolenschuß das Leben. Gutzkow wählte A. zum Helden der Novelle "Die Sadducäer von Amsterdam" (1834) und der Tragödie "Uriel A." (1846). A.s Selbstbiographie "Exemplar humanae vitae" wurde mit Widerlegungen hg. von Ph. von Limborch ("Amica collatio cum erudito Judaeo", Gouda 1687); es erschien auch lateinisch und deutsch (mit Einl., Lpz. 1847). - Vgl. A. Jellinek, A.s Leben und Lehre (Zerbst 1847): A. Jellinek, Elischa ben Abuja, genannt Acher. Zur Erklärung und Kritik der Gutzkowschen Tragödie "Uriel A." (Lpz. 1847); J. da Costa, Israel en de volken (Haarl. 1849).

Acötes, s. Akoites.

A coup perdu (frz., spr. ackú perdüh), aufs Geratewohl.

Acqs, franz. Stadt, s. Ar.

Acquaviva delle Fonti, Stadt im Kreis Bari der ital. Provinz Bari, 41 km von Bari, an der Zweigbahn Bari-Taranto des Adriatiscden Netzes, hat (1881) 8525 E., eine roman. Hauptkirche, Gymnasial- und technische Schule.

Acquetta di Napoli, s. Aqua Tofana.

Acqui, im Altertum Aquae Statiellae oder Statiellorum, Hauptstadt des Kreises A. (106 226 E.) in der ital. Provinz Alessandria, links von der Bormida und an der Linie Alessandria-Cairo des Mittelmeernetzes, ist Bischofssitz, hat (1881) 9399, als Gemeinde 11 283 E., in Garnison das 23. Feldartillerieregiment, Ruinen einer röm. Wasserleitung, eine got. Kathedrale (11. Jahrh.) und mehrere ansehnliche öffentliche Gebäude, wie das Seminar, das Collège, das Stadthaus, den Palast des Provinzialgerichtshofs u. s. w. In und bei der Stadt heiße Schwefelquellen (von 39 bis 51° C.), die schon den Römern bekannt und nach den ligurischen Bewohnern dieser Gegend, den Statiellern, benannt waren. Die reichlichste sprudelt auf der Piazzadegli Ebrei hervor und wird ungeachtet ihres Schwefelgeruchs zu häuslichen Zwecken verwendet. Ihre Hauptbestandteile sind Schwefelcalcium, Chlornatrium, Chlorcalcium und Kieselerde. Auf dem gegenüberliegenden Flußufer finden sich andere Schwefelquellen. Die Badeanstalt besteht aus zwei im 17. und 18. Jahrh. errichteten, in neuerer Zeit bedeutend vergrößerten Gebäuden, wo das Wasser in Douche- und Schlammbädern gegen chronische Hautausschläge, Gicht, Rheumatismus, Nervenleiden und Lähmungen angewendet wird. Die Zahl der Badegäste beträgt jährlich gegen 4000. - Vgl. Ratti, Le regie terme d'A. (Mail. 1844).

Acquiescieren (lat.), sich bei etwas beruhigen, es dabei bewenden lassen.

Acquirieren (lat.), erwerben, sich zueignen; davon Acquisition, Erwerbung.

Acquit (frz., spr. ackí), Quittung, Empfangschein. Mit "pour acquit" oder "par acquit (pr acquit)" bescheinigt man den Empfang einer Zahlung. - Beim Billard heißt A. das Aussetzen des Balles.

Acquit-à-caution (spr. ackitakkoßjóng), in Frankreich ein hauptsächlich dem Transitverkehr (s. Durchfuhr) dienender Begleitschein zoll- oder steuerpflichtiger Waren, dessen richtige Erledigung durch Bürgschaft oder Hinterlegung eines Geldbetrags sicher zu stellen ist. Eine besondere Wichtigkeit haben diese Scheine in dem Veredelungsverkehr (s. d.) erhalten, der ebenfalls als eine Art von Transit behandelt wird. Grundsätzlich wurde