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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Adern - Ad hoc

wird und das Blut sich in letzterm staut und sie auftreibt. Hierauf macht man in die gewählte Vene einen Stich mit dem Aderlaßschnepper oder besser mit der Lanzette und läßt nun ein bestimmtes Quantum (180-500 g) Blut ausfließen. Kommt der Blutfluß ins Stocken, so läßt man Hand und Finger, beziehentlich Fuß und Zehen der operierten Seite, kräftig bewegen, worauf das Blut meist wieder zu fließen beginnt. Man bedeckt die Wunde mit einer Kompresse, die vermittelst einer Binde befestigt wird, und läßt den Arm 24 Stunden ruhig halten. (S. Blutentziehung.) Vgl. Bauer, Geschichte der A. (Münch. 1870). Bei Haustieren wird der A. heutzutage viel seltener gemacht als in frühern Zeiten. Nur bei rheumatischer Hufentzündung (Rehe), akuter Gehirnentzündung und Lungenentzündung im Beginne ist A. am Platze. Auch bei der sog. schwarzen Harnwinde des Pferdes hat Fröhner den A. warm empfohlen. Der A. kann an den verschiedensten "Adern", d. i. Venen, gemacht werden, an der Sporader, an den Fesselvenen, an der Vorarmvene, der Bugader, Schrankader, beim Rinde an der Milchader (Bauchhautvene); am häufigsten wird jedoch zu dieser Operation die Drosselvene benutzt, die vermittelst der Fliete (s. d.) oder der Lanzette eröffnet wird. Die Menge Blut, die entzogen werden darf, beträgt beim Pferd und Rind 3, höchstens 5 kg, beim Schaf 150-200 g, bei Schweinen 300-400 g, bei Hunden je nach deren Größe 50-160 g. Der Verschluß der Aderlaßwunde erfolgt von selbst; nur zur Sicherheit vernäht man die Hautwunde.

Adern, die im menschlichen und tierischen Körper baum- und netzförmig verbreiteten elastischen Röhren, in denen das Blut und die Lymphe fließt. Man unterscheidet Arterien (s. d.) oder Pulsadern und Venen (s. d.) oder Blutadern. (S. Blutgefäße, Lymphe, Gefäße, Kreislauf des Blutes.) Über Güldene Ader s. Hämorrhoiden.

Adern der Blätter, s. Blattnervatur.

Aderno, Stadt in der Provinz Catania, Kreis Catania, auf Sicilien, in 561 m Höhe, hat (1881) 20 160 E.; ein viereckiger Turm aus der Normannenzeit ist jetzt Gefängnis. A. ist das alte Hadranum (Adranum), berühmt durch einen Tempel des einheimischen Gottes Hadranos oder Adranos.

Adernsäge, dient dem Tischler zum Ausschneiden schmaler Streifen in Tischplatten, in deren ausgeschnittene Teile ein Streifen (Bordüre) aus anderm Holze eingeleimt wird. Die A. hat die Gestalt eines Hobelkastens und zeigt statt des Hobeleisens ein Sägeblatt. Die untere Fläche (Sohle) ist nicht eben, sondern in der Art rechtwinklig abgesetzt, daß die Sohle sich der ganzen Länge nach in zwei ebene Flächen teilt, deren rechte tiefer liegt. Der hierdurch gebildete Anschlag ist durch Holzschrauben verstellbar, um die Breite der Bordüren verschieden zu machen.

Aderpilz, s. Hausschwamm.

Adersbach, Dorf in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Braunau in Böhmen, dicht an der preuß.-schles. Grenze, zerfällt in die Dorfgemeinden Ober- (906 E.) und Nieder-Adersbach (754 E.) und hat ein 1577-80 erbautes Schloß der Edlen von Elsenwanzer (Allodherrschaft, 19,11 qkm) mit Park, Burgruine Althaus und Flachsspinnerei. Bekannt ist der Ort durch die Adersbacher Felsen, die aus einem 8 km langen, bis 2 km breiten, 470 m über die See sich erhebenden Quadersandsteinflöz bestehen, das durch Auswaschungen allmählich in ein Labyrinth von Tausenden von 30 bis 60 m hohen Felsenkegeln zerklüftet ist. Vor dem Labyrinth erhebt sich in einer mit Wasser gefüllten Vertiefung der "Zuckerhut", ein 16 m hoher Felsblock von angeblich 80 000 kg Gewicht. Noch großartiger in ihren Naturgebilden sind die nahen Felsen von Weckelsdorf (s. d.).

Aderschwamm, s. Hausschwamm.

Ädesius, s. Frumentius.

Adesmosen (grch.), Hautkrankheiten, welche auf angeborener mangelhafter Entwicklung oder erworbenem Schwund des Bindegewebes beruhen.

Adespota (grch., d. i. Herrenlose), herrenlose Güter; kleinere Werke, Gedichte u. s. w. von unbekannten Verfassern; auch unverbürgte Gerüchte.

Adhäsion (lat.), in der Physik die zu den Molekularkräften (s. d.) zu zählende Kraft, infolge deren zwei verschiedene Körper aneinander haften, sobald sie in hinreichend vielen Punkten miteinander in Berührung gebracht werden. Man kann die Bethätigung dieser Kraft sowohl bei Berührung fester Körper untereinander als auch bei der von festen mit flüssigen Körpern nachweisen. Auch die Absorption (s. d.) läßt sich als eine bis in das Innere dringende A. auffassen. Die Wirkungen der A. treten uns überall entgegen. So beruht auf ihr alles Kitten, Leimen und Löten. Die Kreideteilchen haften infolge der A. an der Tafel und die Bleistiftteilchen auf dem Papier oder anderm Schreib- oder Zeichenmaterial. Auch das Plattieren (s. d.) ist nur durch A. möglich. Ferner bewirkt die A. das Anhaften der Spiegelfolie auf der Rückseite der Spiegel, das Anhaften der Farbe und Schwärze an den Formen, Walzen, Holz-, Kupfer-, Stahl- und Steinplatten beim Drucken, das Festhalten des Anwurfs an Mauern, das Benetztwerden der in Wasser getauchten Hand. Ein fester Körper wird von einer Flüssigkeit benetzt, wenn die A., mit der die Flüssigkeit an dem festen Körper hängt, größer ist als die Kohäsion der Flüssigkeit; ist jedoch die Kohäsion größer als die A., so findet keine Benetzung statt, wie dies z. B. der Fall zwischen Quecksilber und Glas, Wasser und Fett u. s. w. ist. Die A. wirkt nur auf äußerst kleine Entfernungen. Hohe Politur der aufeinander liegenden Flächen, ein größerer Druck auf dieselben, ferner eine längere Berührungsdauer erhöhen die A. Das kräftige Haften zweier aufeinander geschliffener Platten beruht indessen zum größten Teil auf der Wirkung des Luftdrucks. Zwei solche Platten von 1 qm Fläche haften infolge des Luftdrucks mit einer Kraft von 1033 kg, während die A. höchstens 1,3 kg (für Kupfer) beträgt. - In der Pathologie bezeichnet A. die mehr oder weniger feste Vereinigung oder Verwachsung verschiedener, im normalen Zustande nicht miteinander verbundener Körperteile, namentlich der Eingeweide untereinander und mit der Wand der Körperteile, in der sie eingeschlossen sind. Ihrer Bildung geht meist eine Entzündung (sog. adhäsive Entzündung) voraus, bei der es zur Entwicklung von neuem Gewebe mit reichlichen Blut- und Lymphgefäßen kommt. Das neu gebildete, anfangs sehr weiche und lockere Gewebe wird erst allmählich fester (Narbengewebe). - A. (juristisch), s. Anschließung.

Adhäsionseisenbahnen, s. Eisenbahnsysteme.

Ad hastam (lat., "zur Lanze"), zur öffentlichen Versteigerung, s. Subhastation.

Adherbal, König von Numidien (s. Jugurtha).

Ad hoc (lat.), für den einzelnen Fall. So wird für einen Bevormundeten ein Kurator ad hoc, Pfleger